Zeitung Heute : Bei besserer Gesundheit

Cordula Eubel

Die Krankenhauskosten in Deutschland stiegen im Jahr 2003 trotz kürzerer Liegezeiten. Wie kam diese Veränderung zustande?

Patienten im Krankenhaus müssen heutzutage nicht mehr so lange das Bett hüten wie noch vor einigen Jahren. Die durchschnittliche Verweildauer in der Klinik ist nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts 2003 erstmalig unter neun Tage gesunken (8,9). Damit hält der Trend an: 2002 blieb ein Patient im Schnitt 9,2 Tage im Krankenhaus, 1993 waren es sogar 13,2 Tage. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist dieser Wert aber immer noch hoch. In Dänemark liegen Patienten weniger als sechs Tage im Krankenhaus.

Das liegt auch an der Vergütung. Bisher wurde in Deutschland nach Aufenthaltstagen im Krankenhaus abgerechnet. Das führte dazu, dass manch ein Patient über das Wochenende dabehalten wurde, damit die Tagessätze kassiert werden konnten. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat mittlerweile für die Krankenhäuser aber ein neues Abrechnungssystem eingeführt, das den Wettbewerb zwischen den Kliniken verschärft und zu kürzeren Verweildauern führt: die so genannten diagnoseorientierten Fallpauschalen („Diagnosis Related Groups“, kurz: DRG). Je nach medizinischer Diagnose und der notwendigen Behandlung bekommen die Kliniken eine Pauschale, unabhängig von der Aufenthaltsdauer im Krankenhaus. Dieses System wird seit Anfang vergangenen Jahres schrittweise realisiert. Nach Ansicht von Experten wird dadurch die Aufenthaltsdauer in den nächsten Jahren weiter zurückgehen.

Aber auch bei anderen Kennziffern sind deutliche Veränderungen zu beobachten: Die Zahl der Krankenhäuser hat sich in den vergangenen zehn Jahren um sieben Prozent verringert. Während es 1993 noch 2354 Kliniken gab, waren es 2003 nur noch 2189. Der härtere Wettbewerb hat dazu geführt, dass Häuser geschlossen wurden oder fusioniert haben. Damit einher geht eine geringere Bettenzahl: Waren es 1993 noch 628 000 Krankenhausbetten, sind es ein Jahrzehnt später nur noch 542 000 – knapp 14 Prozent weniger. „Das ist der Beleg dafür, dass die Kliniken immer wirtschaftlicher arbeiten“, sagt ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Trotzdem steigen die Krankenhauskosten – wenn auch sehr moderat. Im Jahr 2003 haben die Statistiker einen Zuwachs von 2,7 Prozent auf 62,3 Milliarden Euro festgestellt. Der Großteil wird für Personalausgaben aufgewandt – etwa zwei Drittel gehen an die eine Million Beschäftigte in den deutschen Kliniken. Der geringere Teil wird für Medizingeräte oder Medikamente ausgegeben. Weil Ärzte, Krankenpfleger und Verwaltungspersonal auch gelegentlich eine Gehaltserhöhung bekommen, steigen die Ausgaben zwangsläufig. Im Jahr 2004 mussten die Kliniken sogar eine Nullrunde akzeptieren – mit Ausnahme der Häuser, welche die Fallpauschalen als Erste neu eingeführt haben. Auch in diesem Jahr legen die Budgets nur in geringem Umfang zu: nach DKG-Angaben um 0,38 Prozent.

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