Zeitung Heute : Bei Lawinengefahr im Urlaubsort kann eine Ferienwohnung gekündigt werden

tdt

Missglückt. Für eine missglückte Bildungsreise auf die kapverdischen Inseln muss ein Reiseveranstalter rund zwei Drittel des Reisepreises von 1930 Mark zurückerstatten. In einem jetzt veröffentlichten Urteil stellte das Amtsgericht Frankfurt am Main zahlreiche Reisemängel fest, die nahezu alle Bildungsbemühungen der Teilnehmer verhindert hätten. Eine zur Besichtigung vorgesehene Tunfischfabrik habe gar nicht mehr existiert. In einer Zuchtstation für essbare Meerestiere seien alle Becken leer gewesen. Die Besichtigung von Meerwasserentsalzungsanlagen habe zudem keinerlei Informationswert gehabt, weil der einheimische Führer weder Englisch noch Deutsch sprach, entschied das Gericht (Aktenzeichen: 32 C 759/98-19).

Lawine. Eine drohende Lawine ist ein wichtiger Grund für die Kündigung einer Ferienwohnung. Mit diesem Urteil hat das Amtsgericht Herne-Wanne (Aktenzeichen: 2 C 175/99) die Klage eines Vermieters abgewiesen, der vom Mieter eines Feriendomizils Schadenersatz in Höhe des vollen Mietzinses verlangt hatte. Der Beklagte hatte eine Ferienwohnung im Kleinwalsertal gemietet, es dann aber für zu gefährlich gehalten, dort Urlaub zu machen, nachdem in dem Gebiet die Lawinen-Warnstufe fünf ausgerufen worden war. Allein durch diese Gefahrenlage war nach Auffassung des Gerichts der vertraglich vorgesehene Nutzen der Reise als Ganzes in Frage gestellt und deshalb die Kündigung gerechtfertigt.

Teppich. Hat ein Urlauber im Ausland ein vermeintliches Schnäppchen gemacht, kann er den Kaufvertrag später in der Heimat nicht unter Berufung auf deutsche Gesetze rückgängig machen. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf verurteilte deshalb einen Türkei-Touristen zur Einhaltung eines Kaufvertrages über drei Teppiche im Wert von 13 800 Mark (Aktenzeichen: 21 U 48/99). Das Urteil vom 26. Oktober gab das OLG jetzt in Düsseldorf bekannt.

Die Teppiche hatte der Urlauber während einer Stadtrundfahrt in einem Geschäft in Antalya gekauft und 1000 Mark angezahlt. Die Verkäuferin schickte die Teppiche nach Deutschland. Der Rheinländer wollte die seiner Ansicht nach überteuerte Ware aber nicht mehr haben. Vor Gericht berief er sich auf das deutsche Gesetz zum Haustürgeschäftswiderrufsrecht (HaustürWG) und erlitt damit Schiffbruch.

Das OLG verwies auf die Wirksamkeit des türkischen Rechts, weil die Waren-Leistung in der Türkei erbracht worden sei. Ein Verbraucher könne nicht erwarten, dass ihm das Heimatrecht ins Ausland folge. Da der Kauf außerdem in einem Geschäft erfolgte, sei das Haustürgesetz ohnehin kaum anwendbar.

FKK. Buchen Urlauber eine so genannte Roulette-, Glücks- oder Fortunareise und werden in einem FKK-Hotel untergebracht, steht ihnen eine Preisminderung von 50 Prozent zu. Dies zeigt ein Urteil (Aktenzeichen: 18502 / 97) des Amtsgerichts Düsseldorf. Auch bei solchen Reisen sei eine normale Unterbringung Vertragsbestandteil. Die Urlauber hätten sogar den Reisevertrag kündigen können. Die Richter verwarfen auch das Argument des Reiseveranstalters, dass in diversen Zonen und im Restaurant ab 20 Uhr Textilzwang bestand. Den Urlaubern sei nicht zuzumuten, dorthin auszuweichen. Und sie hätten Anspruch auf einen Restaurantbesuch auch schon vor acht Uhr abends.

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