Zeitung Heute : Bei Scheidung zum Steuerberater

Die Finanzprogramme sind zwar besser geworden, helfen aber nicht in jedem Fall

Christian Röwekamp

Bis Ende Mai müssen wieder viele Bundesbürger ihre Einkommensteuererklärung abgeben. Doch obwohl in vielen Betrieben die alten Lohnsteuerkarten noch nicht wieder ausgehändigt wurden, haben manche Menschen die Formulare für das Finanzamt längst fertig – oft ausgefüllt mit Hilfe des Computers.

Rund drei Millionen Bundesbürger nutzen für ihre Steuererklärung mittlerweile eine PC-Software, schätzt die Stiftung Warentest in Berlin. Fast ein Dutzend Programme sind auf dem Markt, und die meisten von ihnen haben gegenüber früheren Jahren an Qualität gewonnen: „Die Programme sind besser geworden, haben aber immer noch einige Macken“, formuliert Aenne Riesenberg von der Stiftung das Fazit eines Vergleichstests.

Dass die Steuer-Software heute mehr überzeugt als früher, glaubt auch Hans-Joachim Vanscheidt vom Bund der Steuerzahler in Wiesbaden. Ein großer Vorteil der Programme sei nicht zuletzt, dass der Anwender von seinem Computer errechnen lassen kann, wie viel ihm das Finanzamt zurückgeben muss oder wie viel er dem Staat noch schuldet. „Manuell sind solche Berechnungen für den Laien kaum noch zu schaffen, gerade im Bereich der Sonderausgaben“, sagt Vanscheidt. Sinnvoll seien auch die Musterbriefe und Argumentationshilfen für Schriftwechsel mit dem Fiskus, die viele Programme enthalten.

Zu große Erwartungen sollte aber niemand mit der Steuer-Software verknüpfen: „Sobald der Fall komplizierter wird und es zum Beispiel um vermietetes Wohneigentum oder die steuerlichen Auswirkungen einer Ehescheidung geht, stoßen die Programme an ihre Grenzen“, urteilt Vanscheidt. Das sehen die Warentester genauso: Auch mit dem Sieger des Tests, den die Stiftung in ihrer Zeitschrift „Finanztest“ (siehe Kasten) veröffentlicht hat, sei es für Laien schwer gewesen, zum richtigen Ergebnis zu kommen. Bis zum Schluss müsse der Nutzer konsequent alle Abfragen durcharbeiten. Schon eine kleine Unachtsamkeit könne sich als großer Nachteil erweisen.

Von den insgesamt acht getesteten Programmen erhielt nur die „Steuer-Spar-Erklärung 2003“ die Note „sehr gut“. Der Testsieger berechnete die vorgegebenen Musterfälle mit Abstand am genauesten. Vier Programme schnitten mit „gut“ ab, eines mit „befriedigend“, zwei mit „ausreichend“.

Verbesserungsbedarf sieht Aenne Riesenberg vor allem bei der Bedienungsoberfläche, die oft viel zu unübersichtlich sei. Dies liege aber auch an den Vorgaben der Finanzverwaltung, räumt Hans-Joachim Vanscheidt ein: „Die Formulare sind generell zu kompliziert.“ In jedem Fall sollte die verwendete Software auf dem aktuellen Stand sein, raten die Experten. Da sich das Steuerrecht schnell ändern kann, stellen die Hersteller in der Regel Updates im Internet zur Verfügung. Diese sollten vor dem Start der Berechnungen werden, sagt Vanscheidt, denn „ein Programm von November kann bereits überholt sein“. gms/Tsp

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