Zeitung Heute : „Bei uns ist doch nie etwas passiert“

eComm-Berater Michael Stamm hilft bei der Suche nach einem geeigneten IT-Dienstleister

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Michael Stamm, 40, leitet das für Berlin und Brandenburg zuständige Kompetenzzentrum eComm. Die Einrichtung berät den Mittelstand und das Handwerk in IT-Fragen.

Herr Stamm, ob Rechtsanwalt, Arzt oder Kfz-Meister - ohne Computer läuft keine Kanzlei, Praxis oder Werkstatt. Doch wenn es um die IT-Sicherheit geht, glauben viele Chefs, alles ohne fremde Hilfen zu schaffen. Woran liegt es, dass offenbar das Bewusstsein für die Gefahren so gering ausgesprägt ist.

Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass viele kleine Unternehmen beziehungsweise deren Chefs sich gar nicht oder nur ungenügend mit dem Thema Netz- und Informationssicherheit auseinander setzen. Oftmals herrscht die Meinung vor: „Bei uns ist doch noch nie etwas passiert.“ Außerdem ist die falsche Vorstellung weit verbreitet, dass IT-Sicherheit mit hohen Investitionen in spezielle Technik und mit dem Einsatz von hochspezialisiertem Personal verbunden ist.

Gibt es eine Faustregel, wie groß ein Unternehmen sein muss, um einen IT-Dienstleister als Partner zu benötigen?

Auch die meisten kleinen Unternehmen nutzen ja bereits IT-Dienstleister, beispielsweise einen Internet-Service-Provider. Bei der IT-Sicherheit ist dazu jedoch zweierlei zu bemerken: Zum einen ist die Absicherung der eingesetzten EDV-Infrastruktur erst in jüngster Zeit integraler Bestandteil von IT-Dienstleistungen geworden. Zum anderen müssen die Unternehmen ein Mindestmaß an Sicherheitsmaßnahmen selbst beherrschen. Gemeint sind damit organisatorische Maßnahmen und eine auf Sicherheit ausgerichtete Unternehmenskultur. Ich wundere mich, wie unbedarft viele Menschen im Internet auf alles klicken, was sich bewegt und alles Mögliche runterladen.

Ständige Virenattacken, immer neue Sicherheitslücken und nun noch der verloren gegangene Windows-Quellcode machen auch den Kleinunternehmen Sorgen. Doch wie findet man den idealen IT-Partner in Berlin?

Um sich auf die Suche nach dem idealen IT-Partner zu machen, sind zuerst die eigenen Hausaufgaben zu erledigen. Dazu müssen die Firmenchefs zumindest eine gewisse Vorstellung entwickeln, welchen Schutzbedarf sie überhaupt haben. Um diesen zu ermitteln, können verschiedene Wege gegangen werden. Einerseits gibt es eine Fülle von kostenlosem Informationsmaterial, dass auch dem Laien hilft, eine IT-Sicherheitsrichtlinie für das eigene Unternehmen zu entwickeln. Andererseits bieten viele Institutionen entsprechende Beratungen an. Auch bei uns in der TSB Technologiestiftung Berlin bieten wir insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen sowie Handwerksbetrieben kostenlose und neutrale Beratungen unter anderem zum Thema Netz- und Informationssicherheit an. Das Projekt eCOMM Berlin ist eines der insgesamt 22 bundesweit etablierten und vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Kompetenzzentren für den elektronischen Geschäftsverkehr. Unser Beratungsangebot orientiert sich an den individuellen Fragestellungen der Unternehmen, den eventuell vorhandenen Erfahrungen und Vorkenntnissen sowie am Umfang und der Komplexität des Beratungsinhaltes. Als Ergebnis dieser Beratung können auch Anforderungen an einen potentiellen IT-Dienstleister abgeleitet werden.

Eine funktionierende EDV ist die Grundvoraussetzung für die meisten Betriebe. Umso größer sind die Ängste der Firmenchefs, sich an den falschen Partner zu binden. Doch woran kann man erkennen, ob das IT-Unternehmen Vertrauen verdient?

Pauschal ist diese Frage nicht zu beantworten. Aber als mögliche Anhaltspunkte bei der Beurteilung eines potenziellen IT-Partners sind entsprechende Referenzen hilfreich. Auch eine individuelle Beratung ist ein gutes Zeichen. Von Vorteil ist zudem, wenn der Dienstleister unabhängig von den Produkten eines einzigen Herstellers arbeitet. Darüber hinaus können auch Mitgliedschaften zu Branchenverbänden oder Ähnlichem ein Indiz sein. Das gilt umso mehr, wenn die Mitgliedschaft an die Erfüllung bestimmter Anforderungen oder Qualitätskriterien und Standards geknüpft ist.

Wann sollte man über einen Wechsel des IT-Dienstleisters nachdenken?

Ganz allgemein: wenn die zugesicherten Leistungen nicht erbracht werden. Konkret bezieht sich dies beispielsweise auf die Einhaltung der zugesicherten Preisspannen, Services wie Reaktionszeiten, Erreichbarkeit, Datensicherung oder Versäumnisse bei der Abwendung von Gefährdungen und Nachlässigkeit gegenüber Informationspflichten.

Das Gespräch führte Kurt Sagatz. Das Kompetenzzentrum eComm ist über die Telefonnumer 030-463 02-414 oder im Internet unterwww.ecomm-online.de zu erreichen.

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