Beilage Humboldt-Universität 2014 : Auf dem Fast Track in die Zukunft

Bildung durch Wissenschaft: Wie der der große Forschungswettbewerb die Universität verändert.

Ljiljana Nikolic Harald Olkus
Forscherdrang. An der Humboldt-Universität arbeiten Wissenschaftler in Integrativen Forschungsinstituten fächerübergreifend an neuen Themenfeldern.
Forscherdrang. An der Humboldt-Universität arbeiten Wissenschaftler in Integrativen Forschungsinstituten fächerübergreifend an...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wissenschaftlerinnen mit Kindern haben in der Promotionsphase selten die Möglichkeit, größere Forschungsreisen anzutreten. Eine Trennung vom Nachwuchs für eine längere Zeit kommt oft nicht in Frage, und ihn mitzunehmen, übersteigt häufig die finanziellen Möglichkeiten der meisten Familien. Christine Laschke konnte trotzdem im Ausland forschen. Die Soziologin und Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaften der Humboldt-Universität ist zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern für ein halbes Jahr ins taiwanesische Taipeh gereist. Sie hat Daten der TEDS-M, einer internationalen Vergleichsstudie in 17 Ländern zur Wirksamkeit der Mathematik-Lehrerausbildung, bearbeitet und in Taiwan an der Realität überprüft.

Möglich gemacht hat die Forschungsreise ein International Research Award des Caroline von Humboldt-Stipendiatinnenprogramms, eine Förderlinie aus dem Zukunftskonzept der HU, das durch die Exzellenzinitiative gefördert wird. „Durch die Forschungsreise nach Taiwan habe ich meine berufliche Lebensaufgabe gefunden“, sagt die Nachwuchswissenschaftlerin.

Solche Möglichkeiten kann die Humboldt-Universität Wissenschaftlerinnen bieten, seit sie 2012 den Zuschlag für ihr Zukunftskonzept „Bildung durch Wissenschaft: Persönlichkeit – Offenheit – Orientierung“ bekam. Drei Ziele stehen im Mittelpunkt: Neue Wege in der Nachwuchsförderung gehen, bestmögliche Bedingungen für die Spitzenforschung schaffen und die Verwaltung modernisieren. Ein Teil der Exzellenzmittel wird in wettbewerblichen Förderlinien vergeben, die eine breite Zielgruppe ansprechen: vom Masterstudierenden bis zum Spitzenforscher, Geistes- wie Naturwissenschaftler, Frauen wie Männer. „In erster Linie geht es uns darum, die Potenziale aller in der Universität versammelten Persönlichkeiten für die Wissenschaft aufzuschließen und bestmöglich zur Blüte zu bringen“, sagt Präsident Jan-Hendrik Olbertz.

Von den Förderlinien des Zukunftskonzepts hat auch Vincent Rzepka profitiert. Der Politikwissenschaftler, der im Bereich der politischen Theorie zu Souveränität und Legitimität des Staates forscht, wollte nach dem Master seine Promotion vorbereiten. Eine Hilfe war für ihn das Humboldt Research Track Scholarship, mit dem herausragenden Studierenden der Übergang vom Studium zur Promotion erleichtert wird. Auch Nicht-Humboldtianer können sich bewerben. „Die sechsmonatige Förderung gibt Absolventen die Zeit, Förderanträge zu stellen, sich zum unstrukturierten Lesen in die Bibliothek zurückzuziehen, ein Konzept für ein Promotionsthema zu entwickeln und ein Exposé zu schreiben, ohne sich um ihr finanzielles Auskommen sorgen zu müssen“, sagt Rzepka. Die Förderung schließe so eine Finanzierungslücke zwischen Studium und Promotion.

Um das Thema Promotion dreht sich auch die Förderlinie Humboldt Initiative Strukturierte Promotion. Die klassische Variante einer Doktorarbeit ist in Deutschland immer noch die Individualpromotion, Promotionsprogramme wie Graduiertenschulen werden aber immer beliebter. HU-Professoren, die ein strukturiertes Programm initiieren wollen, können sich um Fördermittel bewerben. Annette Upmeier zu Belzen, Professorin für Fachdidaktik in der Biologie, hat diese Möglichkeit genutzt. Sie ist eine der Initiatorinnen des Fast-Track-Promotionsstudiengangs, der forschungsorientierte und leistungsstarke Lehramtsstudierende anspricht. Sie können innerhalb von vier Jahren den Master of Education wie auch eine bildungswissenschaftliche Promotion abschließen. „Wir wollen damit bei Lehramtsstudierenden früh wissenschaftliche Interessen aufgreifen und sie für die Bildungswissenschaft gewinnen“, sagt Upmeier. Der Promotionsstudiengang ist einmalig in Deutschland.

HU-Präsident Olbertz verweist auf Veränderungen auch im Inneren der Universität. „Auf den ersten Blick sind sie weniger spektakulär, aber initiiert durch die Exzellenzinitiative haben sie sich mit hoher Intensität vollzogen.“ Viele Mitglieder der Universität nähmen beispielsweise die Fakultätsreform als tiefgreifenden Einschnitt wahr. Die Humboldt-Universität gliedert sich seit April 2014 in neun anstatt wie bisher elf Fakultäten. Mit der Neuaufstellung der Fakultäten wurden die Grenzen zwischen den oft sehr kleinen akademischen Einheiten aufgebrochen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit geschaffen.

So hatten die drei Fachgebiete Biologie, Psychologie und Agrarwissenschaften vor der Reform wenig miteinander zu tun. Nun bilden sie die Lebenswissenschaftliche Fakultät mit Sitz auf dem Campus Nord und haben gemeinsame, zukunftsträchtige Themen identifiziert. Die Grundlagenforschung der Biologie und die angewandte Forschung der Agrarwissenschaftler ergänzen sich und bieten eine gute Grundlage, um neue Projekte anzustoßen, etwa auf dem Gebiet der Ernährung oder Umweltforschung.

Eine wichtige Rolle für das Profil der Forschung spielen auch die Integrativen Forschungsinstitute (IRI). Diese gibt es nur an der Humboldt-Universität. „Sie eröffnen Wissenschaftlern die Möglichkeit, ein Forschungsfeld gemeinsam interdisziplinär zu entwickeln und zu bearbeiten – zusammen mit Nachbardisziplinen und außeruniversitären Partnerinstituten“, sagt Präsident Olbertz. Schon seit längerer Zeit gibt es das „Integrative Institute for the Sciences“ auf dem Campus Adlershof, das neuartige Materialien auf Nanometerebene erforscht. Im neuen IRI Lebenswissenschaften forschen Wissenschaftler der HU, der Charité und des Max-Delbrück-Centrums zur Systembiologie, den Neurowissenschaften und der Infektionsbiologie. Und schließlich bietet das IRI THESys (Integrative Institute on Transformations of Human Evironment Systems) Natur- und Geisteswissenschaftlern einen Raum, globale Transformationsprozesse und ihre Nachhaltigkeit zu untersuchen.

Bedeutend sind auch die neuen internationalen Partnerschaften. Mit dem Zukunftskonzept hat die HU ihren Auftritt auf internationalem Parkett deutlich verstärkt, sei es durch den Aufbau von Profilpartnerschaften mit führenden internationalen Universitäten, die Entwicklung regionaler Schwerpunktprogramme oder den Ausbau des internationalen Studierendenaustausches. Eine wichtige Rolle spielt dabei schließlich auch das KOSMOS-Programm, das Gastaufenthalte unterschiedlicher Formate von internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der HU ermöglicht.

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