Beilage Humboldt-Universität 2014 : Die Genetik von Infektionen erkunden

Benedikt Beckmann forscht zu Antibiotika-Resistenzen und sucht Alternativen.

Harald Olkus
Der Infektions-Biologe. Benedikt Beckmann baut am IRI für Lebenswissenschaften eine neue Forschergruppe auf.
Der Infektions-Biologe. Benedikt Beckmann baut am IRI für Lebenswissenschaften eine neue Forschergruppe auf.Foto: Maier-Jantzen

Ein unscheinbares Tor in der steinernen Häuserfront der Luisenstraße, nah beim Charité-Hochhaus in Mitte, führt auf den parkartigen Campus Nord der Humboldt-Universität. Hier, mitten in der Stadt und doch im Grünen, richtet Benedikt Beckmann in einem alten Backsteingebäude sein Labor ein. Der Molekularbiologe ist unabhängiger Nachwuchsgruppenleiter am Integrativen Forschungsinstitut (IRI) für Lebenswissenschaften, einer interdisziplinären Forschungseinrichtung der HU, der Charité und des Max-Delbrück-Centrums.

Es wird noch einige Wochen dauern, bis das alte Gemäuer zu einem hochmodernen Labor geworden ist, bis dahin laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Beckmann stellt seine Forschungsgruppe zusammen, richtet sich ein. Fünf Jahre hat er Zeit, um seinen Forschungsschwerpunkt zu etablieren. „Ich kann mich richtig austoben, habe aber auch viel Verantwortung“, sagt er. Noch ist er Neuling in Berlin, aber zu wissen, dass nur wenige Schritte von seinem Labor Otto Hahn und Lise Meitner geforscht haben, begeistert ihn.

Beckmanns Forschungsfeld sind RNA-Proteininteraktionen. Zusammen mit seiner Arbeitsgruppe untersucht er die Wechselwirkung zwischen pathogenen Bakterien und ihren Wirtszellen. Dabei konzentriert er sich auf die Reproduktion von genetischer Information in den Zellen. „Das Genom ist die Blaupause dafür, wie das genetische Programm umgesetzt werden kann“, sagt Beckmann. RNA-bindende Proteine führen diese Programme aus. Was dabei genau geschieht, ist noch nicht im Einzelnen bekannt. Beckmann erforscht, welche genetischen Programmabschnitte abgerufen werden, wenn es zu einer Infektion kommt, und wie sich die Interaktionen dieser Proteine während einer Infektion verändern.

Beckmann sucht auch nach Lösungen für Probleme, die sich bereits abzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation warnt nicht nur vor steigenden Resistenzen gegen Antibiotika, sondern auch vor einem Mangel dieser Medikamente. „Gerade in unserer alternden Gesellschaft müssen wir davon ausgehen, dass Menschen wieder an Krankheiten sterben werden, die wir für behandelbar hielten“, sagt Beckmann. Er sucht auch nach Alternativen zu Antibiotika.

Der Molekularbiologe freut sich über die Chance, an der HU eine eigene Forschungsgruppe aufzubauen. Vor allem die Interdisziplinarität des IRI für Lebenswissenschaften mit seiner biologischen Grundlagenforschung, dem starken medizinischen Hintergrund und der Systembiologie sei der perfekte Rahmen für die Fortentwicklung seiner Forschungsarbeit.

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