Beilage Humboldt-Universität 2014 : Die Menschen am Fluss fragen

Tobias Krüger erprobt neue Methoden, um Wasserqualität in Afrika zu erhalten.

Harald Olkus

Wasser ist Tobias Krügers Element. Der am Rhein geborene Geoökologe beschäftigt sich nicht nur beruflich mit dem Verhältnis vom Menschen zum Wasser. Auch privat zieht es ihn aufs Wasser. Mit seiner Familie fährt er Kanu auf Brandenburgs Seen und am liebsten würde er auch auf der Spree durch Berlin paddeln und die Stadt vom Wasser aus erkunden.

Beruflich erforscht der Juniorprofessor am Integrativen Forschungsinstitut zu Transformationen von Mensch-Umwelt-Systemen (IRI THESys), wie sich die Aktivitäten der Menschen auf die lebenswichtige Ressource Wasser auswirken – mit zwei Mitarbeitern und im Verbund mit rund 30 Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftlern der HU und anderen Partnern.

Durch Städte, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft wird Wasser verbraucht, verschmutzt, Flächen werden versiegelt, die Bodenerosion befördert. Die Klimaveränderung wirkt verschärfend. Schon aus eigenem Interesse müsse der Mensch den Grad der Verschmutzung und Übernutzung verstehen und in Balance halten, damit die Wasserqualität nachhaltig gewährleistet bleibt, sagt Krüger.

In seiner Arbeitsgruppe „Transformationen und Unsicherheiten von Land-Wasser-Systemen“ beschäftigt er sich unter anderem mit der Wassernutzung in Südafrika. Mit den Bewohnern im Einzugsgebiet eines Flusses, der durch Bodenerosion, Überdüngung und hohem Nutzungsdruck gefährdet ist, wollen er und seine Doktorandin eine Bürgerbeteiligung im Wassermanagement erproben. Dabei beziehen die Naturwissenschaftler sozialwissenschaftliche Methoden mit ein. Die aus Namibia stammende Karen Lebek wird die Nutzer des Wassers befragen, wie das Wasserproblem gelöst werden könnte. Die gewonnenen Daten werden in Berlin in einem Computermodell zusammengeführt. Und dann diskutieren Krüger und Lebek die Ergebnisse in Workshops vor Ort.

Krüger ist überzeugt von dieser Art der Bürgerbeteiligung: „Allen Beteiligten werden die verschiedenen Perspektiven vorgestellt, wodurch Meinungsverschiedenheiten sichtbar werden und die Einzelnen sehen, dass sie nicht die einzige Wahrheit haben, sondern Teil eines Verhandlungsprozesses sind.“ Die partizipativen Methoden hat er während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im englischen Norwich mit entwickelt und erfolgreich umgesetzt. „Ich habe nach einer Stelle gesucht, in der ich diese Arbeit weiterführen kann“, sagt Krüger. Fündig geworden ist er bei der Ausschreibung für die Juniorprofessur am IRI THESys. Die HU sei mit dem Ansatz, die Gesellschaft in Forschung einzubeziehen, „ihrer Zeit weit voraus“.

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