Zeitung Heute : Beim Bau der Fernbahn in Lichtenrade läuft die Zeit davon

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Für den Wiederaufbau der Gleise der Dresdner Bahn durch Lichtenrade läuft der Bahn AG langsam die Zeit davon. Nach wie vor weigert sich die Senatsverkehrsverwaltung, die von der Bahn bei ihr eingereichten Pläne für das Genehmigungsverfahren auszulegen. Sie lehnt die von der Bahn vorgeschlagene Variante weiter ab, die Gleise ebenerdig aufzubauen. Anwohner setzen sich seit Jahren für einen Tunnelbau zwischen Schichauweg und Stadtgrenze ein, den die Bahn AG aber nicht finanzieren will.

Seit Monaten blockieren sich deshalb der Senat und die Bahn AG, und das Bundesverkehrsministerium schweigt dazu. Auch der zehnte Brief der Bürgerinitiative blieb bisher unbeantwortet, sagte ihr Sprecher Boto Mertins. Dabei streitet die Bahn nicht ab, dass die Anwohner einen Anspruch auf einen Tunnel hätten, wenn die Strecke neu aufgebaut würde. Da hier aber bis nach dem Krieg bereits Züge gefahren waren, stuft die Bahn das Legen der neuen Gleise lediglich als "Herstellung eines alten Zustandes" ein. Und dafür gelten nicht die strengen Lärmschutzvorschriften für Neubaustrecken.

Ein ebenerdiger Wiederaufbau würde 125 Millionen Mark, ein Tunnel dagegen würde nach Mertins Angaben knapp 290 Millionen Mark kosten. Er beruft sich auf Zahlen der DB Projekt Knoten Berlin GmbH, die für die Bahn alle Bauten in Berlin koordiniert. Diese Mehrkosten wollen die Bahn und das Verkehrsministerium nicht aufbringen. Der Senat will nur 60 Millionen Mark beisteuern.

Als Kompromiss habe die Bahn untersucht, die Gleise in einen Trog zu legen, sagte Bahnspecherin Claudia Triebs. Diese Variante werde aber nicht weiter verfolgt, weil auch dazu das Geld fehle. Mertins hält diesen Vorschlag ohnhin für unsinnig. Ein Trogbauwerk, das sechs bis neun Meter in die Erde rage, sei wegen des niedrigen Grundwasserstandes kaum billiger als ein Tunnel.

Lange können die Beteiligten die Entscheidung nicht mehr aufschieben. Spätestens 2007, wenn der neue Flughafen Berlin in Schönefeld eröffnet werden soll, sollen nämlich auch die Züge auf der Dresdner Bahn fahren können. Auf ihren Schienen soll der Airport Express vom Lehrter Bahnhof zum Flughafen rauschen. Die Dresdner Bahn ist nach dem Bahnkonzept für Berlin aber auch eine wichtige Zulaufstrecke für den Nord-Süd-Tunnel unter dem Tiergarten und dem neuen Lehrter Bahnhof, der 2005 fertig sein soll.

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