Zeitung Heute : Beim Feiern im Schnee gewälzt

Als René Sommerfeldt die deutsche Herren-Staffel zur Medaille in der Olympia-Geschichte ins Ziel gelaufen hatte, brachen im Innenraum alle Dämme. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille über 4 x 10 km hinter Norwegen und Italien bildeten Jens Filbrich (Oberhof), Andreas Schlütter (Oberhof), Tobias Angerer (Vachendorf) und der Schlussläufer aus Oberwiesenthal ein großes Freudenknäuel. Während sich das Quartett vor Freude ausgelassen im Schnee wälzte, spielten sich auch bei den Funktionären ungeahnte Jubelszenen ab. "Das ist Wahnsinn. Wir sind überglücklich. Es hat einfach alles gepasst", sagte Langlauf-Koordinator Jochen Behle.

"Wir sind total happy. Das ist das i-Tüpfelchen", meinte Sommerfeldt, der mit gen Himmel gestreckten Armen das Ziel durchquerte und sofort von seinen Team-Kameraden zu Boden gerissen wurde. Wenige Sekunden zuvor hatte Thomas Alsgaard unter den Augen seines Königs Harald in einem dramatischen Finish den Italiener Cris-

tian Zorzi um 3/100 distanziert und damit erfolgreich Revanche für die Niederlage vor acht Jahren in Lillehammer genommen.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen "Das ist einfach geil", sagte Angerer. 1980 in Lake Placid und 1994 in Lillehammer hatten die Herren-Staffeln mit jeweils vierten Plätzen ihre bislang beste Platzierung bei Olympischen Winterspielen erreicht. In Salt Lake City wurde die gute Arbeit der letzten Jahre vorläufig gekrönt.

Startläufer Jens Filbrich war nach einem starken Auftritt als Vierter hinter Norwegen, Italien und Kasachstan zur Wechsel-

marke gekommen und rechtfertigte damit das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Der 22 Jahre alte Sportsoldat aus Oberhof hatte erst zwei Tage vor der Entscheidung von seinem Einsatz an Stelle des formschwachen Axel Teichmann erfahren. "Für mich ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen, die deutsche Staffel bei Olympia anzulaufen", sagte Filbrich. Seine Mutter Sigrun Krause hatte vor 26 Jahren mit der DDR-Langlauf-Staffel Olympia-Bronze in Innsbruck gewonnen.

Auf der zweiten Schleife lief Andreas Schlütter das deutsche Quartett erstmals auf einen Medaillenrang. Der 29-Jährige setzte sich sofort an die Spitze der Verfolgergruppe hinter den dominierenden Norwegern und zur Hälfte gemeinsam mit Olympiasieger Andrus Veerpalu aus Estland ab. "Ich hatte damit gerechnet, dass Veerpalu von hinten kommt. Ich habe mich gleich ran gehängt und gedacht: Er ist zwar Olympiasieger, aber auch nur ein Mensch."

Tobias Angerer lief in einer sich formierenden Dreier-Gruppe mit dem Olympia-Dritten Jaak Mae und dem Italiener Pietro Piller Cottrer ein großes Rennen. "Erst einmal ein Riesenkompliment an die beiden Klassiker. Das war phänomenal", meinte Angerer, "ich habe schon im Jagdrennen vor zwei Tagen gemerkt, dass es bei mir gut läuft." Sommerfeldt lief dann souverän den großen Erfolg für die deutschen Langläufer ins Ziel. "Ich habe erst auf der letzten Runde daran geglaubt, dass es heute klappt", sagte der völlig entkräftete Schlussläufer.

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