Zeitung Heute : Beim Tierarzt den Mut verloren

-

Auch in NiederOlm bewegt Sarrazins Hund die Gemüter

Wie mag Thilo Sarrazin im Senat zum Thema Hundeverordnung argumentiert haben? Wir wissen es nicht – vermuten aber stark, dass er sein ganzes Gewicht gegen einen generellen Leinenzwang in die Waagschale geworfen hat. Denn der Senator ist in der Nachbarschaft in Westend dafür bekannt, dass er seine Eurasier-Hündin Branka gern ohne Leine laufen lässt. Das hat vor knapp drei Jahren einmal Ärger gegeben – wir berichteten kürzlich über die Beißerei, die anschließende Anzeige des gegnerischen Hundehalters und die Erkenntnis des Veterinäramts, es sei alles in Ordnung mit Branka.

Dennoch wurde uns scharfe Kritik am Verhalten des Senators übermittelt, und zwar aus dem hessischen NiederOlm: Dort wohnt Andrea Peffekoven, nach eigenen Angaben Halterin von zwei „perfekt ausgebildeten Hovawart-Hunden“ und Frau des langjährigen Wirtschaftsweisen und Beraters des Bundesfinanzministeriums, Rolf Peffekoven. Sie hat sich jetzt in einem Leserbrief zu Sarrazins Problem geäußert und stellt eine differenzierte Ferndiagnose zum Verhalten von Branka: Schon die Angst der Nachbarn sollte ein hinreichender Grund sein, die Hündin anzuleinen. Dass der Hund selbst vom Amtstierarzt als „freundlich und normal“ bezeichnet worden sei, mag sie nicht gelten lassen: Das lasse sich damit erklären, dass selbst große Hunde beim Betreten einer Arztpraxis „ihren Mut verlieren“. Wer sich wie der Senator in eine Beißerei stürze, um die Hunde zu trennen, und selbst dabei verletzt werde, beweise „ziemliche Ignoranz in Sachen Hundehaltung“. bm

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!