Zeitung Heute : „Belohnungen allein reichen nicht“

-

Herr Goebel, in sechs Jahren soll es in Europa nur noch Bachelor und Masterstudiengänge geben. Das haben die Bildungsminister in Bologna 1999 beschlossen. Doch in vielen Bundesländern kommen die Hochschulen nur schleppend voran. Warum zögern auch in Thüringen die Unis?

Zunächst: Wir haben mit Erfurt die erste Universität gegründet, an der es ausschließlich die neuen Studiengänge Bachelor und Master gab.

Dennoch: Warum machen Sie es nicht landesweit wie Hamburg und zwingen die Hochschulen mit Zielvereinbarungen dazu, den Bologna-Beschluss umzusetzen?

Was die anderen Hochschulen in Thüringen betrifft: Wir wollen sie in dem Bologna-Prozess ja mitnehmen. So geben wir positive Anreize. Bei der Vergabe leistungsbezogener Mittel spielt auch eine Rolle, wie weit die Hochschulen bei den neuen Studiengängen sind. Manche sind weiter, andere brauchen mehr Zeit, wie die Universität Jena.

Thüringens Universität Jena hat gerade verkündet, sie denke überhaupt nicht daran, alle Studiengänge umzustellen. Reichen da Belohnungen?

Belohnungen alleine reichen vielleicht nicht. Aber Zwang nutzt auch nichts, wenn man eine gute Qualität der neuen Studiengänge will.

Ist es nicht provinziell, wenn einzelne Universitäten einfach den europäischen Beschluss unterlaufen?

Das ist auch meine persönliche Ansicht. Aber die Bologna-Nachfolgekonferenzen haben auch gezeigt, dass die Reform von den Hochschulen ausgehen muss.

Vielleicht muss die Politik den Professoren Beine machen?

Das muss sie sicher tun – aber möglich ist das eben nur im Rahmen dessen, was die Autonomie der Hochschulen zulässt. Deswegen führen wir ja ständig Gespräche mit den Dekanen und Hochschulleitungen. Aber natürlich sollte das Nachdenken, das den Wissenschaftlern ja immanent ist, langsam einen Endpunkt erreichen. Der Bologna-Prozess ist schließlich unumkehrbar.

Könnte es die Thüringer Studierenden nicht international isolieren, wenn der Zug nach Bologna ohne sie abfährt?

Das glaube ich nicht. Aber es besteht die Gefahr, dass die Nachfrage der Studierenden an solchen Hochschulen sinkt, an denen sie zu wenig neue Studiengänge vorfinden.

Ist Hamburg für Thüringen also kein Vorbild?

Ach Gott, es gibt die unterschiedlichsten Ansätze. Hamburg macht Zielvereinbarungen, in NRW denkt man über ein straffes Hochschulgesetz nach. Ich bin zuversichtlich, dass Thüringen die Ziellinie im Jahr 2010 erreichen wird.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!