Zeitung Heute : Beobachter...

Der Tagesspiegel

Dieter Simon:

Wissenschaftsjournalisten sind anders als andere Journalisten. Das liegt am Gegenstand, dem sie sich verschrieben haben. Wissensgesellschaft hin, Wissensgesellschaft her und allen Politikerbeteuerungen zum Trotz: Fußballspiele und englische Staatsbegräbnisse schlagen in der Publikumsgunst nach wie vor jeden Nobelpreis. Der Wissenschaftsjournalist ist ein Sonderling, wie der Gelehrte unter den Professoren.

Ein zweites kommt hinzu. Der Wissenschaftsjournalist braucht nicht nur Informationen. Er braucht auch Wissen. Umfangreiches, schwieriges und differenziertes Wissen. Wie soll er über den Nutzen eines Synchrotrons oder die Politik der Forschungsorganisationen schreiben, wenn er weder von den Inhalten noch von den Gliederungsformen der Wissenschaft konkrete und weitläufige Kenntnis hat?

Heutzutage gibt es viele gute Wissenschaftsjournalisten. Uwe Schlicht ist einer von ihnen, aber er ist anders als sie. Er ist preußisch. Er pflanzt seinem Interviewpartner kein Mikrophon unter die Nase, um fröhlich plaudernd ein langatmiges Gespräch zu inszenieren, dessen Aufzeichnung zuhause entschlüsselt wird. Unter Verzicht auf Mitgeschnittenes schreibt er mit schnellem Stift und großer Schrift Antworten auf seine Fragen in ein Heft. Seine Fragen kommen rasch, scharf und präzise. Das setzt ein gutes Gedächtnis und souveräne Beherrschung des Stoffes voraus. Die Absicht, Schlicht zu instrumentalisieren, ist Illusion.

Der Autor ist Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Peter Gaehtgens:

Die Freie Universität, die als FU abzukürzen er nie zuließ, hat Herr Schlicht immer wieder aufs Korn genommen. Sein Verhältnis zur FU zeigt kein Text besser als seine „Politische Geschichte" im Bildband zur 50-Jahr-Feier. Da schreibt er die faszinierende Biographie einer ungewöhnlichen Universität - von einer idealistischen Hoffnung auf eine bessere Welt, von der Unbeholfenheit einer nur noch konservierenden Gesellschaft gegenüber der Forderung nach Bildung, Aufklärung und Reform, von dem Wahnsinn der Selbstzerstörung durch Ideologie, Intrige und kalte politische Unterwanderung, und schließlich von der grausam mühseligen Erholung und Rückbesinnung auf die wichtigste Aufgabe der Universität - die Pflege wissenschaftlicher Exzellenz in Forschung und Lehre.

Der Text ist faszinierend, weil er politische und Ideengeschichte, bildungs- und gesellschaftspolitische Vorstellungen eines halben Jahrhunderts umfasst, in dem diese Universität immer eine Rolle gespielt hat, vermeintlich immer selbst handelnd und doch vielfach - bis heute - Objekt der Handlungen anderer. Das beschreibt einer, der von bedeutenden akademischen Lehrern ebenso wie von studentischer Reforminitiative begeistert, über gesellschaftspolitische Irrtümer und politische Machenschaften zornig, an der geistigen Auseinandersetzung über Sinn und Zweck der Universität lebhaft interessiert war und ist. Er schreibt es mit kritischer, anteilnehmender Distanz, mit Zuneigung und Enttäuschung, mit streitbarer und dennoch sachlicher Analyse. Manche mögen die kritische Distanz stärker wahrgenommen haben als die Unterstützung, wenige nur werden die Anerkennung für seine Engagiertheit verweigern, aber niemand würde bestreiten, dass Herr Schlicht auch der Freien Universität mit Sachkenntnis und unermüdlichem Einsatz immens geholfen hätte - im Detail ebenso wie in der großen Linie.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität.

Detlef Krauß:

Uwe Schlicht kannte die Berliner Hochschullandschaft wie kein anderer aus seiner Zunft. Seine Berichte, Analysen und Kommentare machten den Tagesspiegel zu einem maßgeblichen Forum der Berliner Wissenschaftspolitik.

Als diese Politik noch ihren Namen verdiente, hatten unsere Begegnungen mit Uwe Schlicht immer etwas Besonderes. Hier die HU, Universität im Umbruch, befrachtet mit Erwartungen und Misstrauen, immer in den Medien, immer in der Kritik, dort der Journalist und Redakteur, der die öffentliche Meinung über uns zugleich repräsentierte und beeinflusste und als Herausforderung an uns weitergab. Uwe Schlicht hielt uns den Tagesspiegel vor. Und weil wir um Kompetenz und Einfluss des Autors wussten, haben wir wohl oder übel hineingeschaut, nicht immer zur Freude, aber immer mit Gewinn.

Uwe Schlicht suchte – bei aller Distanz in Wahrnehmung und Berichterstattung – die Nähe zum Gegenstand seines Interesses. Er war präsent. In jeder wichtigen Sitzung des Akademischen Senats nahm er Platz, unübersehbar noch in der letzten Reihe des Auditoriums. In den Sitzungspausen war ein kurzer Gedankenaustausch mit ihm immer von Vorteil. Er fragte nicht aus, hörte aber gerne zu – das kam oft auf dasselbe hinaus. Im Gegenzug geizte er nicht mit Hinweisen auf Probleme, Personen und Hintergründe. Dabei konnte er in kleinerem Kreis durchaus auch temperamentvoll werden.

Denn das war sein Feld. Bewegung und Stillstand im Hochschulbereich waren seine Sache, die nahm er persönlich. In den letzten Jahren spürte man verstärkt auch Resignation. Eine Wissenschaftspolitik im Niedergang konnte er nicht in gleicher Weise kommentieren wie die vielfältigen Bemühungen in der Zeit des Aufbruchs nach der Wende. Zeit einer Gemeinsamkeit, an die viele mit ihm gerne zurückdenken werden.

Der Autor war von 1994 bis 1996 Erster Vizepräsident der Humboldt-Universität

Kurt Kutzler:

Streitbar ist er, kritisch sowieso und vor allem engagiert. Das machte die Sache manchmal nicht einfach, aber wer will das schon, wenn dahinter Kompetenz und Sachverstand stehen. Uwe Schlicht hat unseren Weg über viele Jahre begleitet, sei es in unzähligen Sitzungen des Akademischen Senats - dafür gebührt ihm ein Tapferkeitsorden -, bei Protestkundgebungen oder mit einem überraschenden Anruf im Präsidentenbüro. Mit spitzer Feder wurde so manche Zeitungsspalte von ihm gefüllt, wurde so mancher Erfolg, aber auch Nicht-Erfolg aus der Hochschulwelt dem Leser näher gebracht.

Mit seinen Kommentaren auf der Titelseite des Tagesspiegels machte er Bildungspolitik. Er bezog Position ohne sich dabei aber parteipolitisch vereinnahmen zu lassen. Das war die eigentliche Kunst, die seinen Artikeln Gewicht verlieh. Damit verdiente er sich als unabhängiger Journalist Achtung und Respekt. Uwe Schlicht wurde uns zu einem kritischen Begleiter und Beobachter, und nicht nur das, er war immer auch ein engagierter Streiter für die Wissenschaft und die Hochschulen in Berlin. Dieses Gewicht konnte die interessierte Berliner Öffentlichkeit in seinen Artikeln spüren - vor allem in Zeiten, in denen die Politikerworte der Berliner Realität traumtänzerisch vorauseilten. Immer wieder stach er mit seiner Feder in die Seifenblasen am Politikerhimmel. Dabei wurde er nicht müde, er gab nicht auf, immer wieder mahnte er, ohne zu belehren, immer wieder zeigte er Alternativen.

Der Autor ist Amtierender Präsident der Technischen Universität

Barbara Riedmüller:

Es war 1988 für einen Neuankömmling in Berlin eine besondere Erfahrung, wie die West-Berliner Politik ihre Universitäten und Hochschulen schlecht redeten. Zahlreiche Repräsentanten des Berliner Abgeordnetenhauses und der Landesregierung hatten an der Freien Universität Berlin studiert und waren im Sog der Studentenbewegung politisiert worden oder hatten unter dieser gelitten. Auf jeden Fall hatten sie sich nicht positiv mit ihrer Universität identifizieren können. Es bestand ein merkwürdiger Widerspruch zwischen den Reden über die Wissenschaftsstadt Berlin und der persönlichen Einstellung und politischen Praxis gegenüber dem „gefräßigen Kostgänger" Universität. Vielleicht aufgrund dieser Ge-schichte ist die Einheit der Wissenschaftsstadt nicht wirklich als Chance gesehen worden. Die Versuchung der Politik, sich vom alten Westen gegen den Osten zu wenden, war zuerst groß, ist aber angesichts der prekären Haushaltslage des Landes schnell aufgegeben worden. Alte Konflikte werden aber nach wie vor in die Sparpolitik hineingezogen, zum Beispiel im Fall der Schließung des Benjamin-Franklin-Klinikums der Freien Universität Berlin.

In diesem Knäuel aus Vergangenheitsbewältigung und Unwissen über das Funktionieren einer Universität hat Rationalität mit Hartnäckigkeit in der Berichterstattung der Medien eine zentrale Bedeutung. Uwe Schlicht hat sich sowohl als Kritiker als auch als Verteidiger der Berliner Universitäten ausgezeichnet. Zuletzt hat er mit rationalen Argumenten gegen eine irrationale Politik mit dem Rotstift argumentiert. Das wäre auch der Berliner Politik zu wünschen, dass Kenntnisreichtum und Neigung die langfristige Linie des Handelns bestimmen.

Die Autorin war von 1989 bis 1990. Wissenschaftssenatorin in Berlin.

Hans-Joachim Meyer:

Es war eine meiner ersten Pressekonferenzen als Minister in der Regierung de Maizière im inzwischen abgerissenen Ministerialgebäude, das zu Zeiten der DDR den Beginn der Straße Unter den Linden und den Lustgarten beherrschte und als Außenministerium bekannt war. In einem Teil war auch das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen untergebracht, das nun zum Bildungs- und Wissenschaftsministerium gehörte. Einer der Journalisten aus Westberlin fiel mir auf durch präzise Fragen und Nachfragen, die ebenso von Sachkunde wie von Hartnäckigkeit zeugten. Es war Uwe Schlicht vom Tagesspiegel.

Als ich dann auf Einladung von Kurt Biedenkopfs in Sachsen Wissenschafts- und Kunstminister wurde, scheute er den Weg nach Dresden nicht, um sich selbst ein Bild von einer Hochschullandschaft im Umbruch zu machen. Und seine Berichte und Kommentare waren stets informativ und faktenreich, differenziert und dennoch übersichtlich, kritisch um der Sache willen. Keine literarisch sein wollenden Mätzchen, denen die Sache eigentlich nur als Aufhänger dient. Und nicht jene immer mehr im Mode kommende Vermischung von Information und Meinung. Wer Uwe Schlichts Artikel liest, erfährt die Fakten und kennt seinen Kommentar. Auch wer nicht seiner Meinung ist, liest seine Artikel mit Gewinn.

Der Autor war seit 1990 sächsischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst.

Manfred Erhardt:

„Lesen Sie doch dazu den Beitrag von Uwe Schlicht", beschied ich früher als Wissenschaftssenator manchen Fragesteller. „Dort finden Sie alles: saubere Recherche, korrekter Sachverhalt und kritische Bewertung.“

Ja, Uwe Schlicht war ein Wissenschaftsjournalist der klassischen Schule. Ein kluger Kopf und kritischer Geist, bestens informiert, absolut unbestechlich, Distanz wahrend zu Personen und Gegenständen seiner Berichterstattung; letzeres wohl auch, um seine Empathie (besser gesagt: seine nie versiegende Liebe) zur Berliner Wissenschaft, zu „seinen" Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu kaschieren. Wie ein Zuchtmeister konnte er Senatoren und Präsidenten, Koalitionsbeschlüsse und Gremienentscheidungen geißeln, wenn sie sich am Geiste der Wissenschaft oder an der Zukunft der Stadt versündigten.

Ein Richter auf der Journalistenbank: unparteiisch aber entschieden, engagiert aber fair, mit sicherem Judiz. Ein rocher de bronze. Und ein hochanständiger Mensch. „Bitte schreiben Sie jetzt nicht, dass ich den Teil der globalen Minderausgabe, der die Hochschulen gegenüber allen anderen Landeseinrichtungen unzumutbar belasten würde, nicht umsetzen werde; sonst müsste ich es tun", bat ich ihn einmal. Er behielt es für sich, nicht meinetwegen, sondern um die Hochschulen vor dem Ruin zu bewahren. Dabei hätte jeder investigative Journalist daraus eine richtige Story machen können, ohne Rücksicht auf Verluste und die Sache selbst. Nicht so Uwe Schlicht. Ihm gilt meine ganze Hochachtung - als Journalist und als Mensch. Man sollte ihn klonen.

Der Autor ist Generalsekretär des Deutschen Stifterverbandes und war von 1991 bis 1995 Wissenschaftssenator in Berlin.

Kurt Reumann:

Ein Leben für die Schulen und Hochschulen, ein Leben für die Bildungspolitik: Über wessen Karriere ließe sich das mit größerem Recht sagen als über die des unermüdlichen Reporters und Redakteurs Uwe Schlicht? Er gehört zu den herausragenden Erscheinungen unseres Berufsstands. Ich selbst habe 30 Jahre Bildungspolitik für die Frankfurter Allgemeine Zeitung gemacht. Schlicht hat mich beim Tagesspiegel um fast ein Jahrzehnt übertrumpft. Als Kollegen an einer Tageszeitung habe ich ihn neben Malte Buschbeck am höchsten eingeschätzt.

Als Buschbeck die Süddeutsche Zeitung verließ, um in Hof Chefredakteur zu werden, schrieb er mir, der Wechsel falle ihm leicht, weil ein Journalist in der Bildungspolitik bei allem Engagement kaum etwas bewirken könne: immer wieder dieselben Themen, immer wieder dieselben Konflikte. Ich antwortete ihm: Schon dass wir das Thema Schule und Hochschule in den Tageszeitungen kontinuierlich behandelten, sichere ihm Aufmerksamkeit und damit Wertschätzung und Geld, auch wenn wir inhaltlich kaum Änderungen herbeischrieben.

Schlicht gehörte und gehört zu den fleißigsten Trommlern für unsere - auch bei unterschiedlichen Auffassungen - gemeinsame Sache. Darüber hinaus hat er bei aller überregionalen Weitsicht durch seine Konzentration auf Berlin im einzelnen mehr bewegt, als wir das konnten. Kenntnisreich und präzise seine Informationen, unbestechlich und klar sein Urteil, streng aber nicht verletzend. Wenn die Politiker immer getan hätten, was er vorschlug, ginge es den Schulen und Hochschulen besser.

Der Autor war Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

...Mahner George Turner:

Vergleicht man die (hochschul-)politischen Forderungen und Ziele, wie sie zu Beginn seiner Tätigkeit in den 60er Jahren erhoben wurden, mit Reformvorstellungen am Ende von Uwe Schlichts aktiver Dienstzeit, so ergeben sich bemerkenswerte Unterschiede und Widersprüche. Drei Beispiele:

Statt eines Mangels an Akademikern wie er insbesondere seit dem Warnruf von Picht festgestellt wurde, meinte man (zwischenzeitlich) einen Überfluss zu haben, wenn es um die Gesamtzahl ging. Zur Zeit befürchtet man vor allem in naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen ein Defizit.

Statt Fremdeinflüsse insbesondere der Industrie auszuschließen (keine Forschung im Sinne des Kapitals), geht die Tendenz dahin, über Hochschulräte eine Beteiligung der Wirtschaft nicht nur zuzulassen, sondern sogar zu erstreben.

Statt einer Vergleichbarkeit des Studienangebots (das Diplom von Kiel bis Freiburg muss gleichwertig sein) ist ein Hang zur Vielfalt, aber auch zur Unübersichtlichkeit festzustellen. Uwe Schlicht ist sich bei der Berichterstattung und Kommentierung stets treu geblieben: sachlich korrekt im ersten, kenntnisreich pointiert im zweiten.

Der Verfasser war 1986 bis 1989 parteiloser Wissenschaftssenator in Berlin.

Jochen Stoehr:

In der Wendezeit vereinbarten Senator Manfred Erhardt und Uwe Schlicht einen ersten Bericht über die neue Wissenschaftslandschaft, deren Umrisse sich abzeichneten. Das Manuskript wurde von uns geliefert und ich wurde spätabends zu Uwe Schlicht bestellt, um es noch einmal durchzusehen. Zwei Eigenschaften fielen mir bei dem Gesprächspartner auf: Distanz und Präzision. Uwe Schlicht ließ sich nichts „in den Block diktieren", er wollte Zahlen und Fakten, analysiert hat er sie selbst. Wenn er recherchierte und Fragen stellte, die kritische Punkte berührten, so merkte man schnell, dass er das Problem schon kannte, sich nur vergewissern wollte. Auf Pressekonferenzen tranchierte er mit wenigen erbarmungslosen Fragen die hübsch aufgemachte Botschaft.

Während dreizehn für Wissenschaft zuständige Senatoren kamen und gingen, in den letzten Jahren drei Jahren waren es alleine fünf, verkörperte Uwe Schlicht die Kontinuität der Berichterstattung über Wissenschaft und Hochschulen. Und wenn sich Senatoren eher als Kultursenatoren verstanden, die auch einmal das „Hans-Meiser-Institut in Adlershausen" zu besuchen glaubten, so erinnerte er sie an ihre vernachlässigte Zuständigkeit. Uwe Schlicht war nicht Chronist, Berichterstatter oder Kommentator, er war „teilnehmender Beobachter", wie die Sozialwissenschaftler das nennen würden.

Der Autor ist Senatsrat in der Senatsverwaltung für Wissenschaft.

Sibylle Volkholz:

Seit 1979 - damals als stellvertretende Vorsitzende der GEW Berlin - kenne ich Uwe Schlicht persönlich als bildungspolitischen Wegbegleiter. Er ist zur Institution in der Bildungslandschaft nicht nur Berlins geworden. Als wandelndes Lexikon von KMK-Beschlüssen wäre er zutreffend aber lange nicht ausreichend beschrieben, es gibt wohl kaum einen Kenner von Bildungspolitik, der so umfassend von der Schule bis zur Bahre die Entwicklungen begleitet und nicht unbeeinflusst gelassen hat. Die Bildungsseite erreichte eine Funktion zwischen Berichterstattung und Politikbeobachtung, wurde bedeutsam als zivilgesellschaftliches Instrument des Policy Watching. Politische Sonntagsreden, die die Priorität von Bildung zwar beschworen, aber keine Realisierung nach sich zogen, wurden von ihm gnadenlos entweder mit Missachtung gestraft oder entsprechend kommentiert.

Was hat Uwe Schlicht so lange Jahrzehnte in Berlin gehalten? - Das habe nicht nur ich mich oft gefragt. Die Bedeutung der Bildungsseite war sicher die eine Erklärung, möglicherweise war es aber auch die andauernde Frage, warum Berlin, das zu Beginn der 60er Jahre ein Ort innovativer Bildungsinstitutionen und der Bildungspolitik war, sich so schwer tat, dies Niveau zu halten beziehungsweise so gnadenlos seine Ressourcen verschleuderte. Uwe Schlicht ist dieser Frage wie kaum ein anderer nachgegangen.

Die Autorin war von 1976 bis 1983 Schulsenatorin in Berlin.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!