Zeitung Heute : BER-Eröffnung wackelt schon wieder

Gutachten sieht neue Probleme beim Brandschutz / Parlamentarier irritiert über späte Information.

Berlin - Wegen neuer Probleme mit der Brandschutzanlage wachsen die Zweifel am Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 für den Flughafen BER. „Es gibt einfach nach wie vor so viele Ungereimtheiten, dass es voreilig war, einen neuen Termin zu nennen“, sagte FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring dem Tagesspiegel. Auch der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), sagte: „Niemand weiß, ob der Termin wirklich zu halten ist. Das wird sich zeigen, wenn die Baustelle mal wieder läuft.“

Hintergrund ist ein neues Brandschutzgutachten. In diesem werden gravierende Abweichungen zwischen „Brandschutzkonzept, Baugenehmigung und baulicher Realisierung“, wie der Technik-Chef der Berliner Flughafengesellschaft, Horst Amann, sagte, aufgelistet. Selbst aufwendige Umbaumaßnahmen könnten nötig werden, die den Zeitplan massiv gefährden würden. Die Einhaltung des Termins wird als „kritisch“ bewertet. Amann berät nun mit Planern, Baufirmen und Brandschutzexperten mögliche Lösungen. Klarheit, ob der Termin zu halten ist, soll es in den nächsten Tagen geben.

Ob der Aufsichtsrat bereits zur Sitzung am 1. November über die neuen Risiken informiert war, blieb unklar. Das Gutachten lag der Flughafen-Geschäftsführung bereits seit dem 30. Oktober vor. BER-Sprecher Ralf Kunkel erklärte nur, dass die Gesellschafter unterrichtet worden seien. Aus Berlin hieß es, dass dies kein Thema der Aufsichtsratssitzung gewesen sei. Senatssprecher Richard Meng sagte, dass man sich auf den „Problemlöser Amann“ verlasse. Er müsse klären, ob eine neue Lage vorliege. Bevor diese Klärung nicht erfolgt sei, könnten Außenstehende das Gutachten nicht bewerten. Brandenburgs Regierungssprecher Thomas Braune sagte, man vertraue in Amanns Problemlösungskompetenz. Der Bund, der dritte Gesellschafter, sah sich am Sonntag nicht in der Lage, Stellung zu beziehen.

Döring forderte eine schnelle Klärung des Sachverhalts. Es sei zudem keine vertrauensbildende Maßnahme, dass der Verkehrsausschuss des Bundestages bei seiner Sitzung zum BER am vergangenen Mittwoch nicht über das Gutachten informiert worden sei, obwohl dieses der Geschäftsführung und den Gesellschaftern seit Tagen bekannt war. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass etwas vertuscht werden sollte“, sagte der FDP-Generalsekretär. Carl-Heinz Klinkmüller (CDU), Vize-Landrat im Landkreis Dahme-Spreewald, dem die zuständige Baubehörde untersteht, sagte, nun werde die Lage auf der BER-Baustelle „ungeschminkt“ deutlich und nicht mehr beschwichtigt. „Endlich ist das auch beim Flughafen angekommen. Das hat lange gedauert.“

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