Zeitung Heute : Berater, nicht Entscheider Welche Aufgaben der

Rat für Nachhaltigkeit hat

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Besonders sexy klingt der Begriff nicht. „Nachhaltigkeit“ ist ein Wort, das unwillkürlich an verstaubtes Bürokratendeutsch erinnert. Doch was auf den ersten Blick so nüchtern daher kommt, steht für eine Idee, die eine Hauptrolle auf der weltpolitischen Bühne des 21. Jahrhunderts spielen könnte: Eine nachhaltige Lebensweise bedeutet, dass wir heute konsequent die Verantwortung für unsere Zukunft übernehmen – ökonomisch, ökologisch und sozial. Das heißt etwa, Schadstoffbelastungen durch private Haushalte oder die Industrie zu minimieren oder Waren zu kaufen, die unter fairen Bedingungen entstanden sind.

Einen wichtigen Meilenstein in dieser Diskussion setzte 1992 der UNWeltgipfel in Rio de Janeiro und mit ihm die Agenda 21. Hier verpflichtete sich die internationale Staatengemeinschaft auf ein Aktionsprogramm, mit dem die Situation der Länder in der Dritten Welt verbessert und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sicher gestellt werden sollte. Die Ziele galt es in nationalen Strategien umzusetzen – und hier kommt der „Rat für Nachhaltige Entwicklung“ ins Spiel: Er wurde im April 2001 durch Bundeskanzler Gerhard Schröder einberufen, um die Bundesregierung bei der Erfüllung ihrer Agenda-Pflichten zu beraten. Das heißt, er soll konkrete Handlungsfelder für die Politik vorschlagen und die öffentliche Diskussion fördern. Dem Rat gehören 18 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an – vom ehemaligen Minister Volker Hauff über Verbraucherschützerin Edda Müller bis hin zu Josef Sayer vom Hilfswerk Misereor. Sie treffen sich fünf Mal im Jahr.

Erstes greifbares Resultat ist die Mitwirkung des Rats in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Sie wurde im April 2002 unter dem Titel „Perspektiven für das neue Jahrtausend“ vorgelegt, und soll ermöglichen, dass sich die nachhaltige Entwicklung hierzulande an 21 Zielen messen lässt – etwa am Anteil der erneuerbaren Energien. Mit dieser Strategie in der Tasche, reiste die deutsche Delegation im September 2002 zum zweiten Weltgipfel nach Johannesburg.

Am heutigen Mittwoch findet unter dem Titel „Kurs nehmen: Deutschland nachhaltig verändern“ der diesjährige Kongress des Nachhaltigkeitsrats in Berlin statt. Dabei geht es den Veranstaltern in erster Linie darum, die öffentliche Diskussion anzuregen. Auf der Tagesordnung stehen Themen wie die internationale Dimension deutscher Nachhaltigkeitspolitik, die Zukunft der Kohle oder neue Leitbilder für das Bauen und Wohnen. Das sind auch die Themen, mit denen sich der Rat bis zum Ende seiner Berufungsperiode im April 2004 beschäftigen wird. Der Jahreskongress ist zwar öffentlich, allerdings schon seit Wochen ausgebucht. Eine ausführliche Tagungsdokumentation kann aber auf der Internet-Seite des Rats nachgelesen werden. rok

Weitere Infos im Internet unter:

www.nachhaltigkeitsrat.de

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