Bergsteiger Reinhold Messner : „Jedes Leben ist gleich wertvoll“

Ein Kenner des Himalaya ist Reinhold Messner. Er hat ein inniges Verhältnis zu der Region und den Menschen dort. Und er beklagt nun, dass der Fokus bisher so häufig vor allem auf die Bergsteiger gerichtet wurde.

Reinhold Messner kennt den Himalaya - und kritisiert den Massenansturm auf den Mount Everest.
Reinhold Messner kennt den Himalaya - und kritisiert den Massenansturm auf den Mount Everest.Foto: Horst Ossinger/dpa

Reinhold Messner kommt im Moment zu nichts. Ständig klingt das Telefon, alle wollen ihn sprechen, als Experte der Bergwelt und der Lebensbedingungen in Nepal, das jetzt von so furchtbaren Erdbeben erschüttert wird. „Mich ärgert der Fokus, der jetzt vielfach auf die Rettung der Bergsteiger am Himalaya gelegt wird“, sagte der 70-Jährige dem Tagesspiegel. „Die Menschen da oben haben Hubschrauber, Ärzte, aber die Menschen in den abgeschotteten Tälern haben nichts. Mit tun die Bergsteiger oben leid, aber jedes Menschenleben ist gleich wertvoll.“

Reinhold Messner kennt die Bergregionen dort gut. „Man hat den Himalaya inzwischen in Ketten, Seile und Leitern gelegt. Früher waren wir dort drei Hanseln, bei denen man gesagt hätte, die sind selbst schuld, wenn sie sich dem Risiko aussetzen.“ Ein Zelt im Basiscamp könne nicht einstürzen – wohl aber die vielen Häuser in den entlegenen Regionen. Er fühle mit jedem Menschen mit, der jetzt im „mit 800 Menschen überbevölkerten“ Camp um sein Leben fürchte. Auf den Berg zu gehen, sei heute dort keine Heldentat, „auch bei mir war das damals keine“, sagt Messner. „Es ist eine freie Entscheidung. Die einheimische Bevölkerung aber muss da leben.“ Er fühle sehr mit den Menschen, die er als „unglaublich liebenswürdig und hilfsbereit kennengelernt“ habe – „die jetzt unter den Trümmern ersticken“. Aus Kostengründen könnten die Menschen dort meist nicht erdbebensicher bauen. Nepal gilt als das zweitärmste Land Südasiens.

Messner Hilfsprojekte für Bergvölker seien zum Glück wohl nicht betroffen, sie liegen weiter weg. Ein Schulprojekt könnte betroffen sein, aber er habe noch keine Nachricht. Und er selbst könne jetzt natürlich auch keine Rettungsaktion führen, „dafür ist mein Arm zu kurz“. „Ich will jetzt aber der Hillary-Stiftung Geld überweisen, weil diese mit lokalen Partnern kooperiert“, kündigte Reinhold Messner an.

„Die Regionen dort sind in unserer Vorstellung das Ende der Welt. Und es ist ein großartiges Land, das unsere Hilfe verdient“, sagte Messner dem Tagesspiegel. Ohne die Unterstützung der Weltbank und vieler großer Staaten, könne man keine ausreichende Hilfe leisten, appellierte der Abenteurer, Naturfreund, Autor, Filmemacher, Bergsteiger und Gründer der Mountain Messner Foundation. „Meine große Empathie gilt den bitterarmen Menschen, die jetzt so viele Opfer zu beklagen haben und denen wir alle dringend helfen müssen.“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!