Zeitung Heute : Berlin 2030: Größer, älter, besser

Die Hauptstadt wächst um eine Viertelmillion Menschen und soll Europas lebenswerteste Metropole werden.

Berlin - Berlin wird im Jahr 2030 etwa 3,8 Millionen Einwohner haben. Das entspricht einem Zuwachs von sieben Prozent oder rund 250 000 Menschen, wie Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Bevölkerungsprognose sagte. Die Prognose schreibe eine „mittlere Entwicklung“ fort, sagte Müller. „Auch das ist immerhin die Größe eines Berliner Bezirks.“ Der Prognose zufolge wird die Bevölkerung Berlins stärker wachsen als die Hamburgs oder Kölns. In Hamburg wird mit einem Plus von unter fünf Prozent bis 2030 gerechnet, in Köln nur mit einer minimal zunehmenden Bevölkerungszahl. In München rechnet man mit einem zehnprozentigen Zugewinn.

Müller hob hervor, dass in Zukunft junge Leute, die zur Ausbildung in die Stadt kämen, hier auch Arbeit finden könnten. Deshalb solle zum Beispiel auf dem Flughafen Tegel ein Wissenschafts- und Industriepark entstehen. Statistisch gesehen, wird die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 18 und 65 Jahren stabil bleiben. Das gilt auch für die Anzahl der Kinder unter sechs Jahren. Sie wird mit etwa 195 000 konstant bleiben. Um fast 20 Prozent zunehmen wird allerdings die Anzahl der Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren. Zuwandern werden der Prognose zufolge junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren.

Das bedeutet nicht, dass deren Anteil an der Bevölkerung zunimmt. Deutlich anwachsen wird die Gruppe der Älteren (65 bis 80 Jahre) um 14 Prozent oder 190 000 Menschen. Die Anzahl der Alten (ab 80 Jahre) soll um 80 Prozent oder 120 000 Menschen wachsen. Der Altersdurchschnitt wird daher von 42,3 Jahren im Jahr 2011 auf 44,2 Jahre im Jahr 2030 ansteigen.

Die Bezirke werden sich laut Müllers Prognose sehr unterschiedlich entwickeln. In Pankow rechnen die Statistiker mit einem Zugewinn von 16,3 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgt Friedrichshain-Kreuzberg. In Reinickendorf werden gerade mal 1,3 Prozent mehr Einwohner erwartet. Laut Müller ist der Senat für die Entwicklung gut gerüstet. Zumal beim Wohnungsbau sei die Stadt auf Zuwächse eingerichtet. In den vergangenen beiden Jahren seien je 7300 Baugenehmigungen erteilt worden. Ab 2016 sei mit jährlich 9000 Baugenehmigungen zu rechnen. Private Investoren seien auf den Trend zum Bevölkerungswachstum ebenso eingestellt wie Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften.

Auch beim Ausbau der sozialen Infrastruktur sieht Müller die Stadt gut aufgestellt. Aus der Prognose ergäben sich keine Notwendigkeiten zum Bau von Schulen, Straßen oder Pflegeheimen. Dem widersprachen allerdings sowohl die Bezirke als auch die IHK.

Der Trend weg vom motorisieren Verkehr werde sich fortsetzen, sagte Müller. Und immerhin sei Berlin gerade für seine Behindertenfreundlichkeit ausgezeichnet worden. Die Stadt werde auch 2030 einen „hervorragend“ ausgebauten öffentlichen Nahverkehr und „riesige Grünflächen“ in ihrer Mitte aufweisen. Müller glaubt: „Berlin wird Europas lebenswerteste Metropole sein.“

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