Zeitung Heute : Berlin Biomedical Exchange Office: Mediziner ins Ausland

Ulrike Arnold

Laut der Absolventenstudie des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" verbringt fast die Hälfte aller Medizinstudenten (46 Prozent) einen Teil des Studiums im Ausland. Nicht nur zahlreiche Praktika, sondern auch ganze Studienjahre werden anderswo absolviert, und die Möglichkeit zu einem Forschungssemester im Ausland wird immer häufiger genutzt. Joachim-Wolfram Dudenhausen, neuer Dekan der Medizinischen Fakultät und seit Jahren in Berlin um die Förderung des Auslandsstudiums bemüht, empfiehlt seinen Studenten, klinische oder wissenschaftliche Erfahrung im Ausland zu sammeln. "Damit zeigt man Initiative, die im Berufsleben honoriert wird", sagt er.

Sowohl im Rahmen der etablierten Austauschprogramme als auch dann, wenn diese Auslandsaufenthalte selbst organisiert werden, ist institutionelle Unterstützung und Förderung notwendig. Dies ist das Arbeitsfeld des "Berlin Biomedical Exchange Office" (BBEO), das unter diesem Namen seit 1996 besteht. Damals hatten die Dekane der Berliner medizinischen Fakultäten eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit in internationalen Angelegenheiten getroffen. Rund 200 Studienplätze an 75 Partneruniversitäten in Europa stehen derzeit für die Berliner Medizinstudenten im Rahmen des europäischen Austauschprogramms Sokrates/Erasmus zur Verfügung. Dies ist das umfangreichste Programm für Medizinstudenten in Deutschland.

Das Berlin Biomedical Exchange Office wählt aus den Bewerbern aus, vermittelt sie an die Partneruniversitäten und wickelt die bürokratischen Formalitäten ab. Durch Erasmus haben die Studenten die Möglichkeit, weitgehend ohne Zeitverlust im Ausland zu studieren. Sie werden dabei von der gastgebenden Universität unterstützt. Im Gegenzug kommen jährlich etwa hundert Medizinstudenten aus ganz Europa nach Berlin. Sie werden vom BBEO betreut und bestmöglich in das studentische Leben integriert.

Das BBEO ist das Berliner Büro des an der Medizinischen Hochschule Hannover initiierten BMEP (Biomedical Sciences Exchange Program between North America and Europe). Es vermittelt jährlich rund 40 Medizinstudenten, die einen Aufenthalt in den USA anstreben. Das achtmonatige Programm ist vorwiegend auf die Zusatzqualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses ausgerichtet. Forschungen - meist im Rahmen einer Doktorarbeit - stehen im Mittelpunkt. Im Rahmen von bilateralen Kooperationen pflegt das BBEO die Zusammenarbeit der Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität mit Partneruniversitäten in aller Welt, zum Beispiel in Australien, China, Estland, Korea, Kuba, Polen, Russland, Südafrika und den USA. Mit Leben erfüllt werden diese Vereinbarungen durch den Austausch von Studenten und Wissenschaftlern, aber auch durch gemeinsame Veranstaltungen wie zum Beispiel International Summer Schools.

Der Einsatz von neuen Medien in der Lehre und Wissensvermittlung hat in der internationalen Zusammenarbeit besondere Bedeutung gewonnen. Über das Internet ist es problemlos möglich, auch Studenten der jeweiligen Partneruniversitäten in multimediale Kurse einzubeziehen. Derartige Projekte werden im BBEO entwickelt und erprobt: Zum Beispiel gibt es einen Kurs zum Thema "Pain Management", und zunehmend werden auch spezielle Sprachkurse für Mediziner angeboten.

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