Zeitung Heute : Berlin Capitals: Banghards Millionenspiel

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Egon Banghard ist nicht aus der Ruhe zu bringen. Der Mann mit den kurzen, über den Schläfen etwas lichten, grauen Haaren, trägt ungerührt die Gründe für das Sommertheater um den Eishockey-Club Berlin Capitals vor. Wenn Emotionen in seinen Vortrag einfließen, dann allenfalls als Auslöser gewaltiger Gedanken-Sprüngen zwischen Geschäft und Familie, Geld und Freundschaft sowie der Zukunft seiner "Caps". Von Erleichterung aber ist nichts zu spüren. Dabei hätten Banghard und die Capitals-Verantwortlichen Grund gehabt, zumindest ein wenig Freude über das gute Ende einer wundersamen Geldbeschaffung zu zeigen. Denn der "mehrfach Totgesagte" (Banghard über Banghard) hatte nach einem vergeblichen Anlauf doch noch 11,6 Millionen Mark auftreiben können. Und die Deutsche Eishockey Liga ließ Gnade vor Recht gelten, als sie den Caps eine Woche vor Spielbeginn die Lizenz für die neue Saison doch erteilten.

"Wo sind die Freunde in Krisenzeiten", sagt Banghard, "das habe ich mich gefragt." Neben dem Finanzier sitzt der Capitals-Manager und schaut Löcher in die Luft. Ein Stuhl weiter Banghards Steuerberater. Mit seinen breiten Schultern schaut er eher wie ein Eishockey-Spieler aus. Er sitzt mit angespanntem Gesicht da, als prüfe er gerade ein notleidendes Büdget. Mein Kollege zur Rechten: "Was kommt den nun?" Banghard fährt fort: "Mit den Freunden ist es in schwierigen Zeiten wie mit den Männern vom Sägewerk, wenn sie in der Kneipe fünf Bier bestellen." Und der Fonds-Multi hebt eine Hand, deren zwei mittlere Finger abgewinkelt sind, als habe er sie verloren. Betretene Gesichter auf dem Podium. Mein Kollege unkt: "Oh - den Witz kannte ich nicht."

Gewiss, am Geld zerbrechen Freundschaften. Doch welcher Zusammenhang besteht zwischen den elf Millionen Mark für die Capitals und den Freundschaften des Immobilienunternehmers? Konnte er die Millionen selbst nicht aufbringen, so dass er andere dazu brauchte? Der talentierte Fonds-Verkäufer winkt ab: Nein, es sei kein Freundschaftsdienst gewesen, den der Mannheimer Unternehmer Dietmar Hopp ihm geleistet habe. Vielmehr liege eine "gesellschaftliche Transaktion zugrunde". Daran habe auch sein Steuerberater mitgewirkt. Das ist der hoch aufgeschossene Mann mit dem angespannten Gesicht. Banghard nennt Hopp dennoch einen Freund. Einen Geschäfts-Freund vielleicht?

Der Cap-Präsident jedenfalls will seinem Freund Hopp für dessen Millionen keine Anteile am Verein angeboten haben. Worin also bestand die "Transaktion"? Eine naheliegende Vermutung: Hopp hatte sich an einem der zahlreichen Immobilien-Fonds beteiligt, die Banghard an Anleger im ganzen Lande verkaufte. Vielleicht auch bei einem jener Projekte, die nicht die erwarteten Erträge abwerfen - oder sogar Not leidend sind. Ist Hopp deshalb auf Banghards Sanierungskünste angewiesen? Banghard winkt ab, ruhig und entschieden, seine großen offenen Augen flößen Vertrauen ein. Banghard ist ein guter Verkäufer.

Und dann wieder ein Sprung, in seinemVortrag: "Mein Sohn ist geflüchtet aus dieser Stadt mit Frau und Kind", sagt er unvermittelt. Er wisse nicht, wo sich sein "Filius" befinde. Er werde bedroht, seine Telefonleitungen "abgehört". Die Ursachen bleiben im Dunkeln. Vielleicht, weil sein Sohn selbst einmal Präsident der Capitals war, und Fans ihm die Schuld am Desaster geben? Vater Egon spricht Sohn Axel frei von jeder Schuld. Dabei war es der Filius, der ihn in das Abenteuer Berlin Capitals stürzte. Erst als die Löcher in der Vereinskasse immer größer wurden, übernahm der Vater das Ruder. Schuld an der Misere sei aber nicht der Sohn, sondern "riesige Steuerschulden, die nicht bekannt waren". Doch wie der Sohn sollte wenig später auch dem Vater die Aufgabe über den Kopf wachsen. Schuld waren "manche Leute, denen ich Vertrauen schenkte, und die es nicht verdienten", zieht Banghard sein "sehr bitteres und sehr trauriges Fazit."

Jetzt soll alles anders werden. Banghard gehören nun mehr als 90 Prozent der Gesellschaftsanteile. Jede Rechnung oberhalb von 5000 Mark soll der Steuerberater prüfen, bevor sie beglichen wird. Dieses Jahr werde der Verein schwarze Zahlen schreiben. Der Steuerberater mit der Statur von Eishockey-Spielern sitzt da und lauscht, mit angespanntem Gesicht.

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