Zeitung Heute : Berlin.de behält Kurs bei

KURT SAGATZ

Auch bei den Internet-Providern wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die Übernahme der 51-Prozent-Mehrheit des Berliner Stadtinformationssystems Berlin.de durch die Stuttgarter Telefongesellschaft Debitel wird vorerst zu keinen größeren Veränderungen in der Landschaft der Internet-Zugangsanbieter führen. "Tarifveränderungen stehen in diesem Jahr nicht an", erklärte der Marketing-Verantwortliche von Berlin.de, Marcel Pelletier, nach der überraschenden Ankündigung aus Stuttgart gegenüber dem Tagesspiegel.Auch am Kurs des Stadtinformationssystems wird sich absehbar nichts ändern, und der "Einwohner"-Zugang, mit dem jeder Berliner Zugriff auf seine E-Mail-Adresse unter Berlin.de und seine Homepage auf dem Server des Stadtinfo-Systems zum Telefonortstarif hat, bleibt unverändert bestehen. Debitel wird zumindest in diesem Jahr weiterhin die eigenen Internet-Angebote in Berlin neben denen von Berlin.de anbieten.Neben dem "berlin.de"-Deal waren die Tarife des Newcomers "Naked eye" die größte Sensation der Berliner Providerszene im Juni. 100 Stunden Internet sind hier für kaum nachvollziehbare 100 DM (inkl. Telefonkosten) zu haben. Bei näherer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, daß dieser Tarif nur für eine bestimmte Zielgruppe Vorteile bietet. Zum einen müssen die 100 Stunden im Paket abgenommen werden, so daß der niedrige Preis nur bei genauer Einschätzung der Nutzungsgewohnheiten erzielt werden kann. Zum anderen bietet Naked Eye weder E-Mail-Adresse, noch Webspace oder Newsgroups. Überdies wird bei jeder Einwahl ein Verbindungsentgelt von 6 Pfennig abgerechnet.Dies führte dazu, daß die Tarife im Test nicht auf den Spitzenplätzen landeten, da die Mehrzahl der Internet-Nutzer sowohl gute Leistung und günstigen Preis als auch Extras und Support benötigen.Auf preiswerte Rundumpakete müssen die Berliner Surfer freilich nicht verzichten, wie die Juli-Auswertung des Providertests zeigt. So hat der Spitzenreiter unter den Providern für Normalsurfer (rund 20 Stunden Onlinezeit monatlich), Transmedia, die Leistung und den Support verbessert und damit die Führung in diesem wichtigen Bereich gefestigt. Zudem konnten sich zwei neue Tarife von Berliner Providern in diesem Segment neu positionieren.Auf Platz 6 im Normalsurfer-Segment steht nun der Tarif "Surfer-Paradise" von go-on.net, bei dem es sich ebenso wie bei dem neuen Tarif von BerlinWeb um ein günstiges Internet-by-Call-Angebot handelt. Unter einer bundeseinheitlichen Einwahl erhalten die Nutzer einen Zugang zum Netz, bei dem nur die tatsächlich verbrauchten Minuten berechnet werden. Überhaupt ist festzustellen, daß mit wenigen Ausnahmen nur noch die Tarife wirklich als günstig zu bezeichnen sind, die die Telefonkosten gleich mit abrechnen. Anbieter von Pauschaltarifen oder zeitabhängigen Tarifen müssen schon sehr günstig sein, um mit den neuen Internet-by-Call- oder den Inklusiv-Angeboten konkurrieren zu können.

Infos: www.Berliner-Provider.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar