Berlin : Der diesjährige "Tag des Friedhofs" zeigt eine Friedhofslandschaft im Wandel

Ein Friedhof ist ein Ort des Gedenkens, der Ruhe und der Besinnung. Und er ist ein Ort mit Geschichte und Kultur. Einmal im Jahr, genauer: immer am dritten Wochenende im September, wird deshalb in verschiedenen deutschen Städten ein „Tag des Friedhofs“ veranstaltet.

Anja BrandtD
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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ein Friedhof ist ein Ort des Gedenkens, der Ruhe und der Besinnung. Und er ist ein Ort mit Geschichte und Kultur. Einmal im Jahr, genauer: immer am dritten Wochenende im September, wird deshalb in verschiedenen deutschen Städten ein „Tag des Friedhofs“ veranstaltet. Friedhofsverwaltungen und -gärtner, Bestatter, Steinmetze und Vereine organisieren das Programm. Sie wollen die vielfältige Bedeutung von Friedhöfen auch außerhalb der öffentlichen Totengedenktage zeigen. In diesem Jahr wollen sie den Blick auf die gärtnerische Gestaltung lenken. Das Motto: „Erinnerung hat viele Farben“ - im wahrsten Sinne.

In Berlin ist an diesem Sonntag der Heidefriedhof in Mariendorf der Hauptveranstaltungsort für den „Tag des Friedhofs". Auf Führungen und mit Ausstellungen wollen die Organisatoren neben der Geschichte der Begräbnisstätte die Vielfalt der friedhofsgärtnerischen Gestaltung zum Thema machen: Elf Mustergräber haben Friedhofsgärtner gestaltet, eines wird am Aktionstag selbst hergerichtet. Außerdem sind Konzerte, eine Lesung und Vorträge geplant.

„Beratung zum Thema Tod und Trauer stehen ganz weit oben“, sagt Katja Beutel vom Landesverband Gartenbau und Landwirtschaft über das Programm. Der Verband ist einer von etwa 20 Mitgliedern im „Arbeitskreis Tag des Friedhofs“, der den Berliner Aktionstag unter Federführung der Friedhof Treuhand Berlin (FTB) auf die Beine stellt.

Die Trends der Grab-Bepflanzung stehen im Mittelpunkt. Besonders gefragt seien Bodenmodellierungen, sagt Lutz Rademacher, Friedhofsgärtner auf dem Mariendorfer Heidefriedhof, und farbenfrohe und üppige Herbstpflanzen sowie Eriken und Moorbeetpflanzen. Zudem stünden pflegeleichte Pflanzen und Bodendecker hoch im Kurs, stellt Andreas Kopfnagel, Leiter der Friedhofsverwaltung Tempelhof-Schöneberg, fest, „und eher kleine Flächen zur Wechselbepflanzung oder Pflanzenschalen“. Bei den Grabsteinen gehe der Trend weg vom Massenprodukt hin zum handwerklich bearbeiteten und individuellen Stein, erklärt Mirko Fischer von der Steinmetz- und Bildhauerinnung Berlin. In Zukunft werden Fischer zufolge mehr Rohstücke mit rauer Oberfläche anstatt polierter Steine zu sehen sein.

Auch gefragt: eingravierte Fotos der Verstorbenen. „Vor allem Hinterbliebene aus osteuropäischen Ländern wünschen sich Bilder im Grabstein“, beobachtet Fischer, „dort ist das Tradition.“ Die Inschriften würden vermehrt schlichter und – bedingt durch die kleineren Steine – kürzer. Unverändert seien Symbole wie Rosen und Palmwedel beliebt. Beim Grabschmuck lässt sich ein Trend hin zum „Mehr“ ausmachen. So stellen die Hinterbliebenen heute mehr Grablichter auf als noch vor einigen Jahren. Und eben Fotos. „Das Aufstellen von Bildern ist mittlerweile erlaubt“, sagt Kopfnagel. Von der Engelsfigur über bunte Rosenkugeln hin zu Windrädern – bei den Accessoires ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Farbenfrohe Pflanzen, schlichte Steine, Schmuck – nicht immer fallen die Vorlieben der Angehörigen so klassisch aus. Und dennoch landen Streitigkeiten über die Grabgestaltung selten vor Gericht. Kopfnagel kennt keine derartigen Fälle. Ungewöhnliche Wünsche dagegen schon. So hat ein Angehöriger einen Teich auf dem Grab der Verstorbenen angelegt. Und vor einiger Zeit habe jemand gefragt, ob er einen Grabstein mit Bildschirm aufstellen dürfe. „Hier sollten Videos laufen“, erzählt Kopfnagel. Umgesetzt wurde die Idee bisher nicht. „Der Angehörige hat sich nicht mehr gemeldet.“ Anja Brandt

Weitere Informationen unter:

www.tag-des-friedhofs.de

www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/friedhoefe_begraebnisstaetten

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