Zeitung Heute : Berlin hofft weiter auf „großes“ Pressezentrum

Der Tagesspiegel

Die Berliner Medienszene reagiert gelassen auf die Entscheidung der Fifa, das Internationale Medienzentrum (IMC) der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in München anzusiedeln. „Wir sind eigentlich sehr zufrieden“, sagte der Medienbeauftragte der Länder Berlin und Brandenburg, Bernd Schiphorst, am Donnerstag dem Tagesspiegel. „Die Aufgabenverteilung zwischen Berlin und München muss ja ohnehin noch im Einzelnen geklärt werden.“ Berlin werde als Hauptsitz der Fifa sowie Austragungsort bedeutender Spiele und – wahrscheinlich – des WM-Endspiels in jedem Fall ein „großes Pressezentrum“ bekommen.

Diese Einschätzung teilt auch Raimund Hosch, Chef der Messe Berlin. „Wegen des Endspiels werden wir auch in Berlin ein qualitativ hochwertiges Zentrum haben“, sagte Hosch dem Tagesspiegel. Es gebe die Zusage des WM-Organisationskomitees, gemeinsam mit Berlin zu verabreden, wie das hiesige Pressenzentrum zu gestalten sei.

Hosch zufolge kann man dafür das ICC oder die relativ neue Halle 7 nutzen, die über ein modernes Breitbandnetz verfügt. Die im Zusammenhang mit dem Medienzentrum neu zu bauende Messehalle mit rund 35 000 Quadratmetern werde nun „ein bis drei Jahre später“ gebaut, sagte Hosch. Allerdings mache die neue Halle nur Sinn, wenn die Messe drei oder vier große Veranstaltungen im Programm habe, um die entsprechende Kapazität zu vermieten. Bislang stoßen Hosch zufolge nur die Internationale Tourismusbörse und die Grüne Woche an Kapazitätsgrenzen.

„Ein großer Teil der Medien wird sich nach Berlin bewegen“, glaubt Schiphorst an eine erfolgreiche Fußball-WM für die Hauptstadt. Die Fifa-Spitze werde im Adlon, das Organisations-Komitee im Hotel Intercontinental Quartier aufschlagen. Schon im September dieses Jahres werde sich Berlin bei der Auftaktveranstaltung zur WM 2006, bei der unter anderem das Logo der WM vorgestellt werde, der internationalen Öffentlichkeit präsentieren.

Um das Medienzentrum hatten sich neben Berlin noch München und Düsseldorf beworben. Größter Verlierer sei Düsseldorf, hieß es in Medienkreisen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) habe seine Medienkompetenz bei der Fifa nicht zur Geltung gebracht. „Die sind jetzt stinksauer“, sagte ein Beobachter über die Nordrhein-Westfalen. Offenbar hatten Düsseldorf und München die entsprechenden Kapazitäten für ein Medienzentrum dem WM-Organisationskomitee umsonst angeboten und sogar noch zusätzliche geldwerte Leistungen draufgelegt. Da konnte Berlin nicht mithalten.

Drei Monate das ICC und sogar zehn Monate eine neue Halle mit rund 35 000 Quadratmetern umsonst zur Verfügung zu stellen, wäre für die Messe Berlin nur mit massiver Senatshilfe möglich gewesen. Angesichts der Haushaltslage war da nichts möglich. Bei der Messe München konnte am Donnerstag nicht geklärt werden, zu welchem Preis sie den Zuschlag für das Zentrum bekommen hatte. Der entsprechende Geschäftsführer sei erst am Montag zu erreichen, hieß es auf Anfrage. alf / mot

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