Zeitung Heute : Berlin im Jahre Null

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Der erste Satz kommt einem merkwürdig bekannt vor. "Eigentlich wollte ich den großen Berliner Roman schreiben" - das hat man in den letzten Jahren häufiger gehört. Curt Riess schrieb das allerdings bereits im Januar 1953. Da hat man den großen Wurf vor Augen, und letztlich wird es dann doch bloß ein Reportagenband: dieses Problem scheint ein sehr altes zu sein. Auch Riess ging es so. Der Stoff der unmittelbaren Nachkriegszeit war so aktuell, so packend, die Zeitgeschichte schien so aufgeladen, dass er sie atemlos einfach mitschrieb. Und wie so oft kam mehr dabei heraus als bei den meisten Romanversuchen. "Berlin Berlin" hieß der Band von Curt Riess, der schnell vergriffen war und jetzt, ein halbes Jahrhundert später, neu aufgelegt wird: Reportagen aus den Jahren von 1945 bis 1953, das Leben zwischen Russen und Ruinen, der Überlebenskampf des einfachen Berliners abseits der Villen im Grunewald. Manches erinnert an Rossellinis Film "Germania, anno zero", und auch die erstmals in einem Buch veröffentlichten Fotos von Horst Urbschat führen diese Linie fort: Bilder aus einem immer drohenden Unbewussten.

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