Zeitung Heute : Berlin ist wie Silicon Valley

Der Tagesspiegel

Erst erklangen die schmissigen Rhythmen einer Swing-Combo, danach folgten Ratschläge zum Ernst des Lebens: Der Politologe Hans N. Weiler von der kalifornischen Stanford-Universität hat das Sommersemester an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) eröffnet. In seiner Rede im überfüllten Audimax an der Treskowallee war dem Bildungsexperten nicht nach Späßen zumute: Er gratulierte den Studenten „zu ihrem Mut, sich auf die Hochschulen in Berlin einzulassen“. Die deutschen Hochschulen hätten „die leidige Tradition, an den Bedürfnissen der Gesellschaft vorbeizuleben“, gab er den neu immatrikulierten Studenten mit auf ihren Weg ins Studium. „Berlin kann sich in der Dichte seiner Wissenschaft weltweit nur mit dem Silicon Valley vergleichen“, sagte er. „Das würde sich jede andere Region wünschen.“

Weiler kritisierte, dass nach den jüngsten Sparauflagen nicht einmal mehr 85 000 Studienplätze in Berlin ausfinanziert seien. Während Bayern und Baden-Württemberg fünf Milliarden Euro in einen „Zukunftsfonds“ investierten, bekomme Berlin „gerade mal zehn Millionen zusammen“. Der Professor, der jahrelang die Europa-Universität in Frankfurt an der Oder aufgebaut hat, rechnete vor: „Für jeden Euro, den Berlin in die Wissenschaft investiert, fließen drei bis vier Euro in die Stadt zurück.“ HS

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