Zeitung Heute : Berlin läuft sich warm für Olympia

Nach Absage Münchens nennt Wowereit die Hauptstadt eine „gute Wahl“ für Sommerspiele 2024.

Berlin - Nach dem Aus in München wächst in Berlin die Hoffnung, die Olympischen Spiele im kommenden Jahrzehnt in die Hauptstadt zu holen. Sollten die zuständigen Gremien des deutschen Sports wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sich nach dem Scheitern Münchens für eine erneute Bewerbung um die Sommerspiele entscheiden, „wäre Berlin eine gute Wahl“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dem Tagesspiegel.

Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) sagte: „Wenn sich der DOSB jetzt für die Bewerbung um Olympische Sommerspiele entscheiden sollte, ist Berlin hoffentlich im Rennen.“ Der einstige Berliner Sportsenator und heutige Präsident des Landessportbunds Berlin, Klaus Böger, forderte die Landesregierung auf, jetzt offensiver für die Spiele in Berlin zu werben und eine gesellschaftliche Diskussion anzuschieben, wie die Stadt davon profitieren könne: „Nur reiche Städte können es sich leisten, auf Olympia zu verzichten.“ Bis 2015 müsse Deutschland sich entscheiden, ob man sich für die Spiele 2024 bewerben will. „Ich bin sehr an diesem Diskurs interessiert“, sagte Böger.

Der Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft Berlin, Gerhard Janetzky, forderte im Gespräch mit dem Tagesspiegel einen „runden Tisch“ von Sportverbänden und Politik in Berlin, an dem Ideen gesammelt werden sollen, wie sich die Bevölkerung für eine erneute Olympiabewerbung Berlins begeistern ließe. Derzeit, sagte Janetzky, könnte ein Volksentscheid in Berlin ähnlich negativ ausfallen wie in Bayern. Aber wenn man Fehler der Vergangenheit wie „Gigantismus, Eingriffe in die Natur und Korruption“ offensiv aufarbeite, „dann hat Berlin eine Chance auf die Sommerspiele 2024“.

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper äußerte sich nach dem klaren Veto der Bürger gegen eine Olympia-Bewerbung von München zurückhaltend zu einer erneuten deutschen Kandidatur. „Jetzt muss man sehen, ob und wann es ein nächstes Mal gibt“, sagte Vesper in Frankfurt am Main. Am Sonntag war die Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2022 in vier lokalen Bürgerentscheiden deutlich abgelehnt worden.

„Gestern ist eine große Chance für den Sport vertan worden“, sagte Vesper. „Wir haben es nicht vermocht, den verbreiteten Stimmungen mit sachlichen Argumenten entgegenzutreten.“ Dennoch sei es richtig gewesen, die Bürger zu befragen, meinte er.

Die Aussichten auf eine erfolgreiche Kandidatur für Sommerspiele sind nach Ansicht von Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands, gesunken. „Eine Bewerbung um Olympische Sommerspiele wird nun nicht einfacher werden“, sagte er. „Ohne die Zustimmung der Bevölkerung wird es zukünftig keine Olympischen Spiele in Deutschland geben.“ Deutschland habe aber in den vergangenen Jahren mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 oder der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin gezeigt, dass es Großereignisse sehr gut organisieren könne. mit dpa

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!