Zeitung Heute : Berlin und Brandenburg verteidigen Themenpark gegen Vorwürfe der sächsischen Landesregierung

Lars Törne Oliver Küch

Die Länder Berlin und Brandenburg haben den vom ZDF in Mainz geplanten Medienpark gegen Vorwürfe der sächsischen Landesregierung in Schutz genommen. "Das ZDF geht neue Wege, sich darzustellen", sagte Staatssekretär Michael-Andreas Butz dem Tagesspiegel. Butz, der als Vertreter Berlins im ZDF-Fernsehrat sitzt, lobte den geplanten Medienpark als ein sehr modernes Projekt. "Angesichts der Verkrustung, die sonst immer den öffentlich-rechtlichen Sendern vorgeworfen wird, sollte man neue Wege loben, nicht kritisieren." Butz sagte, der Medienpark solle gerade kein Vergnügungspark werden, wie in einem Schreiben des sächsischen Rundfunkreferenten kritisiert worden war, sondern eine Einrichtung, mit der der Sender für sich werben könne. Das durch den Park erwirtschaftete Geld müsse allerdings dem Programm des ZDF zugute kommen. Außerdem dürfe der Mainzer Park keine Konkurrenz für private Freizeitparks werden, sagte Butz.

Seitens der brandenburgischen Landesregierung wurde die sächsische Kritik am Medienpark ebenfalls zurückgewiesen. Angesichts der Privatisierungstendenzen beim Mitteldeutschen Rundfunk seien die Vorwürfe aus Dresden scheinheilig, hieß es aus Regierungskreisen: "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeissen". Der brandenburgische Staatssekretär Erhard Thomas hält es durchaus für legitim, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender einen Medienpark unterhält und dort mit seinen Produkten für sich und seine Sendungen wirbt. "Das gehört zur Entwicklungsgarantie des ZDF", sagte er dem Tagesspiegel, "ebenso wie die Bavaria-Studios für die ARD oder Babelsberg für den ORB."

Dieser optimistischen Sichtweise will sich Thomas Grothe vom Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation nicht anschließen. Das ZDF-Projekt sieht er als "einen weiteren Schritt der Expansion in private Märkte". Ihn stört aber nicht nur das Vorgehen des ZDF allein, sondern er kritisiert auch das Verhalten anderer öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. "Die Werbegesellschaft der ARD hat mit dem, was wir uns unter der Grundversorgung mit Informationen vorstellen, nichts zu tun", sagte Grothe. Er befürchtet "Wettbewerbsverzerrung".

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