Zeitung Heute : Berlin verkauft sein Tafelsilber

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Den Zuschlag für das Filetgrundstück Friedrichstraße 100, nahe Metropol-Theater, erhielt die Gesellschaft CTI Capital Treuhand. Die Firma legte nach Angaben von Insidern nicht das höchste Gebot vor. Dieses stamme vielmehr von der schweizerischen Investorengruppe Livit mit über 41 Millionen Mark. Die CTI habe an zweiter Stelle gelegen. Ebenfalls zum Kreis der besten Bieter habe die Firma Hochtief mit einem Gebot von 36 Millionen Mark gezählt.

Das Grundstück gegenüber vom Bahnhof Friedrichstraße blieb seit Anfang der neunziger Jahre aufgrund von Streitigkeiten über die Höhe des Kaufpreises sowie fehlgeschlagener Sanierungspläne für das Metropol-Theater teilweise unbebaut. Dann ging alles sehr schnell. Die kurze Bewerbungsfrist für die Abgabe von Kaufangeboten trug dem Liegenschaftsfonds Schelte ein (Erwiderung siehe unten links). Außerdem wurden einem Investor Wettbewerbsvorteile nachgesagt (Tagesspiegel vom 6. November; Erwiderung siehe unten rechts). Nun ist mit der Entscheidung zugunsten der CTI dieses Kapitel vorläufig abgeschlossen.

Die CTI hatte schon einmal ein öffentliches Grundstück in Mitte erhalten, am Monbijouplatz. Doch diese Entscheidung der Bezirksverwaltung war umstritten, denn die CTI hatte nicht das höchste Angebot abgegeben. Da-raufhin stoppte der damalige Finanzsenator Peter Kurth die Vergabe zunächst. Es folgte ein langes Tauziehen, bis die CTI ihr Angebot um weitere drei Millionen Mark erhöhte, zugleich aber den versprochenen Zuschuss für die Umgestaltung der Grünanlage am Monbijoupark um über eine Million Mark senkte. Geschickt versuchten die CTI-Manager später, nachdem sie das Grundstück für 8,6 Millionen Mark erworben hatten, die zusätzlichen Millionen durch eine neue Planung wieder einzustreichen: Statt einer zweistöckigen Geschäftszeile wollten sie im hinteren Teil des Grundstücks vier Reihenhäuser mit je drei Etagen errichten. Doch der Bezirk machte der Firma einen Strich durch die Rechnung. Erfolgreich war die CTI jedoch mit der Durchsetzung des Baus so genannter Torhäuser auf dem Areal. Diese waren bei den Anwohnern umstritten, weil dafür ein Teil des Parks geopfert werden müsse. Im Juni diesen Jahres begann die Errichtung der Neubauten im Wert von zusammen 70 Millionen Mark.

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