Zeitung Heute : Berlin: Willkommen in einer anderen Stadt

Elisabeth Binder

Vor zwei Jahren kam der Internationalen Funkausstellung neben ihrer eigentlichen Funktion noch eine besondere Bedeutung zu: Sie markierte den Auftakt der Saison nach dem langen Umzugssommer. Die vielen Partys und Medientreffs boten ein frühes Forum für manchen Neu-Berliner, der Orientierung im ungewohnten Umfeld suchte und notfalls auch nur über entfernte Verbindungen zur Welt des internationalen Funks verfügte. Hier sprach man nicht nur über neue Produkte, Marktentwicklungen und Kommunikationsvisionen, hier hatte man einfach auch Gelegenheit, sich kennenzulernen. Integrierte Groß-Ereignisse, wie etwa das Einstands-Fest von SAT 1 mit Marius Müller-Westernhagen waren eine Art Aperitif für das große Glitzern, das darauf folgend im ersten hauptstädtischen Herbst über die Stadt kam.

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IFA 2001 - Technik, Tipps und Trends Auch diesmal wird gefeiert werden, bis die Gläser vom Tisch kullern, aber was das betrifft und auch die Präsenz von Stars, ist eine neue Selbstverständlichkeit über die Stadt gekommen. Die Mitglieder der Glitzer-Schickeria aus Köln, Düsseldorf und München sind längst Stammgäste an der Spree, so viele Eröffnungspartys (auch von großen Medien) hat es inzwischen gegeben, so viele Ereignisse, die über ganze Wochen ausstrahlen, weil sich wie in einem Schneeball- oder Kettenverfahren immer mehr Veranstalter einreihen. Die Anwesenheit großer Namen aus dem Showbereich ist keine Besonderheit mehr, die Herausforderung liegt heute vielmehr darin, die Konkurrenz der ewig auf die Pauke hauenden Großunternehmen, die Giga-Galas der Lobbyisten zu übertreffen.

Lou Bega, Vanessa Mae, No Angels, Lisa Stansfield, Oli P. und Smokie zählen zu denen, die bei der Eröffnungsgala auftreten. Die mächtigen Fädenzieher im Hintergrund treffen sich auf Brunches und bei Cocktails, nicht anders, als beispielsweise bei der Berlinale auch. Unter der Schirmherrschaft des Champagnerglases werden schließlich nicht nur große, sondern auch fröhliche Geschäfte gemacht.

Gerade bei solchen wiederkehrenden Events wird einem klar, was für eine Wandlung Berlin durchgemacht hat. Die einsamen Leuchttürme von einst reihen sich ein in das Lichtermeer, das ganz auf Flut abonniert zu sein scheint. Für viele ortsfremde Medienmächtige ist Berlin kein Einmal-alle-zwei-Jahre-Ziel mehr, die Stadtpläne sind inzwischen schon ein wenig abgegriffen, und manchen In-Treffpunkt finden die Besucher aus barer Routine heraus.

Was diejenigen Ifa-Gäste betrifft, die seit dem letzten Mal tatsächlich nicht mehr hier waren, so können sie all die Neuerungen der letzten zwei Jahre am Stück besichtigen, vom Sony Center bis zum Kanzleramt, von vielen ideenreichen Läden und Lokalen nicht zu reden. Wer sich auf Entdeckungsreise begibt, kann die alten Reiseführer getrost zu Hause lassen. Die Entwicklungen haben sie schnell überholt, und auf Spontanerkunder warten Überraschungen hinter vielen Türen.

Man wünscht den Besuchern, dass sie ihre Hallen wenigstens so lange verlassen dürfen, bis sie das Kribbeln spüren, das in der Stadt allgegenwärtig ist. Letztes Mal war vieles noch Vorfreude, jetzt ist schon eine Menge Erfüllung dabei.

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