Zeitung Heute : „Berlin wird nicht draufzahlen“

Was sich Messechef Hosch vom Wechsel an die Spree erhofft

-

RAIMUND HOSCH (54 )

ist Vorsitzender der

Geschäftsführung

der Messe Berlin, die die Popkomm von 2004 an

veranstaltet.

Foto: Messe Berlin

Herr Hosch, fahren Sie auf die Popkomm, um sich auf den Umzug nach Berlin im kommenden Jahr einzustimmen?

Ich werde die Popkomm dieses Jahr noch aus der Ferne genießen, aber unsere Projektleiter, die die Messe 2004 in Berlin vorbereiten, sind natürlich in Köln. Wir freuen uns, dass die Popkomm nach Berlin zieht.

Treibende Kraft sollen die in Berlin ansässigen Plattenkonzerne gewesen sein.

Das stimmt. Ohne unsere Mitwirkung wäre es nicht so schnell gegangen.

Die Messe steckt in der Krise. Es gibt weniger Besucher und Aussteller. Haben Sie sich schon überlegt, was Sie besser machen wollen?

Berlin wird der Popkomm etwas draufsetzen. Wir werden die Messe aufwerten und in einen größeren Zusammenhang mit anderen Veranstaltungen stellen. Ich hoffe, dass wir so den Negativtrend umkehren können.

Obwohl die Branche in einer tiefen Krise steckt und sich nicht zu erholen scheint?

Ich glaube, dass die Musikindustrie in einem Jahr den Durchbruch geschafft hat. Es müssen aber jetzt Lösungen im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen gefunden werden. Das liegt nicht allein in der Macht der Labels. Hier müssen auch die Technologieanbieter wie Microsoft eingebunden werden.

Wollen Sie die Popkomm mit der LoveParade zusammenlegen?

Das ist nur eine denkbare Synergie. Die Industrie ist mit dem Popkomm-Termin im Sommer aber nicht sehr glücklich. Wir könnten sie auch parallel zur Jugendmesse „You“ im Oktober veranstalten.

Es heißt, das Land Berlin und die Messegesellschaft hätten tief in die Tasche gegriffen, um die Popkomm nach Berlin zu holen.

Das ist falsch. Es sind keine Landesmittel geflossen. Die Messe wird mit Viva ein gemeinsames Tochterunternehmen gründen, in dem wir die Geschäfsführung stellen und das die Popkomm veranstaltet. Für diese langfristige Beteiligung mussten wir natürlich etwas investieren.

Wie viel?

Keine horrenden Summen.

Die Popkomm schreibt Verlust. Muss Berlin auch draufzahlen?

Nein. Wir werden uns unternehmerisch stärker für die Popkomm engagieren. Sie wird sich vom ersten Tag an rechnen.

Das Interview führte Hendrik Mortsiefer.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!