Zeitung Heute : Berlin wird zur Metropole der Gründer

Jörg Steinbach
Foto: TU Presse/Ruta
Foto: TU Presse/Ruta

Berlin ist nicht nur ein Ort für Nachtschwärmer, Kunstkenner oder Städtetouristen aus den verschiedensten Ländern. In zahlreichen Blogs und Medienberichten wird die deutsche Hauptstadt nun auch als die europäische Start-up-Hochburg gehandelt, ja sogar als „New Silicon Allee“ in Anspielung auf die vielen Alleen in Berlins Start-up-Vierteln und dem berühmten Silicon Valley.

Diesen Trend setzen viele: Diejenigen, die als Jungunternehmer an die Spree kommen, und diejenigen, die bis vor Kurzem noch in unseren Hörsälen und Laboren lernten und nun eine Firma führen. Insgesamt sind uns mehr als 1000 Gründerinnen und Gründer aus der Universität bekannt, die wir regelmäßig befragen. Pro Jahr betreuen wir mehr als 40 Gründungsvorhaben. Das zeigt: An unserer Universität wird nicht nur gelehrt und geforscht, sondern auch gegründet. Über Jahrzehnte hinweg fördern wir das Unternehmertum aus der Wissenschaft – mit viel Erfolg. Seit Sommer können wir uns offiziell „EXIST – Die Gründerhochschule“ nennen, da wir eine von drei deutschen Universitäten sind, die den Wettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums gewonnen haben. 83 deutsche Hochschulen hatten sich beworben. Insgesamt drei Millionen Euro fließen in den nächsten drei Jahren in unsere Aktivitäten und damit an den Standort Berlin.

Neben der Entwicklung einer lebendigen internationalen Gründercommunity sollen effiziente und transparente Verwertungsstrategien für die TU Berlin erarbeitet werden. Mit einer neuen „Entrepreneurship School“ wollen wir das Thema Unternehmertum flächendeckend in der universitären Ausbildung verankern. Außerdem arbeiten wir an einem speziellen Exzellenzprogramm, um Start-ups mit hohem Wachstumspotenzial gezielt fördern zu können.

Zugute kommt uns, dass wir nicht bei Null anfangen müssen. So verfügen wir mit den meisten Erfindungsmeldungen in der Region Berlin-Brandenburg über das größte technologieorientierte Innovationspotenzial. Gründungswerkstatt, Alumni-Angel-Abende, Beratungsangebote und Preise für erfolgreiche TU-Spin-offs gehören schon seit Langem zum universitären Alltag. Darüber hinaus wurde im Jahr 2009 ein Fachgebiet für Entrepreneurship und Innovationsmanagement eingerichtet und im März 2010 das Zentrum für Entrepreneurship. Damit bündeln wir unsere Kompetenzen aus Forschung, Lehre und Gründungsservice und bieten eine Adresse für viele Interessenten. Unsere starke Beteiligung an den neuen europäischen Netzwerken „Knowledge and Innovation Communities“ des European Institut of Technology erweitert unsere Gründeraktivitäten über die Grenzen hinweg.

Vor Ort sind wir in den Campus Charlottenburg eingebettet. Erst im April wurde hier das „Charlottenburger Gründungs- und Innovationszentrum“ (CHIC) eröffnet. Schon jetzt haben dort 20 Jungfirmen ihren Sitz. Die Hälfte davon wurde durch TU-Alumni gegründet, hauptsächlich im IT-Bereich. Mit ihren Ideen, ihren Produkten und ihrer Vernetzung setzen sie den Trend für Berlin.

Der Autor ist Präsident der TU Berlin.

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