Zeitung Heute : Berlin zeigt Luxus

Auf der Messe „femme+/to shoe“ präsentieren kleine Labels hochwertige Damenmode und Accessoires

Susanna Nieder

Elegante Frauenkleider, feminin und sportlich, jung und hochwertig – Ilka Fiedler macht Mode, die weit entfernt ist vom Schmuddelimage, das die Hauptstadt in den ordentlich gefegten Straßen Süddeutschlands nach wie vor hat. „Im Süden erwähne ich schon gar nicht mehr, dass Ilka Fiedler ein Berliner Label ist“, sagt Karin Warburg von der Modeagentur Showrespect, „die stellen sich dort unter Mode aus Berlin immer noch ausgefranste Klamotten vor, die im Hinterhof zusammengenäht sind.“

Diese Einstellung wird sich in der nächsten Zeit wohl von selbst ändern. Auf der Modemesse „femmes+/to shoe“ präsentieren sich an diesem Wochenende am Leipziger Platz Berliner neben internationalen Modefirmen – und müssen sich weiß Gott nicht verstecken. Hartbo & L’wig sind unter den Berlinern, Von Wedel & Tiedeken, die Modeschmuckdesigner Rio und Tosh. Ihre Stände stehen neben denen kleiner Firmen aus dem In- und Ausland und einigen international bekannten wie Escada, DKNY, Kenzo und – Birkenstock. Die Latschen sind so breit und bequem wie eh und je, tragen den Zusatz „by Heidi Klum“ und zählen mittlerweile längst zum Luxussegment.

Etwa 80 Labels präsentieren auf der „femme+/to shoe“ Schuhe und Accessoires, weitere 80 Damenmode. Veranstalter sind Premium Exhibitions, die im Januar und Juli gleichzeitig mit der Bread & butter auch die größere Messe Premium zeigen. „Wir bieten diesen zusätzlichen Messetermin an, weil im Januar und Juli zwar die Herrenkollektionen fertig sind, aber für die Damen wird es knapp“, sagt Organisatorin Anita Bachelin. Im nächsten Jahr soll es für die Accessoires sogar einen noch etwas späteren eigenen Termin geben.

Ziel der Messe ist es, eine Plattform für innovative, hochwertige Mode zu schaffen. Das Deutsche Pelzinsitut zeigt Modelle von 18 deutschen Kürschnern, die zuvor in den Zimmern des Hotel Künstlerheim Luise der Presse präsentiert worden waren. Vor allem geht es um Modemacher, die in kleinen Auflagen Ungewöhnliches gestalten. Auf großen Messen gehen solche kleinen Firmen unter. „Ilka Fiedler hatte nach Jahren auf der cpd in Düsseldorf das Handtuch geschmissen, was Messen angeht“, sagt Karin Warburg. Auf der femme+ will sie testen, ob sich das Messegeschäft unter anderen Vorzeichen lohnt. Besonders stolz ist die Agentin auf das dänische Label „Baum und Pferdgarten“, das sie im April für Showrespect entdeckte – leichte Kleider in zarten Farben, die auf angenehme Weise an vergangene Zeiten erinnern.

Die Aussteller sind zufrieden – aber was ist mit den Einkäufern? Kommen die zu einem oder gar zwei weiteren Terminen pro Saison? „Das ist die Frage“, sagt Karin Warburg. In jedem Fall geht es um Einkäufer, die in ihren Geschäften Mode anbieten wollen, die nicht jeder hat. „Wir decken fünf bis zehn Prozent des Modemarktes ab“, sagt Premium-Organisator Norbert Tillmann. Er ist überzeugt, dass Berlin dafür der richtige Ort ist, auch wenn hier wenig Geld für Mode ausgegeben wird – die Kreativität macht´s.

Beim Berliner Label Sai So, das ebenfalls auf der femme+ ausstellt, bahnt sich jedenfalls eine Erfolgsstory an. Dort ist mittlerweile Andreas Jeenicke, der drei Jahre lang als Head-Designer bei Strenesse tätig war, für die Gestaltung der Kollektionen aus handbemalten, aufwändig bestickten antiken Kimonostoffen zuständig. Sai So-Chef Martin Brem hat gut lachen, denn seine Unikate – neben Damenmode macht er Accessoires – verkaufen sich dort, wo richtig Geld für Mode ausgegeben wird, auch richtig gut. Bei Takashimaya auf der 5th Avenue in New York zum Beispiel oder bei Harrod´s in London, wo Sai So von Anfang November bis Weihnachten auf 30 Quadratmetern exklusiv präsentieren wird. Ein Luxuslabel aus Berlin – vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen. Doch bei seiner Klientel muss der Österreicher Brem ohnehin nicht die Trommel für seinen Standort rühren: „Im Ausland sind eh immer alle begeistert, wenn sie Berlin hören.“

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