Zeitung Heute : Berlinale Fieber

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Die Boulevardpresse weiß Bescheid: “Ganz Berlin im Berlinale-Taumel!" Tatsächlich: Während die Gemüsefrau über das Wetter lamentiert, spüre ich, wie sie in Gedanken noch einmal das Kurzfilmprogramm durchgeht. Auch der Zeitungsmann hat den lofotengrünen Baumwoll-Jogginganzug diesen Monat gegen ein Festmodell aus schwarzschimmerndem Polyester eingetauscht: Taumel, Taumel, Taumel! „Das muss doch toll sein mit den ganzen Stars in der Stadt?“, beneidet mich denn auch die Freundin aus Frankfurt am Telefon. Natürlich! Schon morgens unter der Dusche stehe ich im selben Wasser wie George Clooney - und der hat sich auch noch hier in Berlin eine Erkältung eingefangen (hatte ich übrigens schon: mein Virus?); Nicole Kidmans Hotelzimmer hängt an der selben Kanalisation wie meine Toilette und abends befummelt Dustin Hoffman die selben blitzlichtgeilen Fernsehpraktikantinnen wie meine Studentenfreunde. Taumel eben. Dazu gibt es an jeder Ecke Parties in Kultlocations, wo man in abbruchreifen Schwimmbecken immerdar dem Freund vom Producer eines aserbaidschanischen Originaltonfilms (leider noch kein Verleih) begegnen kann und auch Starfrisör Udo Walz. Allerdings ist dies nicht mein Revier, denn die wahre Prominenz trifft sich in der Paris-Bar: Hier ist das Publikum so exquisit, dass selbst Wolfgang Joop Erinnerungsfotos macht, zumindest dann, wenn Nadja Auermann und Thomas Gottschalk es schaffen, Udo Walz kurzzeitig aus dem Bild zu reden. Leider sind die guten Tische ständig durch Boris Becker, Charity-, PR- und TV-Ladies besetzt, und wenn dann die Kidman schon wieder das Borchardt gemietet hat, weiche ich letztendlich auf den Hotspot der Berlinale aus. Der Ort ist so trendy, dass ihn nur wahre Insider kennen; selbst A-Prominente wie Hugh Grant kämen hier nicht ohne weiteres hinein. Da er das aber wohl schon ahnt, hat der Hugh bislang auch noch nicht bei mir geklingelt.

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