Zeitung Heute : Berliner Bankenkrise: "Mit dem Sumpf ist es bei der IBG Fehlanzeige" - Ex-Chef Manfred Schoeps im Interview

In einem vertraulichen Brief an Bankchef Rupf ist

In einem vertraulichen Brief an Bankchef Rupf ist die Rede davon, dass Sie in einem Beziehungsgeflecht mit Käufern von Immobilien steckten. Das klingt nach Filz...

Zunächst wundere ich mir sehr darüber, dass persönlich und vertraulich gehaltene Briefe an den Herrn Dr. Rupf schnellstens an die Öffentlichkeit geraten. Mit dem Sumpf ist es bei der IBG Fehlanzeige. Projektentwickler leben aber von einem Netzwerk, das sie mit ihren Geschäftspartnern unterhalten. Dies bestätigt im Übrigen auch der Verfasser des Schreibens an Rupf. Er erklärte mir in einem Gespräch, dass er nur die üblichen Geschäftskontakte gemeint habe.

In seinem Brief ist aber von "Auffälligkeiten" die Rede. So hätten Sie Immobilien erworben, deren Verkäufer auch Nutzer waren und die kurze Zeit später keine Miete mehr zahlten. Unverhohlener können Gutachter den Verdacht kaum aussprechen, dass jemand Kasse machte, um dann auszusteigen...

Derartige Fälle sind selten aufgetreten, aber leider bei uns ebenso wie im übrigen Wirtschaftsleben. Wenn dies aber ein Beispiel für Beziehungsgeflechte sein soll und damit unterstellt wird, die Geschäftsführung der IBG oder Mitarbeiter hätten sich Vorteile verschafft, ist dies eine üble Verleumdung.

Die Gutachter erwähnen auch ein UCI-Kino in Wien. Das soll der Kaufmann Jürgen Erbach an die IBG verkauft haben. Kurz darauf fiel der Mieter aus. Erbach war zuvor Ihr Angestellter und heute ein Immobilien-Lieferant für Fonds. Ist das Netzwerk oder Filz?

Weder noch. Jürgen Erbach war zu seiner IBG-Zeit Prokurist der Bavaria und bearbeitete das Objekt in Wien. Nachdem er sich selbständig gemacht hatte, bekam er einen Dienstleistungsvertrag für das Vorhaben. Bei dem Projekt gab es Schwierigkeiten, weil die beauftragte Baufirma die geplante Diskotheken-Fläche so gebaut hatte, dass sie nicht betriebsfähig war. Daraufhin wollte der Mieter seine Verträge nicht mehr einhalten. Daher musste der Fonds erhebliche Ausbauten vornehmen. Statt der Diskothek zog ein Fitness-Center ein. Mit den alten Vertragspartnern steht die IBG im Rechtsstreit.

Dann geht das Gerücht um, Erbach habe durch Immobilien-Verkäufe an die IBG viel Geld verdient. Machten Sie ihm das leicht?

Bei Erbach handelt es sich um einen sehr fähigen und erfolgreichen Developper. Für die IBG war die Zusammenarbeit sehr lukrativ. So hat er Immobilien in Neuss, Kaiserslautern und Wilhelmshaven zum 11,5-fachen der Jahresmiete an IBG-Fonds verkauft. Dies ist ein sehr günstiger Preis. Sonst zahlten wir im Schnitt Preise vom 12,8-fachen bis 13,2-fachen der Jahresmiete.

Im Gutachten ist auch von Klumpenrisiken die Rede. Was ist damit gemeint?

Bei Investitionen von annähernd 20 Milliaden Mark hatten wir bei vielen Objekten mit denselben Mietern zu tun. Ginge einer Pleite, stünden also gleich mehrere Immobilien in den Fonds leer. Doch aufgrund der Größe der Fonds machen solche Klumpen nie mehr als fünf Prozent der Mieten aus. Außerdem stehen hinter den Klumpen meistens namhafte Mieter. Weil wir viele Kaufhäuser erwarben, sorgen die Multis Tengelmann, Rewe, Edeka oder die Hornbach-Märkte angeblich für Klumpen-Risiken.

Eine Nebentätigkeit von Bankchef Rupf ist Aufsichtsrat bei Hornbach. Drängte Sie Rupf dazu, die Hornbach-Märkte zu erwerben?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich zur Rolle von Herrn Rupf im Zusammenhang mit den Hornbach-Geschäften keine Stellungnahme abgeben will. Rupfs Hornbach-Märkte sind ein ebenso großes oder kleines Risiko wie andere Klumpen auch.

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