Zeitung Heute : Berliner Flickwerk

Auf den Straßen der City-West reiht sich vielerorts Schlagloch an Schlagloch Taxifahrer können ein Lied davon singen – ein Klagelied

Johannes Kuhn

Fragt man die Taxifahrer am Kurfürstendamm nach dem Zustand der Straßen von Berlin, haben sie einiges zu erzählen. „Welche Straßen schlecht sind? Fragen Sie lieber nach den Guten, das dauert nicht so lange!“, lautet die einhellige Meinung. „Nach dem Winter wird immer geflickt, aber das hält oft nur ein paar Monate“, meint Karl-Werner Pretsch, der schon seit 1968 Taxi fährt. „Die Fahrgäste sprechen einen immer wieder darauf an, neulich hatte ich einen, der konnte nicht mal SMS tippen, weil es so geschaukelt hat.“

Charlottenburg-Wilmersdorf wurde wie viele Stadtteile im Westen nach 1989 vernachlässigt, da im Osten fast alle Straßen erneuert werden mussten. Sorgenkind ist neben der Uhlandstraße und Teilen des Ku’damms vor allem die Budapester Straße. Wer am Hotel Intercontinental einsteigt, wird erst mal durchgeschüttelt. Ab dem Aquarium ist Mitte zuständig. „Die Straßen in Mitte sind eine einzige Katastrophe, die Behrenstrasse ist eine Kraterlandschaft“, findet Taxiunternehmer Dieter Ziesmann.

Weitere Problemgebiete in Charlottenburg-Wilmersdorf sind die Ausfahrten des vielbenutzten Ernst- Reuter-Platzes und die Straße des 17. Juni. Hier ist Besserung angesagt: Nach der WM-Fanmeile und der Loveparade werden Bautrupps anrücken und die Straße komplett sanieren. Der Wermutstropfen: Die Bauarbeiten werden bis 2008 zu Verkehrsbehinderungen führen.

Dazu kommen Sanierungen an Spandauer Damm und Messedamm (Höhe Avus-Tribüne), Ausbesserungen am Ku’damm, der Uhlandstraße und an der Konstanzer Straße. Ab 2009 soll der Kaiserdamm zwischen Theodor-Heuss- und Ernst-Reuter- Platz saniert werden – sofern das Geld reicht. Jährlich stehen dem Tiefbauamt Charlottenburg-Wilmersdorf gerade einmal 800 000 Euro für das „Anti-Schlaglochprogramm“ zur Verfügung.

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