Zeitung Heute : Berliner Gottesacker: Der Dienstplan des Todes

Nadja Klinger

Uwe Volkner steht auf der Südspitze. Er stampft mit dem Fuß auf. Unter den Sohlen seiner Schuhe knirscht gefrorenes Gras. Unter dem Gras ist Lehm. Das sollte man wissen.

Er zeigt in Richtung Norden. Der Blick geht über den Friedhof hinweg. Er überwindet die Mauer, dann die Straßenbahnschienen. Die Landsberger Allee ist kahl, und sie fröstelt. Volkners Atem legt sich als weißer Schleier über ein tristes Bild: Aus der Ferne, zwischen den blassen Plattenbauten und dem Einkaufszentrum hindurch, zieht die Barnimhochebene heran, auf deren südlichem Ende er steht.

Nun ja. Im Lehmboden verwesen die Leichen nicht, sondern dauern wie Wachsfiguren fort. Uwe Volkner hat das einzuplanen. Also werden auf dem Stück, wo sich der Lehmboden der Barnimhochebene über sein Gelände zieht, nur Urnen beigesetzt. Das klingt vernünftig. Aber wirklich vernünftig ist auf einem Friedhof fast nichts. Denn wie die Eiszeit die Barnimhochebene geschaffen hat, so schafft auch der Tod eines Menschen Tatsachen, von denen zuweilen niemand etwas ahnt. Scheinbar liegen unter Wiesen, Blumen und Efeuhügeln nur sterbliche Überreste oder Asche begraben. Scheinbar ist es Volkners Aufgabe lediglich, die Gräber zu verwalten. Vor fünf Jahren hat er damit begonnen. Ihm wurden die vier evangelischen Kirchhöfe der Georgen-Parochialgemeinde und der St.-Petri-Luisenstadtgemeinde anvertraut. Drei davon liegen auf einem 22 Hektar großen Gelände am Volkspark Friedrichshain, zwischen Friedensstraße und Landsberger Allee. Mehrere Kapellen und 22 000 Grabstellen betreut er hier. Und seitdem er das tut, wird ihm fortwährend klar, dass sein Job weit über seinen Job hinausgeht.

Er sieht es bei seinem täglichen Gang durch die Grabreihen. Oder auf Beerdigungen. Oder im Büro. Meist redet Volkner am Telefon geduldig auf Hinterbliebene ein. Oft antwortet er streng auf Briefe. Die wurden zwar im Kummer geschrieben, kommen jedoch als bitterböse Beschwerde bei ihm an. Mancher Tage schüttelt er nur den Kopf und mischt sich nicht in anderer Leute Angelegenheiten ein. Der Zurückhaltung folgt das schlechte Gewissen, dann spürt Volkner: Ihm fehlt Distanz. Was sich seiner Meinung nach verbietet, wenn rundherum Trauer ist. Zehn Mal hat er den Sarg getragen, ehe er dabei keine Träne mehr verloren hat. "Einarbeitungszeit hat jeder", lässt er seine Mitarbeiter wissen, "aber wer dann noch heult, wird entlassen."

Manchmal jedoch ist es schwer zu sagen, wo genau Uwe Volkner sich selbst befindet. Ist er nahe dran an dem, was ein Friedhofsverwalter außer dem Verwalten noch zu tun hat? Oder etwa näher an seiner Entlassung? Diese Fragen stellt sich Volkner an jenen Tagen, da er mit Spaten und Schippe an einem Grab steht. Schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzer Rollkragen, schwarze Jacke. Grabesstille herrscht, nur der Spaten ächzt und die Erdbatzen plumpsen. Es weht ein kleiner, gewöhnlicher Wind. Aber etwas läuft verkehrt. Denn eine Urne oder ein Sarg, der längst beigesetzt worden ist, wird wieder ausgegraben.

Wie läuft es auf einem Friedhof? Zum Beispiel so: Die Berliner Stadtreinigung will monatlich so viel Gebühren einziehen, wie das Grundstück Straßenfläche hat. Uwe Volkner brauchte den Preis für einen Meter nicht erst mit der Länge der Friedhofsmauern zu multiplizieren, um zu wissen, dass er das nicht bezahlen kann. Und da wir bei der Stadt und ihren Verhältnissen sind, können wir es auch anders ausdrücken: Das Geschäft mit dem Tod ist rückläufig. Oder so: Bei Volkner auf dem Friedhof sind noch massenhaft Gräber zu haben. Die Preise dafür denkt er sich nicht aus. Wie die Stadtreinigung hat auch er seine Tarife. Kein Flecken Erde ist kostenlos. Der Organist muss bezahlt werden. Die Aufbahrung. Der Redner. Umsonst kommt niemand unter die Erde. Für umsonst kümmert sich der Steinmetz weder um eine Grabplatte noch um einen Stein. Die Schilder auf den Gräbern kosten was. Die Erdbeete. Die Efeuhügel. Nicht zuletzt haben Uwe Volkners Mitarbeiter das Gelände in Schuss zu halten. Wege, Wiesen, Hecken, Bäume und Denkmäler. Dazu gehören prunkvoll umzäunte Ruhestätten - die ältesten erhaltenen Gittergräber Berlins. Und wie überall in der Stadt mangelt es auch auf dem Friedhof an Personal.

Volkner und seine Kollegen erledigen alle Beerdigungen selbst. Nach der Zeremonie legen sie die schwarzen Jacken ab. Einer setzt sich in den Bagger, zwei arbeiten am Häcksler. Ein Vierter fährt mit dem hydraulischen Lift in die Baumkronen und holzt mit der Motorsäge aus. Gelernt haben sie das kaum. Sie sind Kfz-Schlosser, Installateur, Landschaftsgärtner, Tiefbauer. Dennoch fällt die körperliche Arbeit leichter als das, was im Kopf passiert. Spezialisten fürs Trauern sind sie wahrlich nicht.

Die Erfahrung mit dem Tod hielt sich in Grenzen, bevor sie hier zu arbeiten begonnen haben. Ein Friedhof muss am Laufen gehalten werden wie alle anderen Betriebe in der Stadt. Die Totengräber früher haben gesoffen. "Heute machen die Kollegen dumme Witze", erzählt Volkner, "das hilft auch." Oder er drückt es so aus: "Die Gruben sind 1,80 Meter tief, da darf keiner verschüttet werden." Fällt einer vom Baum, trägt einer weniger den Sarg mit. Auch dieser Satz könnte von ihm sein, er rechnet eins und eins zusammen. Ergebnis: Der Dienstplan ist eng.

Je nachdem, wer von der Truppe in der Kapelle ist, wenn der Bestatter kommt, der muss den Sarg öffnen und nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Es gibt Verwandte, die plötzlich hineinsehen wollen. Und es gibt Krankenhäuser, die Tote gefroren in der Mülltüte liefern. Oder ein Mund hat sich während der Fahrt im Leichenwagen geöffnet. "Das sieht nicht schön aus", sagt Volkner und drückt ihn wieder zu. Nur die Gedenkreden halten er und seine Leute nicht. Macht es der Pfarrer, dann läuten die Glocken. Das ist sogar umsonst. "Ein Friedhof ist ein Wirtschaftsbetrieb." Und Volkner der Letzte, der sich, nur weil das seltsam klingt, umständlicher ausdrücken würde.

"Erdbestattungen bringen mehr Geld als Urnenbeisetzungen", sagt er. Punkt. Den Punkt spricht der Friedhofsverwalter nicht aus, aber seine Stimme fällt abgrundtief. Zwei lange Sekunden vergehen, ehe er weiterredet. Währenddessen lassen sich die Dinge von selbst verstehen. Das Billigste muss demnach nicht unbedingt das Beste sein. Die Verkaufsstatistik jedoch spricht gegen diese These. 86 Prozent der Kunden entscheiden sich für das Einäschern, und die Hälfte davon will gar kein Grab, sondern die Wiese. Anonyme Sozialbestattung nennt man so etwas, 883 Mark. Normalerweise verschwindet die Urne nach der Gedenkfeier wieder in der Kammer. Wenn sich eine Schubkarre voll angesammelt hat, gräbt der Kapellenwart sie ein. Auf den evangelischen Friedhöfen Friedrichshains gehen die Angehörigen noch mit hinaus, werfen eine Hand voll Erde ins Loch. Doch auf einer Wiese, unter der rund 1500 Urnen sind, hat die Trauer um den einzelnen Menschen keinen Ort. Und wo kein Ort der Trauer ist, fehlt oft auch die Chance, den Verlust zu verkraften. Punkt.

Wie gesagt, die Briefe kommen meist als Beschwerden. Am Tag nach der Beisetzung sei er gekommen, um die Schleifen zu fotografieren, schreibt ein Mann, doch etwas Ungeheuerliches sei geschehen: Sie waren weg. "Wir mussten daneben ein neues Loch graben", antwortet Volkner. "Die Kränze sind auf dem Müll." Wer anonym begraben ist, den kann man nicht fotografieren. Andere Leute beschweren sich nicht, aber sie kommen mit Grablichtern, um die Stellen zu markieren. Die ganze Wiese ist voll roter Kerzen. "Das hier sind keine Grabstätten", erklärt Uwe Volkner den Leuten, "und wenn es denn doch eine sein soll, dann melden Sie sich, dann können wir reden."

Auf seinem Friedhof gibt es einen Plan von der Wiese. So ein Plan ist unüblich, aber wenigstens kann Volkner nachvollziehen, wer wo begraben liegt. Vier, fünf Mal im Jahr wünschen Angehörige, dass die Urne doch ein richtiges Grab bekommt. Volkner holt Genehmigungen ein, denn das Berliner Leichen- und Bestattungsgesetz ist streng. Wenn auch das Gesundheitsamt zustimmt, bettet er um. Es verbietet sich zu sagen, das sei für den Friedhofsverwalter so etwas wie ein Triumph.

Niemand lehrt den Menschen zu trauern. Es mangelt an Vorstellungen, denn zu Lebzeiten werden Geschichten vom Tod nicht gern gehört. Danach ist es zu spät. Die Alten hinterlassen Sterbegeld in einem Briefumschlag unterm Wäschestapel im Schrank. Die Jungen erzählen sich, dass die Alten keine Ahnung haben, was das Sterben wirklich kostet. Wer nicht zum Pfarrer geht, wenn er einen Angehörigen verloren hat, erfährt keine professionelle Seelsorge, Familien und Freunde sind überfordert und versagen. Die Frage, was zu tun ist, beantwortet schließlich das Bestattungsinstitut: Beerdigungspakete in verschiedenen Preislagen. Das klingt, als wäre in so einem Paket alles drin. Als könnte man auch Traurigkeit unter die Erde bringen.

Da Uwe Volkner auch selbst Urnen und Särge trägt, hört er, was auf Gedenkfeiern gesprochen wird. Kopfschütteln wäre unangebracht, denn der normale Verfahrensweg ist, dass Redner engagiert werden wie Handwerker. Oder Zauberer. Sie haben den Toten nie gekannt. "Die Omi sitzt auf der Wolke und winkt", hat einer den vielen Enkelkindern in der Trauerhalle gesagt. Volkner stand vor der Tür und wartete auf das Kommando, um den Sarg zu nehmen. "Nun denn zum letzten Gang." Als er die Oma an ihnen vorbeitrug, sahen die Kinder nicht hin, sondern starrten nach oben.

Höchstens zehn Prozent der Bestattungen auf Volkners Friedhöfen sind noch kirchlich. Da redet dann der Pfarrer. Ob Uwe Volkner als Träger dabei ist, entscheidet der Dienstplan. Er ist es gern. Zwar will er niemandem einreden, dass die Seele des Verstorbenen bleibt. Zwar weiß er, dass keinem Menschen vorzuschreiben ist, wie er trauern soll. Aber für ihn ist das Abschiednehmen ein Teil des täglichen Lebens. Er mag es, wenn die Leichen aufgebahrt werden. Er will dem Tod ins Auge sehen. Mit Gott geht er am liebsten den letzten Gang. Er mag den Pfarrer, weil der offen redet, etwa so: "Freut euch, dass ihr den Opa gehabt habt. Jetzt aber bleibt der Gute in seiner Kiste bis zur Auferstehung."

Zurück zur Gebührenordnung. "Reihengrabstätten, die vom Friedhof gepflegt werden, sind teurer als Gräber, die der Käufer selber bepflanzt." Möglicherweise erwarten die Kunden mehr Mitgefühl in Volkners Stimme. Das könnten sie haben. Nur kann der sich zuweilen nicht entscheiden, wem seine Anteilnahme gelten soll: den Hinterbliebenen oder eher den Toten? Letzte Woche beispielsweise hat ein Bestatter eine Urne angemeldet. Für die Wiese. Der Friedhofsverwalter hat den Namen der Toten notiert, womit die Sache erledigt gewesen wäre. Doch dann kam er auf seinem Rundgang an einem Grabstein vorbei, auf dem Name und Geburtsdatum eben jener Frau standen. Wieder im Büro, rief er zurück. "Warum darf sie nicht zu ihrem Mann?" Dem Sohn koste es zu viel, die Liegefrist zu verlängern, erklärte der Bestatter. Und er könne das Grab nicht pflegen. Volkners Stimme, die sich ansonsten ruhig auf einer Tonlage bewegt, ging nach oben. "Haben Sie gesagt, dass da gar nichts zu machen ist?", rief er. "Die Pflege ist längst bezahlt! Die Eheleute wollen doch immer zusammen!" Als der Hörer schon lag, fügte er leise hinzu: "Der Sohn kann doch da auch noch rein."

Beim Abendessen riet seine Frau, die Angehörigen zum Gespräch zu laden. Volkner nickte. Aber dann schossen ihm die Zahlen durch den Kopf: 1300 Beerdigungen im Jahr, und solche Probleme gibt es immer wieder. Das schafft er einfach nicht. "Ich habe aufgegeben", klagte er am nächsten Morgen, als er wieder über den Friedhof ging. Dann aber rückte er sich selbst den Kopf zurecht, wie er es auch mit den Köpfen seiner Kollegen tut: Uwe Volkner, du verlierst die Distanz. Schritt für Schritt rückte das schlechte Gewissen von ihm ab. Plötzlich, vor einem Grab, war es weg. "Innig geliebt und unvergessen", stand auf dem Stein. Davor wucherte anderthalb Meter hoch das Unkraut.

Wahlgrabstätten kosten noch mehr. Sie können reserviert und verlängert werden. Man kann sich zwischen der alten und der neuen Abteilung des Friedhofs entscheiden. Das kostet. Noch teurer ist eine "bevorzugte Lage" oder gar "Exquisitlage": Grabmal nach Einzelentwurf und Einfassung aus Naturstein. Wer das haben will, kommt mit der Beerdigung auf knapp 10 000 Mark. Kaum jemand kauft das.

Volkners Friedhöfe verändern sich. Pompöse Mausoleen und geheimnisvolle Gruften sind aus einer Zeit, da die Menschen in den Berliner Mietskasernen noch ihre Toten aufbahrten. Katastrophale hygienische Bedingungen waren das, denn die Großfamilien lebten zusammengepfercht in kleinen Zimmern. Mitte des 19. Jahrhunderts begann man Kapellen wie die Georgen-Parochial-Kapelle zu bauen, um die Leichen aus den Wohnungen zu holen. Volkners Friedhöfe wurden Orte für den Totenkult. Heute scheinen sie eher als Ablagerungsplätze zu dienen. Das könnte das Ende der Geschichte sein. Punkt. Aber da klingelt das Telefon. Einer Familie von Russlanddeutschen ist jemand verstorben. "Was können Sie für uns tun?", fragen die Hinterbliebenen. Volkner zeigt die moderne St.-Petri-Kapelle, den Verabschiedungsraum, die elektrische Kühlzelle und den Ort, wo er nach heutigen hygienischen Maßstäben den Sarg öffnen kann. Die Familie will eine große Feier und ein wunderschönes Grab. "Die gehören wirklich nicht zu den Reichen in der Stadt", sagt Uwe Volkner. "Aber ich muss keine Bedenken haben, dass am Ende etwa nicht bezahlt wird."

Neun Jahre war der Landschaftsbauingeneur Uwe Volkner bei der S-Bahn angestellt. Mitte der 80er bekam die BVG von der DDR die West-Berliner Strecken zur Verwaltung, da war viel abzuholzen, und in Volkners Händen lag es, dies umweltverträglich zu machen. "Ein Ingenieur muss durch Nachdenken eine Aufgabe lösen", sagt er. Also hat er auch über die Friedhöfe viel nachgedacht. Irgendwann ist er auf die Idee gekommen, ein Haus zu bauen. Vielleicht war das zu der Zeit, als es den Ärger mit dieser Frau gab. Nachdem ihr Mann beigesetzt worden war, hat sie mehrmals versucht, ihn wieder auszubuddeln. Jahrelang war da niemand, der sie in ihrem Unglück auffing, der Bestatter nicht, die Familie nicht, keine Gemeinde. Schließlich musste Volkner stellvertretend für sie alle kapitulieren. Er rief die Polizei. Doch als die Frau abgeholt worden war, bereitete ihm das weiter Kopfzerbrechen. Er fand ein verlassenes Mausoleum, bot an, es kostengünstig herzurichten, und bettete den Mann in die Gruft um. Jetzt kann die Witwe ihn hinter Glas sehen. Ob er damit seine Aufgabe gelöst hatte, erzählt sich wie ein Märchen: Der Leichnam war nach drei Jahren kaum verwest.

In dem Haus, das Volkner bauen will, soll die Trauerarbeit geleistet werden, die ansonsten zu kurz kommt. Er denkt an Gespräche, an eine Selbsthilfegruppe, eine Kneipe. Er träumt von einem kircheneigenen Bestattungsunternehmen. "Zur Not mache ich ein eigenes auf", sagt er. Dass die Not ziemlich groß ist, zeigt nicht nur der Umstand, dass neben den Bestattungsinstituten, die Volkner empfiehlt, viele sind, von denen er unter allen Umständen abrät. Dass die Not ziemlich groß ist, zeigt auch die Tatsache, dass nicht alle Toten, deren Asche in Berlin unter die Erde kommt, auch in Berlin verbrannt wurden. In Tschechien erledigt man das für weniger als ein Viertel des Preises, den die Angehörigen hier zahlen. Die Differenz stecken sich die Bestattungsinstitute ein. Es lohnt sich, Tote zu sammeln und sie Hunderte Kilometer weit zu fahren. Und weil in Tschechien keiner genau hinsieht, schafft man mit den Leichen den Krankenhäusern auch gern für ein Entgelt den Sondermüll vom Hals. Gruselig? Uwe Volkner winkt ab. Sogar die Presse hat darüber geschrieben. "Das bringt uns nicht weiter."

Die Zeitungen haben einst auch darüber geschrieben, dass in der East Side Gallery Totenschädel liegen. Das war in seiner Anfangszeit, damals wohnte er auf dem Friedhof und lag nachts auf der Lauer. Im Mausoleum des Holzhändlers Franke war öfters eingebrochen worden. Einen Grabräuber hat Volkner gestellt. "Ich tue doch keinem was Böses", hat der Mann gesagt. Volkner ist zur East Side Gallery gefahren, hat die Schädel der Frankes identifiziert, wieder mitgenommen und so gut wie möglich den einzelnen Särgen zugeordnet. Mittlerweile waren sie schwarz lackiert und trugen Ohrringe aus Büroklammern. "Ich könnte behaupten, das sind gesellschaftliche Verwerfungen", sagt Volkner. Aber er behauptet das nicht, denn wer würde das schon verstehen. Er steht auf der Südspitze der Barnimhochebene und blickt über die Stadt. Wirklich zu verstehen ist auf einem Friedhof fast nichts. "Ich könnte auch sagen: Wer sowas macht, der spinnt", sagt Volkner. Und baut sein Haus.

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