Zeitung Heute : Berliner Großprojekte: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über das Planwerk Innenstadt

Welche Projekte beschäftigen Sie zur Zeit?

Welche Projekte beschäftigen Sie zur Zeit?

Kuhlo: Die Großprojekte Potsdamer und Leipziger Platz, Lenné-Dreieck sowie Alexanderplatz und Spittelmarkt.

Wie steht es mit dem Leipziger Platz?

Kuhlo: Der Platz soll bis 2004 komplett fertiggestellt sein. Für das Grundstück der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft (TLG) gibt es immer noch keine Pläne. Es gab Investoren, die sich bei der TLG beworben haben, um gemeinsam mit ihr einen Teil des 20 000 Quadratmeter großen Areals zu entwickeln. Das wäre in unserem Sinne, denn die Bauten am Leipziger Platz sollen so kleinteilig und so vielfältig wie möglich werden. Der TLG ist das bekannt. Eine Entscheidung soll Ende des Monats fallen. Das hat uns die TLG aber schon öfter versprochen. Vom Senatsbaudirektor wird jedenfalls erheblicher Druck gemacht, am Leipziger Platz alle Projekte gemeinsam fertigzustellen.

Kann sich die TLG nicht damit anfreunden, einen Entwickler mit ins Boot zu lassen?

Kuhlo: Die TLG könnte sich ja auf die Entwicklung eines Teils ihres Grundstücks beschränken und den Rest verkaufen. Sicher ist, dass wir gerade die Straßenbahnschienen am Leipziger Platz legen, die Info-Box 2001 abbauen und den Platz gestalten. Wir wollen keine leere Flächen im Umfeld des Leipziger Platzes. Ebensowenig wollen das die anderen Investoren und schon gar nicht der Bundesrat.

Welche Investoren interessieren sich für Grundstücke in Berlin?

Kuhlo: Die meisten sind aus dem deutschsprachigen Raum. Die Interessenten aus dem amerikanischen Bereich wollen immer in die Höhe. Daher ist der Leipziger Platz für sie uninteressant. Für die spielt Geld keine Rolle, die wollen sich darstellen. Das Krasseste, was ich auf dem Tisch hatte, waren 230 Meter. Wenn ich den Investoren dann sage, das entspricht an der Stelle nicht unseren Vorstellungen, sind sie erstmal beleidigt. Die brauchen Nachhilfe in Berliner Städtebau.

Schicken Sie die nicht zum Alexanderplatz, mit der Stadtkrone von 150 Metern?

Kuhlo: Das mache ich, aber die Eigentümer am Alex wollen selber investieren. Wir haben mit ihnen städtebauliche Verträge abgeschlossen und die haben sich verpflichtet, ab 2004 loszulegen. Bis 2011 sollen die Bauten fertiggestellt sein. Das haben wir durch den Bebauungsplan so festgesetzt. Zudem gilt auch weiterhin der Senatsbeschluss, wonach wir für jedes Hochhaus einen Architekturwettbewerb ausloben. Am Alexanderplatz werden keine zehn Kollhoffs entstehen, wir brauchen architektonische Vielfalt.

Wo sollen Investoren ihr Kapital anlegen?

Kuhlo: Vom Alexanderplatz bis runter zum Spittelmarkt. Das ist auch Teil unseres Planwerks Innenstadt. Deshalb werden wir zusammen mit dem Bezirk planungsrechtliche Sicherheit schaffen. Durch die Verengung der Verkehrsschneisen entstehen neue Grundstücke, die dann bebaut werden können. An denen gibt es ein erhebliches Interesse von Seiten der Bauträger.

Was sind die bereit, dafür zu zahlen?

Kuhlo: Über Preise zu reden, hieße Kaffeesatz lesen. Aber wir wollen mit dem Planwerk Innenstadt mehr Wohnungen in der Innenstadt schaffen. In den letzten Jahren hatten sie einen Anteil von 20 Prozent an den neuen Flächen. Bei der Nachverdichtung wollen wir ihn auf 30 bis 50 Prozent erhöhen. Das wäre dann eine sogenannte mischgebietstypische Nutzung. Da die Bodenpreise von der Nutzung abhängen, hätten wir ganz andere Bodenrichtwerte als im übrigen Kerngebiet von Mitte. Bei einer Regeldichte von 4,5 im Kerngebiet kosten Grundstücke zwischen 8000 und 10 000 Mark pro Quadratmeter, wenn wir das als Mischgebiet ausweisen, liegt die Schmerzgrenze bei 6000 Mark. Die Erlöse für den Verkauf der neuen Grundstücksflächen sollen direkt in den Umbau der Stadt gehen. Dies wird nicht reichen, auch die Investoren müssen ihren Teil zur Finanzierung der neuen, Wege und Grünanlagen beisteuern.

Lassen sich Wohnungen in der Innenstadt denn zu Preisen bauen, die bezahlbar sind und den Investoren Gewinn versprechen?

Kuhlo: Das wird der Markt zeigen. Aber die Vermarktung der Stadtvillen im Tiergarten-Dreieck und im Bereich des Potsdamer Platzes zeigt, dass Preise von 8000 Mark pro Quadratmeter aufwärts verlangt wurden, bei einer Wohnungsgröße bis zu 300 Quadratmetern. Dennoch werden die Objekte gut verkauft.

Purer Luxus, der Millionen kostet. Der Kreis der Interessenten ist also begrenzt.

Kuhlo: Stimmt, aber es ist viel Geld da, und die Leute investieren bereitwillig in diese Stadt und die Wohnungen.

Aber zwischen Alexanderplatz und Spittelmarkt können doch nicht nur Luxuswohnungen entstehen?

Kuhlo: Nein, wir müssen eine gesunde Mischung schaffen. Wir werden die angestammte Wohnbevölkerung nicht aus der Stadt verdrängen.

Können sie die Investoren dazu bewegen, billige Wohnungen zu bauen, wenn sie mit den teuren Objekten mehr verdienen?

Kuhlo: Wir können niemand zwingen, aber über die Grundstückspreise mitsteuern. Das Land Berlin als Eigentümer muss versuchen, seine Vorstellungen durchzusetzen.

Verbietet es die Haushaltsordung des Landes nicht, dass der Senat Grundstücke unter Verkehrswert verkauft?

Kalthöner: Richtig, sie sollen auch nicht unter Verkehrswert verkauft werden. Aber sobald die verbindliche Bauleitplanung Grundstücke nicht für eine Kerngebietsnutzung ausweist, sondern für eine Mischnutzung, ist auch der Verkehrswert niedriger.

Haben Sie Finanzsenator Kurth schon gefragt, ob er auf die Erlöse verzichtet trotz leerer Kassen?

Kuhlo: Es geht nicht um Verzicht, sondern um die richtige Stadtentwicklung. Es gibt eine eindeutige Verabredung, dass die Finanzverwaltung ohne unsere Zustimmung kein Grundstücke verkauft. Die bisherigen Grundstücksverkäufe sind fast alle im Konsens mit dem Finanzsenat erfolgt, sowohl was die Nutzung als auch den Preis betrifft.

Was ist mit den Projekten in der City-West?

Kuhlo: Am Breitscheidplatz ist der Kaufvertrag über das Brau-und-Brunnen-Grundstück noch nicht notariell beurkundet oder noch nicht vollzogen. Von unserer Seite aus könnte morgen gebaut werden. Der Bauantrag von Maeckler liegt vor, allerdings wird für die Pläne von Richard Rogers eine Verlängerung der Genehmigung beantragt. Nun liegt uns aber noch keine Nachbarzustimmung vor. Das Verfahren ruht, obwohl der Regierende Bürgermeister schon letztes Jahr den ersten Spatenstich gemacht hat. Die Stadt, der Bezirk und die Anlieger könnten sich natürlich düpiert fühlen, dass da immer noch nichts weiter passiert ist.

Bleibt es bei den zwei Türmen von Langhoff und Maeckler am Breitscheidplatz?

Kuhlo: Ja, es gibt eine Vereinbarung mit dem Bezirk, dass keine weiteren städtebaulichen Dominanten errichtet werden. Außerdem gibt es im Gegensatz zur historischen Mitte ja unter anderem den gültigen Baunutzungsplan von 1960. Die darin festgeschriebene Höhenbegrenzung gilt bis heute.

Was ist dem Plan von Paul Kleihues und seinem Investor Kapag für eine Europa-City hinter dem Bahnhof Zoo?

Kalthöner: Das ist wie im Planwerk beschrieben Erweiterungsgelände für die Technische Universität mit zusätzlichen Wohnungen und einem Platz. Das Projekt ist rein privat promotet. So geht das nicht. Noch gibt es den Bezirk und den Senat.

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