Zeitung Heute : Berliner Hilfskräfte verdienen am besten

Bezahlung, Verträge, Stellen: Kleiner Leitfaden für die Arbeit an der Hochschule

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BEZAHLUNG

Als HiWi den Wissenschaftsbetrieb zu Erobern, macht Sinn und Spaß. Einen Wehrmutstropfen stellt die Entlohnung dar. Zwar gelten sie als „unverzichtbar“, die etwa 100 000 Hilfskräfte an Deutschen Hochschulen – kosten lassen letztere sich die wertvolle Mitarbeit leider immer weniger. Klar, die Hochschulen müssen sparen.

Bereits 1993 wurden deshalb die studentischen Löhne von der Tarifentwicklung des öffentlichen Dienstes abgekoppelt, seitdem gab es keine Anhebungen mehr. Der Höchstsatz heute: 8,02 Euro. Was genau gezahlt wird, hängt von Bundesland und Hochschule ab, mancherorts sollen studierende schon mit fünf, im Falle der FH Weihenstephan sogar mit 3,07 Euro abgespeist worden sein.

Kurze Vertragslaufzeiten, noch kürzere Kündigungsfristen und unbezahlte Überstunden runden das wenig positive Gesamtbild ab. Eine erfreuliche Ausnahme bildet Berlin: Zwar sind auch die hiesigen Hochschulen mittlerweile aus dem Tarifverbund ausgestiegen, halten sich aber weiterhin an vor Jahren getroffene Sonderregelungen. Die sehen für HiWis 10,98 Euro pro Stunde vor, deutlich mehr also, als Studierende in anderen Bundesländern erhalten. Bei Wissenschaftlichen Mitarbeitern ist die Angelegenheit solide geregelt, sie werden entsprechend dem BAT entlohnt. Beispiel: Ein Einsteiger, der in Berlin eine volle Stelle ergattert, das 25. Lebensjahr vollendet hat, unverheiratet und kinderlos ist, wird nach BAT II a bezahlt und bekommt inklusive Ortszulage und allgemeiner Zulagen 2.800,65 Euro.

VERTRÄGE

HiWi-Verträge entstehen zwischen Dozenten und Studierenden. Während die Entlohnung mehr oder weniger verbindlich geregelt ist, sind Vertragslaufzeiten frei. Einen Jahresvertrag zu erwischen bedeutet Glück, mit drei Monaten abgespeist zu werden dagegen Pech. Meistens sichert sich der Prof die wertvolle Mitarbeit jedoch mindestens für sechs Monate und erneuert bei Bedarf und guter Zusammenarbeit die laufenden Verträge. befristete Arbeitsverhältnisse sind nämlich eher die Regel. Von den 1414 Wissenschaftlichen Mitarbeitern der Humboldt Universität beispielsweise sind lediglich 474 unbefristet beschäftigt. Wissenschaftliche Mitarbeiter mit befristeten Verträgen können maximal sechs Jahre vor der Promotion und sechs Jahre nach der Promotion an der Hochschule arbeiten. Die Altersgrenze ist also vom Zeitpunkt der Promotion abhängig.

STELLEN

Eine HiWi-Stelle macht maximal 20 Wochenstunden aus. Weniger Stunden sind unbeliebt, das Zeitvolumen richtet sich aber ganz nach dem Bedarf des Dozenten. Mit einer vollen HiWi-Stelle kann man es in Berlin auf fast 900 Euro bringen – wovon Studierende in der Regel leben können. Bei Wissenschaftlichen Mitarbeitern gilt für volle Stellen ähnliches wie für unbefristete Arbeitsverhältnisse: Auch sie sind eher selten. Eine Ausnahme stellt der Bereich Informatik dar, dort gibt es fast ausschließlich Vollzeitjobs. Geisteswissenschaftler müssen sich auf Zweidrittel-Stellen einrichten, Naturwissenschaftler auf halbe.

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