Zeitung Heute : Berliner Hotelbranche: Viele neue Sterne für die Hauptstadt

Harald Olkus

Das Geschäft der Berliner Hoteliers brummt. Mit fast 65 Prozent Auslastung im September haben die Beherbergungsbetriebe eine Bettenbelegungsrate wie seit neun Jahren nicht mehr. Und dabei hat sich die Berliner Hotellandschaft in den vergangenen drei Jahren um mindestens 20 Hotels mit rund 3500 Betten vergrößert. Seit der Wende hat sich die Zahl der angebotenen Betten nach Angabe der Berlin Tourismus Marketing (BTM) auf 62 000 erhöht und damit sogar fast verdoppelt. Gute Voraussetzungen also, weitere Hotels zu bauen, sagen sich Hoteliers und Investoren.

In den kommenden Jahren sind deshalb mindestens weitere 20 Hotels mit mehr als 10 000 Betten geplant. Dabei scheinen die Investoren vor allem in den gehobenen Klassen Nachholbedarf zu sehen. Auffallend viele der neuen Hotels haben vier oder fünf Sterne. Schon im kommenden Jahr will beispielsweise die Swiss-Air-Tochter Swissôtel im jetzt abgerundeten Kudamm-Eck an der Joachimsthaler Straße eröffnen. In den oberen Stockwerken des vom Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner entworfenen Gebäudes sollen rund 320 Hotelzimmer eingerichtet werden. Die Dorint-Kette plant für Ende kommenden Jahres ein weiteres Haus in Berlin. Das Vier-Sterne-Hotel mit gut 250 Zimmern in der Chausseestraße soll Dorint Budget Hotel Berlin-Mitte heißen.

Auch Ekkehard Streletzki will nach seinem Erfolg mit dem Estrel Hotel in Neukölln ebenfalls neue Hotels errichten. Gemeinsam mit der Fondsgesellschaft Bauwert will er an der Nürnberger Straße in Tiergarten das Monopol Hotel bauen. Die Fünf-Sterne-Herberge soll rund 450 Betten haben. Noch nicht fest steht der Termin für den Bau des Estrel-Cult, einem 300-Betten Hotel für ein jugendliches Publikum.

Die Accor-Gruppe plant mehrere Hotels in Berlin. Bereits in wenigen Monaten will das Mercure Hotel in der Schützenstraße am Checkpoint Charlie die ersten Gäste beherbergen. Der Baubeginn eines Drei-Sterne-Hotels mit 400 Betten ist für das kommende Jahr in der Gertraudenstraße / Ecke Fischerinsel vorgesehen. Bis vor kurzem buddelten am Standort des abgerissenen Ahornblatts aber noch die Archäologen und suchten nach Zeugnissen aus dem mittelalterlichen Berlin. Ein Vier-Sterne-Hotel der Accor-Gruppe mit 200 Betten soll bis 2003 am Stuttgarter Platz in Charlottenburg folgen.

Erst vor wenigen Tagen hat das Radisson SAS im Palasthotel am Berliner Dom seine Pforten geschlossen. Die Deutsche Immobilien Fonds AG (Difa) will das erst 21 Jahre alte Gebäude ab Januar abreißen und an seiner Stelle bis 2003 das "DomAquarée" errichten. Das Vier-Sterne-Hotel mit 408 Zimmern soll als besondere Attraktion ein 30 Meter hohes Aquarium mit exotischen Fischen und Unterwasserlandschaft haben. In dessen Kern soll ein Fahrstuhl die Gäste nach oben in eine öffentliche Badelandschaft bringen.

Eine Investitionsruine wieder zum Leben erwecken will dagegen die Astron Hotel AG. Sie plant, den seit Jahren im Rohbauzustand an der Landsberger Allee stehenden Betonklotz bis zum Sommer 2002 zu einem Kongresshotel mit 6000 Quadratmetern Veranstaltungsfläche und 570 Zimmern auszubauen. Der inzwischen verstorbene italienische Architekt Aldo Rossi hatte den Komplex als Einkaufszentrum entworfen. Nach Fertigstellung des Rohbaus zeichnete sich aber ab, dass die "Landsberger Arkaden" nicht wirtschaftlich betrieben werden können - der Baustopp wurde verhängt. Der neue Besitzer will nun die Pläne Aldo Rossis verwirklichen.

Auch die Betreiber von internationalen Luxushotels haben ein Auge auf Berlin geworfen: Kempinski will das alte Haus Cumberland am Kudamm wieder zum Hotel ausbauen, die Fundus-Gruppe plant auf dem Tachelesgelände ein Luxushotel und am Potsdamer Platz soll sich das Ritz Carlton für den Beisheim-Tower interessieren.

"Die Investoren gehen davon aus, dass der Zuwachs an Übernachtungsgästen weiter steigt", begründet Natascha Kompatzki, Pressesprecherin der BTM das Interesse der Hoteliers. Durch die große Zahl von Hotelneubauten habe Berlin mittlerweile die modernste Hotellandschaft Europas zu bieten. Im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten übernachte man in Berlin aber sehr günstig. "Aus unserer Sicht muss sich das ändern", sagt die Pressesprecherin. Während ein Hotelzimmer in Berlin im Schnitt 95 Euro koste, sei ein Zimmer in London und Paris im Mittel nicht unter 170 Euro zu haben. Rom liege bei 146 Euro. Bei diesem Preisniveau könnten die Hoteliers in den weniger ausgelasteten Monaten von November bis Januar kaum ihre Kosten decken, meint die Pressesprecherin.

Nach Ansicht von Ilona Kensy von Aengevelt Immobilien sind die großen Hotelketten dabei, ihren Anteil in der Stadt immer weiter auszubauen. "Kleinere Familienbetriebe könnten dann Schwierigkeiten bekommen. Es kommt aber immer auch auf den Standort und das individuelle Konzept an." Gleichzeitig werde der Anteil der Konferenz- und Tagungshotels zunehmen, erwartet die Maklerin. Die Zuwächse bei den Übernachtungen sei bisher hauptsächlich auf die steigende Zahl der Touristen zurückzuführen. In anderen europäischen Hauptstädten sei der Anteil der Geschäftskunden weitaus höher als in Berlin. Diese Entwicklung werde auch hier noch nachvollzogen.

Aber auch im Tourismusbereich läge noch unausgeschöpftes Potenzial. Einige Hotels hätten den Dienstleistungsgedanken noch nicht ganz verinnerlicht. Berlin sei derzeit die Stadt mit dem vielfältigsten Kulturangebot in Europa. Während man in Dresden in jedem Hotel beim Einchecken eine Karte für die Semperoper angeboten bekomme, überließen es manche Hoteliers in Berlin gern den Reiseveranstaltern, interessante Pakete mit Kunst- und Kulturangeboten zu schnüren. "Gerade Leute, die Kunstreisen machen, haben aber genügend Geld und würden vielleicht auch ein paar Tage länger bleiben."

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