Berliner Hotellerie : Vom Branchenfremden zum Branchenführer

Ekkehard Streletzki wurde in der Hotellerie einst von der Konkurrenz belächelt. Heute ist der studierte Bauingenieur Chef des größten deutschen Hotels Estrel

Cay Dobberke
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Viele Berliner und Touristen kennen das „Estrel“ an der Neuköllner Sonnenallee – schließlich ist es mit 1125 Zimmern das größte und umsatzstärkste Hotel Deutschlands – und im angegliederten Festival Center läuft die höchst erfolgreiche Doppelgängershow „Stars in Concert“. Weniger bekannt ist, woher das 1994 eröffnete Vier-Sterne-Haus seinen Namen hat: Estrel steht für den 68-jährigen Inhaber Ekkehard Streletzki. Eigentlich ist der Unternehmer aus Hamm an der Sieg im Westerwald studierter Bauingenieur. Die Basis seiner Firmengruppe bildete ab 1967 ein Statikbüro in München. In der Hotellerie sei er anfangs „als Branchenfremder belächelt worden“, sagt Streletzki.

Davon kann nicht mehr die Rede sein, das Estrel und sein Chef wurden einige Male ausgezeichnet. Bereits 1996 wählte eine Fachjury das Haus zum „besten Businesshotel Deutschlands“. Streletzki wurde vier Jahre später zum „Hotelier des Jahres“ gekürt. 2005 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und Ende 2008 folgte die Ehrung als Unternehmer des Jahres durch den mittelständischen Bundesverband „Die Familienunternehmer – ASU e. V.“. Gewürdigt wurde sein berufliches Lebenswerk, aber auch sein soziales Engagement. Das Estrel richtet zum Beispiel seit Jahren das Weihnachtsfest für Obdachlose mit dem Berliner Entertainer Frank Zander aus.

2008 war für das Hotel das zweitbeste Jahr nach dem Rekordjahr 2007. Auch für 2009 sieht es gut aus. Zur Internationalen Tourismus-Börse war das Estrel zu 95 Prozent ausgebucht. Und im August wird es zum „Athletenhotel“ der Leichtathletik-WM. Das Haus habe sogar maßgeblich dazu beigetragen, dass Berlin den Zuschlag für die WM erhielt, sagt Streletzki. Das Organisationskomitee habe „alles unter einem Dach“ verlangt, die Athleten und anderen Beteiligten sollten nicht auf mehrere Hotels verteilt werden. Im Vorfeld der WM wurde mehr als die Hälfte aller Zimmer renoviert.

„Auf jeden Fall umsetzen“ will Streletzki den 2006 gescheiterten Ausbau des Convention Centers. Damals hatte die Stadtentwicklungsverwaltung ihm den Bau eines Einkaufszentrums untersagt, mit dem er die Erweiterung des Kongressbereichs finanzieren wollte. Derzeit spricht Streletzki mit Banken und hofft, im April den Durchbruch zu erzielen. Die neuen Tagungssäle könnten dann auch ohne das Einkaufszentrum entstehen.

„Man muss immer ein wenig kreativer sein als andere und immer wieder etwas Innovatives wagen“, lautet ein Motto des Hotelgründers. Er sei aber „kein Besserwisser, ich spreche mit jedem“. Beim Estrel war ihm auch „ein Unterhaltungsprogramm auf hohem internationalen Niveau“ wichtig. Dafür sorgte Showproduzent Bernhard Kurz, der „Stars in Concert“ 1997 nach dem Vorbild von Las-Vegas-Shows gründete und zur international bekannten Marke aufbaute.

Bis zu 6000 Menschen finden im Festival Center Platz. In Berlin und bei Gastauftritten in verschiedenen Ländern haben schon mehr als 3,4 Millionen Besucher die Auftritte von Doppelgängern gesehen, die Stars wie Elvis Presley, Elton John, die Blues Brothers, Whitney Houston oder Marilyn Monroe verkörpern.

Noch habe Berlin „sein Entwicklungspotenzial längst nicht ausgeschöpft“, findet Streletzki. Für ihn gilt das wohl nicht: Vor zwei Jahren eröffnete er zusammen mit seinem ältesten Sohn Julian das Hotel Ellington an der Nürnberger Straße in Schöneberg. Er hatte das leer stehende Baudenkmal bereits 1997 gekauft und ursprünglich ein Luxushotel geplant. Dass dies scheiterte, sieht Streletzki heute gelassen:  Das „Designhotel in einer Architektur-Ikone der 20er Jahre“ mit 285 Drei-Sterne-Zimmern treffe „genau den Zeitgeist“. Benannt ist es nach dem US-Jazzmusiker Duke Ellington, der einst an gleicher Stelle im Musiklokal und Kabarett „Badewanne“ gespielt hatte.

Das hoteleigene Restaurant „Duke“ hat es gerade in den Restaurantführer Gault Millau geschafft. Außerdem entfaltet das Hotel eine beachtliche Außenwirkung: Die Nürnberger Straße ist belebt wie seit Jahrzehnten nicht mehr, viele Läden haben sich angesiedelt.

Auch am Filmpark Babelsberg ist Streletzki beteiligt und hat zusammen mit dessen Chef Friedhelm Schatz die neue „Metropolis-Halle“ gebaut. Gerade wurde diese für die nächsten zwei Verleihungen des Medienpreises „Bambi“ ausgewählt.

Das jüngste Projekt ist eine Idee des Estrel-Direktors Thomas Brückner: Anfang März übernahmen Estrel-Azubis den Hotel- und Restaurantbetrieb im Schloss Britz. Die Lehrlinge handeln eigenverantwortlich, unterstützt von einem Estrel-Manager und einem Koch. Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) stimmte als Vorstand der Kulturstiftung Schloss Britz zu. In dem Baudenkmal gibt es nur fünf Gästezimmer, ein Restaurant mit 30 Plätzen und Sommerterrasse sowie Veranstaltungsräume für bis zu 80 Personen. Es handelt sich also um eines der kleinsten Berliner Hotels – betreut vom größten.

Man muss immer ein wenig kreativer sein als andere und immer wieder etwas Innovatives wagen. Ich bin aber kein Besserwisser, ich spreche mit jedem.“

Ekkehard Streletzki,

Chef des Estrel

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