• Berliner Liste: Kleine Geschichten aus unserer großen Stadt. Wäre doch schade, wir hätten sie nicht aufgeschrieben.

Zeitung Heute : Berliner Liste: Kleine Geschichten aus unserer großen Stadt. Wäre doch schade, wir hätten sie nicht aufgeschrieben.

Nathalie Weidenfeld schreibt jeden Sonntag eine Ep

1 Kurfürstenstrasse

Darf ich Sie auch noch schnell überzeugen?, fragt die Frau am Samstagmorgen auf der Kurfürstenstraße und wartet die Antwort nicht ab. Sie drückt den Leuten ein SPD-Programm in die Hand. Am Nachmittag sieht man: Die Straßen werden zu selten gefegt.

2 Hans Eichel

Dicke Luft im Dressler Unter den Linden. Finanzminister Eichel genehmigt sich nach dem Seeteufel schnell noch eine Cohiba, Restaurantpreis 65 Mark. Bestimmt bald teurer, wegen Eichels Terrortabaksteuer.

3 Ein Gedicht

Meine beste Freundin meint, ich dürfe kein Herbstgedicht schreiben: "Zu kitschig." - "Das ist mein erster Herbst hier! Meine Gedichte sind nicht kitschig. Wäre ein Berliner Herbstgedicht!" - "Selbst wenns ein Tokio- Herbstgedicht wäre". Ein Haiku:

Gelbe Blatter fallen

nass

durch die Bäume

auf die Straße.

4 Vater und Sohn

"Ist das ein alter Bus, Papa", fragt der Junge den Vater im Oberdeck. Ist es: Man sitzt so tief, die Decken hängen so niedrig, dass man sich selbst wie ein Kind vorkommt. Waren die Berliner früher alle so klein?

5 Japaner

Ein Japaner ist immer im Dienst - auch wenn er auf der Liege liegt, am Swimmingpool des Schweizer Hofs. Eben noch hat er, in Handtücher gewickelt, Akten studiert, jetzt hat er ein Buch aufgeschlagen, hält es fest in der Hand. Und schläft.

6 Der Kandidat

Was wird eigentlich aus Steffel?

7 Nächstenliebe

So christlich ist man schon, dass man sonntags mal in die Kirche geht, am Ludwigkirchplatz zum Beispiel. Aber wie christlich ist man wirklich? Als der Penner mit seinen Plastiktüten während der Messe an einem vorbeischlurft, auf der Suche nach einem Platz, hofft man doch, dass er sich nicht neben einen setzt. Der Penner stinkt.

8 Westerwelle

Vergangener Sonntag, kurz bevor die Amerikaner ihren Angriff starten. Guido Westerwelle geht am Kurfürstendamm über die Leibnizstraße, zu Fuß, alleine. Ein groteskes Bild: Alle, wirklich alle drehen sich um: Da ist der Westerwelle! Wie eine lebende Schaufensterpuppe. Was er wohl denkt? Am Abend ist die Puppe wieder dort, wo sie hingehört. Auf allen Kanälen kommentiert sie die US-Luftschläge.

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