Berliner Salon auf der Fashion Week : Was halten Designer vom neuen Konzept?

Der Berliner Salon ist einer der wichtigsten Termine der Woche, rund 30 Designerinnen und Designer geben dort einen Ausblick auf ihre Kollektionen.

Museale Anmutung. Der Berliner Salon fand dieses Mal in der Elisabethkirche statt.
Museale Anmutung. Der Berliner Salon fand dieses Mal in der Elisabethkirche statt.Foto: dpa/Anette Riedl

Kein Klaviergeklimper mehr. Nach dem Umzug des Berliner Mode Salons vom Kronprinzenpalais in die Elisabethkirche ist nicht nur die musikalische Untermalung eine andere geworden, auch das Konzept hat sich verändert. War man im Kronprinzenpalais vom Erdgeschoss bis in den zweiten Stock durch ein Haus voll mit schöner Kleidung gewandert und hatte so einen wunderbaren Überblick über deutsche Mode, prallt man nun im Kirchenschiff auf ein Podest und vor allem auf dicht gedrängt stehende Menschen, die aufeinander einreden. Die Outfits der Designer stehen an den äußeren Wänden. Fast hat man den Eindruck, die Mode wird an den Rand gedrängt, wichtig ist jetzt vor allem der Austausch. Da haben wir dann einfach mal mitgemacht und vier Designerinnen und einem Designer je drei einfache Fragen gestellt: Laufsteg oder Installation? 100 Jahre Bauhaus oder 50 Jahre Mondlandung? Wie gefällt Ihnen der frühe Termin der Berliner Fashion Week?

Caroline Rohner von Steinrohner

Wir haben schon sehr früh Installationen gemacht, auch zusammen mit Künstlern. Es passt viel besser zu uns, wir wollen ja auch Geschichten erzählen. Das funktioniert nicht in fünf Sekunden. Und wir wollen auch mehr Entschleunigung in der Mode, mehr Input und mehr Inhalt. Bauhaus ist so gar nicht unseres, die Mondlandung finde ich inspirierender. Wir machen ja mehr mit Natur. Wir haben uns mit dem frühen Termin arrangiert und kriegen das sehr gut hin. Diesmal waren wir sehr früh fertig und nicht im Stress, weil wir sehr strukturiert arbeiten. Aber mehr Zeit wäre immer gut.

Philipp Bree von PB 0110

Für uns kommt eh nur Installation infrage, aber ich finde beides gut, es kommt halt darauf an, was man zu sagen hat. Und das Bauhaus ist uns sowieso nah, das sieht man ja auch an unseren Taschen und Farben. Aktuell haben wir sogar eine Bauhauskollektion, die kommt jetzt auf den Markt. Und der Zeitpunkt der Fashion Week ist gut – je früher, desto besser!

Lara Krude

Auf den jeden Fall Installation! Ich finde es schön, wenn ich alles in Ruhe ansehen kann und nicht alles so vorbeirast. Wenn sich Gäste über meine Entwürfe unterhalten, mache ich ganz große Ohren. Mir liegt Bauhaus auf jeden Fall näher. Die Gradlinigkeit in Farben und Form sieht man ja auch in meiner Kollektion, der Leitspruch „Form follows function“ ist bei mir Bedingung. Es ist nur schade, dass es so schwer ist, einen fixen Termin für Berlin zu finden, wir sind so eingequetscht zwischen Mailand und Paris, da fehlt hier das internationale Publikum.

Julia Leifert von Philomena

Das hier ist das einzige Presseevent, das ich mache. Ich finde Installationen viel schöner als Show, meine Kollektion ist ja auch ein bisschen ruhiger. Viele Leute kommen zu einer Schau, weil sie auf einer Schau sein wollen, aber nicht wegen meiner Entwürfe. Das ist bei einer Installation anders. Ich fühle mich als deutsche Designerin dem Bauhaus verbunden, das hat uns alle geprägt. In einer Zeit, in der alles immer internationaler wird, ist es doch gut, das als Markenzeichen aufzubauen. Für mich ist die Fashion Week zu früh. Es hat sich alles vorverlagert, ich fahre am Samstag schon auf die Messe nach Paris.

Anna Heinrichs von Horror vacui

Solange sich jemand etwas gedacht hat und das Publikum emotional angesprochen wird, sind Show und Installation beide gut. Auch wenn es meinen Pyjamas und Nachthemdkleidern mit LibertyPrints nicht anzusehen ist – ich finde, auf das Bauhaus können wir wirklich stolz sein. Ohne Bauhaus kein Dieter Rams, ohne Dieter Rams kein Apple Design. So weiß die Welt, dass Deutschland etwas mit Design zu tun hat. Aber der Termin der Fashion Werk ist wirklich schwierig. Meine Kunden kommen alle nach Paris, deswegen verpasse ich das Ende dieser Fashion Week.

Die Fragen stellten Ingolf Patz, Jan Schröder und Grit Thönnissen.

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