Zeitung Heute : „Berliner Schnauze“ authentisch

Verlagschef Matthias Wermke im Gespräch über den Berliner Duden

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Herr Wermke, zum 60. Geburtstag des Tagesspiegels und zum 125. Geburtstag des Duden erscheint heute „Der kleine Duden. Deutsches Wörterbuch. Sonderausgabe Berlin“ mit 47 000 Stichwörtern und 2000 Berliner Wörtern und Wendungen. Ein für Sie ungewöhnliches Projekt?

Ungewöhnlich ja, weil die Dudenredaktion sich in erster Linie mit der deutschen Standardsprache beschäftigt, aber auch spannend, weil wir natürlich sehr gut wissen, dass es daneben einen reichen Schatz von Regional und Sondersprachen gibt, der nicht minder wert ist, gepflegt zu werden.

Welchen Anteil hatten bisher Berliner Ausdrücke im Duden?

Viele der gängigen Berlinismen wie „Koofmich“, „Mollenfriedhof“ oder „Schrippe“ waren schon bisher im Duden verzeichnet. Dafür sorgten die Berliner selbst, indem sie uns immer wieder auf die eine oder andere Ergänzung im Duden hingewiesen haben.

Hat das Berlinische nun durch die Aufnahme in den Duden die höheren Weihen bekommen?

Das wäre gar nicht nötig. Für die Dudenredaktion ist das Deutsche ein lebendiges Ganzes aus vielen Erscheinungsformen, zu denen natürlich auch das Berlinische zählt. Das heißt aber nicht, dass das Hochdeutsche als überregionale Standardsprache innerhalb dieser Vielfalt nicht doch einen besonderen Stellenwert hätte.

Worauf muss man achten, um einen Dialekt in ein Wörterbuch aufzunehmen?

Man braucht vor allem Gewährsleute. „Nachgemachte“ Dialekte wollen wir im Duden nicht. Mit Brigitte Grunert haben wir eine Ur-Berlinerin als Autorin gewonnen, der man die authentische „Berliner Schnauze“ unschwer abnimmt. Schade eigentlich, dass wir nicht noch mehr Raum für ihre Berlinismensammlung hatten.

Hat Sie das Ergebnis der Arbeit überrascht?

Überrascht hat mich, wie viele Berliner Wörter und Wendungen mir bereits bekannt waren. Ein Zeichen dafür, dass die Grenzen zwischen den Mundarten und der Hochsprache offen sind. Dazu tragen natürlich die auch Dialektgrenzen überschreitenden Medien nicht unwesentlich bei.

Gibt es eine Wendung, die Ihnen besonders gut gefallen hat?

„Det heißt nich heeßen, det heeßt heißen.“ Der Kurpfälzer in mir würde nachfragen: „Heeßst’s doch, oder?“

Können Sie sich weitere Sonderausgaben zu anderen Dialekten vorstellen?

Die Dudenredaktion sieht gerade im Duden-Jubiläumsjahr ihre Hauptaufgabe noch immer darin, die deutsche Hochsprache in ihren Nachschlagewerken zu dokumentieren und zu beschreiben und Hilfsmittel zu schaffen, die Anleitung geben zu einem angemessenen und korrekten Sprachgebrauch. Insofern sind Sonderausgaben wie der kleine „Berlin-Duden“ das, was sie sind, eben Sonderausgaben. Aber ein Anfang ist jedenfalls gemacht…

Welche Zielgruppe wollen Sie mit diesem kleinen Duden ansprechen?

Na, alle Berliner und solche, die es werden wollen.

Das Gespräch führte Rolf Brockschmidt

Der kleine Duden. Deutsches Wörterbuch. Sonderausgabe Berlin. Dudenverlag Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich. 512 Seiten, davon 50 Sonderseiten. Gebunden. 11 Euro (zzgl. 2,50 Euro Versandkostenpauschale).

Bestellung online: www.tagesspiegel.de/shop oder telefonisch (030) 26009-582. Das Buch ist auch in der Tagesspiegel-Geschäftsstelle, Potsdamer Straße 81-83, 10785 Berlin-Tiergarten, erhältlich.

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