Berliner Staatsoper : Erneute Kostenexplosion

Berlin muss weitere 93 Millionen Euro für Sanierung einplanen / Grüne: "Das wird Müllers BER"

Der Bauausschuss des Abgeordnetenhauses besuchte am 3. Dezember die Staastsopernbaustelle.
Der Bauausschuss des Abgeordnetenhauses besuchte am 3. Dezember die Staastsopernbaustelle.Foto: Thilo Rückeis

Berlin - Die Sanierung der Staatsoper wird mindestens 389 Millionen Euro kosten. Bei einer Besichtigung der Baustelle Unter den Linden kündigte die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Mittwoch an, dass die Ausgaben zulasten des Landeshaushalts um 93 Millionen Euro steigen. Als sich die Bundesregierung und der Berliner Senat 2007 auf eine gemeinsame Finanzierung einigten, lagen die geschätzten Sanierungskosten noch bei 239 Millionen Euro. Bis Mai 2014 stieg die Kostenprognose schrittweise auf 296 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund einen Festbetrag von 200 Millionen Euro. Den Rest muss das Land zahlen.

Eröffnet werden kann die Oper nun erst im Herbst 2017, vier Jahre später als geplant. Damit habe sich der künftige Regierungschef und Kultursenator Michael Müller (SPD), bisher zuständig für die Baupolitik, „selbst seinen Mini-BER geschaffen“, kritisierten die Grünen. Also ein Flughafen-Problem, wenn auch nicht so groß wie in Schönefeld. Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek geht davon aus, dass die jetzt erreichten 389 Millionen Euro „auch nur ein Zwischenstand sind“.

Rundgang über die Baustelle der Staatsoper
Fünf Tage vor der Berlin-Wahl gab es mal wieder einen Rundgang auf der Staatsoper-Baustelle.Weitere Bilder anzeigen
1 von 21Foto: Soeren Stache/dpa
13.09.2016 16:42Fünf Tage vor der Berlin-Wahl gab es mal wieder einen Rundgang auf der Staatsoper-Baustelle.

Die Haushaltsexperten der rot-schwarzen Koalition nahmen die Informationen am Mittwoch erst einmal entgegen. Seit drei Wochen gab es intern Gerüchte über die neuen Zahlen, aber die Abgeordneten warten noch auf einen schriftlichen Bericht der Stadtentwicklungsbehörde. Also auf eine nachvollziehbare Begründung, warum die Kosten in den Opernhimmel steigen. Die Bauzeitverlängerung schlägt nach Lüschers Angaben vom Mittwoch mit 39 Millionen Euro zu Buche. Ein Anteil von 24 Millionen entfällt auf „die eingetretenen Bestands- und Baugrundrisiken“. Als Risikovorsorge schließlich sind in der Summe von 389 Millionen Euro nun 14 Millionen Euro eingestellt – „um in Zukunft hinsichtlich der Kostenentwicklung Sicherheit zu haben“. Außerdem bereitete die Insolvenz eines Ingenieurbüros Probleme, das für Planung und Bauleitung zuständig war. Vorher war bereits eine Projektsteuerungsfirma aus der Sanierung der Staatsoper ausgestiegen.

Es müsse dringend nachgesteuert werden, forderte der Pirat Martin Delius, Vorsitzender des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Flughafen BER. Nur so ließe sich Schlimmeres verhindern. Das Parlament müsse klären, ob die Opernsanierung zusätzliche Ressourcen für Planung, Kostenkontrolle und Bauüberwachung brauche. Offenbar sei das Projekt „strukturell überlastet“. Auch der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Torsten Schneider kündigte an: „Wir werden uns das im Hauptausschuss des Parlaments sehr genau ansehen und erwarten eine gründliche Berichterstattung.“

Die Staatsoper ist in Berlin nicht die einzige Großinvestition, deren Kosten aus dem Ruder laufen. Der Flughafen BER ist das prominenteste Beispiel. Das Internationale Congress Centrum (ICC) ist nur noch mithilfe privater Investoren zu retten, und der Neubau einer Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld wurde nicht nur wegen des Volksentscheids gestoppt, sondern auch wegen horrender Kosten.

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