Zeitung Heute : Berliner Veranstalter: In den Schulferien - Kögel-Studienreisen aus Steglitz

Wilhelm Hüls

Gut gelaunt verlässt ein Ehepaar aus Zehlendorf die Geschäftsräume von Kögel-Studienreise in der Hartmannstraße in Steglitz. Die Eheleute haben sich eine dreiwöchige Reise durch Oman nach ihren Wünschen zusammenstellen lassen und anschließend gebucht. Für rund 10 000 Mark pro Person nicht gerade billig, aber dafür individuell.

Der Verkauf von Einzeltouren ist für den Veranstalter nicht typisch. Lothar Kögel hat sich in Berlin mit Gruppenreisen für Lehrer in den Schulferien einen Namen gemacht. Er ist - wie einige andere in der Hauptstadt ansässige Reiseveranstalter auch - von Haus aus Lehrer. Während des Referendariats 1968 organisierte er seine erste Reise für Berliner Sportlehrer in die Dolomiten, die dort einen Skilehrer-Kurs absolvierten. Die Organisation der Bustour und des Aufenthalts war der erste Schritt auf dem Weg zum Reiseveranstalter. Der eigentliche Start folgte dann 1973 mit einer Studienreise nach Ägypten und anschließend mit einer dreiwöchigen Indienreise im gecharterten Sonderzug.

Damals wie heute verreisen mit Kögel in der Mehrzahl all jene, die für ferne Ziele nur während der Schulferien Zeit haben, also überwiegend Lehrer und deren Ehe- und Lebenspartner oder deren Freunde und Verwandte. Mit dem Katalogtitel "Reisen in den Schulferien" spricht Kögel auch gezielt die Lehrerschaft an, und der Zusatz "und auch sonst" soll jene Kunden neugierig machen, die auch während der Schulzeit ferne Länder und Regionen erkunden können, zum Beispiel pensionierte Lehrer. Zu dieser Gruppe gehören zahlreiche Stammkunden des Hauses. Sie sind dem Reisespezialisten seit Jahrzehnten treu. Dafür erwarten sie von ihm aber auch Jahr für Jahr in jedem Katalog ein bis zwei neue Angebote. Das hält den Geschäftsführer auf Trab. Momentan ist er in Saudi Arabien unterwegs, um eine neue Route in dem arabischen Königreich zusammenzustellen. Prinzipiell nimmt Lothar Kögel an jeder neu aufgelegten Reise persönlich teil. Im kommenden Jahr wird er zum Beispiel eine dieser so genannten Pionierreisen in den Sudan begleiten. Grundsätzlich findet vor jeder Tour ein Informationsabend in der Steglitzer Villa statt, bei dem die Teilnehmer ihre Unterlagen erhalten, das Wichtigste über Land und Leute erfahren und die oder den Reiseleiter kennenlernen. In einer Gruppe sind mindestens zehn bis maximal 25 Teilnehmer. Traditionell folgt etwa vier Wochen nach der Reise in Steglitz ein so genanntes Wiedersehenstreffen, bei dem die Tour unterhaltsam und mit vielen Fotos ausgewertet wird.

Aber nicht jede Lehrerin und nicht jeder Lehrer will auch noch in den Ferien mit Kollegen unterwegs sein oder einen Urlaub von der Stange kaufen, sondern lieber individuell verreisen. Dafür bietet Lothar Kögel maßgeschneiderte Reisen mit allem Drum und Dran. "Individualreisen sind heutzutage für uns Veranstalter dank der moderner Kommunaktionstechnik kein Problem", sagt Lothar Kögel und freut sich, dass auf seinem Bildschirm soeben eine E-Mail aus Bangkok angekommen ist. Auf Kögels eigener Website führen seit Januar entsprechende Links zu Auskünften des Auswärtigen Amtes, von Gesundheitsdiensten und zu Länderinformationen.

Neuheiten im Programm kommen meist dadurch zustande, dass Lothar Kögel sich über die Weltkarte im Atlas beugt und nach Ländern sucht, die er noch nicht bereist hat. Dazu gehört zum Beispiel der Irak. Er wollte das Land zwischen Euphrat und Tigris bereits vor zehn Jahren kennenlernen, aber das wurde durch den Golfkrieg verhindert.

Zum Kögel-Team gehören drei Mitarbeiterinnen, die neben den hauseigenen auch die Produkte anderer Veranstalter verkaufen.

Zielgebiete: weltweit von Costa Rica bis Australien, zum Beispiel Burma, Iran, Jemen, Ecuador und die Galapgos-Inseln.

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