Zeitung Heute : Berlinerin in Djerba getötet

Der Tagesspiegel

Unter den Todesopfern des Anschlags in Tunesien ist auch eine Berlinerin. Das bestätigte gestern das Auswärtige Amt. Ob unter den 19 Verletzten, die noch in den Krankenhäusern liegen, ebenfalls Berliner sind, wurde nicht mitgeteilt. Zur medizinischen Behandlung der auf der tunesischen Ferieninsel Djerba verletzten deutschen Urlauber flog gestern auf Bitten des Medizinischen Zentrums des Auswärtigen Amtes auch ein Spezialist für Brandverletzungen aus Berlin nach Tunesien. Der Leiter des Brandverletztenzentrums im Unfallkrankenhaus Berlin, Bernd Hartmann, traf bei einer Zwischenlandung in München auf ein Team von Notärzten. Gemeinsam wurden sie am Nachmittag in einem Lear-Jet der Rettungsflugwacht nach Tunis geflogen.

Über das, was ihn in den Krankenhäusern von Tunis und Sousse erwartet, konnte der 43-jährige Mediziner gestern nichts sagen: „Wir wissen bisher nur, dass viele Schwerverletzte in den Krankenhäusern von Tunis und Sousse liegen.“ Wenn es ihr Zustand erlaube, werde er auf seiner Rückreise am Wochenende möglicherweise zwei der Opfer zur Behandlung nach Berlin bringen.

Auswirkungen auf den Urlaubsverkehr hat der Anschlag noch nicht. Pünktlich startete gestern Mittag die Boeing 737 der Germania in Schönefeld zum Flug nach Monastir. Mit 115 Passagieren war der Ferienjet für die Jahreszeit gut besetzt. Bisher wurden keine Flüge aus Berlin nach Tunesien gestrichen. Auch Rücktrittswünsche hat es nach der Explosion auf Djerba bisher nicht gegeben, ergab eine Umfrage bei Reisebüros. „Bei uns hat sich nur ein Kunde am Donnerstag erkundigt“, so Anja Albrecht vom TUI-Reisecenter am Bersarinplatz in Friedrichshain-Kreuzberg. „Bisher niemand“ heißt es im Hapag-Lloyd-Reisebüro in der Rheinstraße (Friedenau). Auch Wolfgang Lehmann, Geschäftsführer der sieben Berliner Germania-Reisebüros, hat noch keine Stornierungswünsche entgegennehmen müssen. „Ich erwarte das aber“, sagte er.

Der im Flugplan ebenfalls für Freitag vorgesehene Dienst der Air Berlin nach Monastir war schon vor längerer Zeit wieder gestrichen worden, betonte Firmensprecherin Astrid Endriß. Sämtliche ab Deutschland geplanten Tunesienflüge würden planmäßig verkehren. Auch der wöchentliche Liniendienst der Tunis Air startete gestern mit 64 Reisenden ab Schönefeld in die Hauptstadt Tunis. Ein weiterer Flug nach Monastir ist für Sonntag vorgesehen, dienstags wird das Urlaubsziel von Tegel aus durch Air Berlin und Germania angesteuert.

Bei den Reiseveranstaltern sah man gestern keinen Anlass, den Kunden kostenlose Stornierungs- oder Umbuchungsmöglichkeiten anzubieten. „Es läuft alles ganz ruhig und normal weiter“, sagte Markus Rüdiger von Thomas-Cook-Reisen. Das sei auch die Information aus dem Zielgebiet. „Ich fliege am Montag selbst nach Djerba, um mir dort Hotels anzusehen und habe keine Angst“, sagte eine Mitarbeiterin des Berliner Flug-Ringes. Auch das Auswärtige Amt hat bisher keine Reisewarnung für Tunesien ausgesprochen. Als preisgünstiges Pauschalreiseziel erfreut sich das nordafrikanische Land bei den Urlaubern aus der Hauptstadtregion großer Beliebtheit. Insbesondere bei den Ostdeutschen genießt der Wüstenstaat nach wie vor hohes Ansehen. du-/weso

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