Zeitung Heute : BERLINER SCHULE

Halbschatten.

Merle (Anne Ratte-Polle) ist in das Ferienhaus des Verlegers Romuald an die Côte d’Azur eingeladen worden. Als sie vor dem Tor steht, erfährt sie, dass der Besitzer erst in zwei Tagen zurückkommt. Merle schaut sich um, akklimatisiert sich in der fremden Umgebung. Die Kamera schaut ihr dabei geduldig zu, wird zum aufmerksamen Beobachter einer Wartenden. Nicolas Wackerbarth hat seine filmische Erzählung um eine Leerstelle herumgebaut, denn Romuald wird erst auftauchen, als der Film fast zu Ende ist. Bis dahin ist er der große Abwesende, der trotzdem das vergiftete Klima im Haus und die Beziehungen der Menschen darin bestimmt. Überraschend präzise für ein Debüt arbeitet Wackerbarth mit dieser indirekten, über Auslassungen funktionierenden Erzählweise. Und es gibt wohl kaum eine Schauspielerin, der man so interessiert beim Warten und Suchen zuschaut, wie Anne Ratte-Polle. Interessant. Martin Schwickert

D/F 2013, 84 Min., R: Nicolas Wackerbarth, D: Anne Ratte-Polle

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