BERLINISCHE GALERIEDie vergessene Fotografin Frieda Riess : Zum Tee ins Atelier

Nicola Kuhn

Berlin war bis zur Machtergreifung durch die Nazis nicht nur die Hauptstadt der Kunst-Avantgarde, sondern auch der Fotografie. Immer wurde in den vergangenen Jahren mit großen Ausstellungen daran erinnert, zuletzt mit einer Retrospektive für Martin Muncácsi im Gropius-Bau. Das Verborgene Museum aber hat sich den Fotografinnen gewidmet: Marianne Breslauer, Eva Besnyö, Lotte Jacobi und Yva. Nun lenkt es den Blick auf eine Vertreterin, die vollkommen vergessen schien, seit sie 1932 nach Paris ging, wo sie in den Fünfzigern verstarb. „Die Riess“, wie sie von den Zeitgenossen genannt wurde, war in den zwanziger Jahren Berlins eine Institution. In ihrem Atelier gingen Künstler, Literaten, Schauspieler und Sportler ein und aus, um sich fotografieren zu lassen oder an ihren berühmten Tee-Runden teilzunehmen.

So widmete der Kunsthändler Alfred Flechtheim 1925 Frieda Riess (Foto: Selbstporträt) mit 177 Porträts die bislang einzige Werkschau. Auch die enthusiastischen Äußerungen Wilhelm von Bodes oder Vita SackvilleWests konnten nicht verhindern, dass die aus dem polnischen Carnkov stammende Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie, die beim Berliner Lette-Verein das Handwerk erlernt hatte, wie eingerichtete Retrospektive eriaus der Kunstgeschichte gestrichen schien. Die nun in der Berlinischen Galeriennert zum ersten Mal seit 80 Jahren wieder an diese Chronistin der Berliner Boheme. Ihr Lebensweg ließ sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Geblieben sind die Porträts von Tilla Durieux, Emil Jannings, Max Liebermann und Renée Sintenis.Nicola Kuhn



Berlinische Galerie, Fr. 6.6.

bis Mo 20.10., Mi-Mo 10-18 Uhr,

6 €, erm. 3 €.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben