Zeitung Heute : Berlins bekanntester Autosattler: Verrückt - aber nur ein wenig

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Die aaa ist gelaufen und Berlins Autotuner reiben sich die Hände: Nach der Messe ziehen die Geschäfte mit Extras und Zubehör spürbar an. Auch die Autosattler profitieren von der Lust am rollenden Luxus - wir haben Berlins bekanntesten Autosattler gefragt, warum Autobesitzer zwischen fünf- und zehntausend Mark für neu belederte Autositze und Türverkleidungen ausgeben.

Herr Kaskan, können Sie besonders gut mit Verrückten?

Sefer Kaskan: Unsinn. Wer uns seinen Wagen bringt, um die Sitze auszubauen und neu zu beziehen, der ist weder verrückt noch verschwenderisch.

Sondern?

Kaskan: Vielleicht hat der Kunde einen Jahreswagen gekauft, kann also keinen Einfluss auf die Innenaustattung nehmen. Oder er bringt einen Japaner, für die wird ab Werk meist gar kein Leder angeboten. Auch Berliner mit krummem Rücken kommen zu uns und lassen orthopädische Sitze passend zu den Original-Sitzen beziehen. Dann gibt es die Freaks, die sich einfach was Abgefahrenes schneidern lassen, knallrotes Leder fürs Cabrio etwa. Und schließlich gibt es auch Leute, die beim Kauf eines Neuwagens anders als andere rechnen und schnell ein paar Hunderter sparen: Die Bestellung der Sonderausstattung Leder ist für manchen Autotyp teurer, als das nachträgliche Beziehen durch den Sattler - auf Wunsch besorgen wir dasselbe Material, das der Autohersteller ab Werk einsetzt.

Davon sind offenbar vor allem Russen beindruckt.

Und wie. Im Moment sind das unsere besten Kunden. Die reisen aus Moskau an, kaufen ihren Mercedes so, wie er in den Showrooms steht, ob mit oder ohne Leder. Hat er keins, dann fahren die vom Autohändler gleich auf unseren HofÉ

Éund warten einige Wochen, bis alle Sitze ausgebaut, gehäutet, neue Bezüge genäht und aufgezogen sind?

Dann könnten wir das Geschäft vergessen. Für die Russen haben wir immer zehn komplette Lederausstattungen auf Vorrat. So reichen zwei bis drei Tag für die komplette Montage.

Worauf kommt es bei dieser Arbeit besonders an?

Im wahrsten Sinne des Wortes auf gutes Hand-Werk. Wenn wir den Sitzen zu Leibe rücken, kommt es neben dem guten Geschmack vor allem auf das Gefühl in den Fingerspitzen an. Leder ist nicht leicht zu verarbeiten. Malochen allein reicht da nicht.

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