Zeitung Heute : Berlins Flughäfen sollen bestreikt werden

Verdi will Arbeitsniederlegung kurzfristig ankündigen / Gericht verbietet Ausstand der Lotsen in Frankfurt.

Berlin - Berlin droht ein Streik auf den Flughäfen Schönefeld und Tegel, den die Gewerkschaft Verdi sehr kurzfristig ankündigen will. Nicht ausgeschlossen ist, dass die Beschäftigten des Bodendienstleisters GlobeGround bereits an diesem Mittwoch die Arbeit niederlegen. Vor zwei Jahren war es den Arbeitgebern gelungen, sich auf lange vorher angekündigte Aktionen so einzustellen, dass die Streiks weitgehend ins Leere liefen. Dies will Verdi jetzt verhindern, wie am Dienstag bekannt wurde. Die Gewerkschaft fordert vier Prozent mehr Geld für die rund 1500 Beschäftigen von GlobeGround, die nach Angaben von Verdi rund 80 Prozent der Bodendienste an den beiden Flughäfen Schönefeld und Tegel abwickeln – vom Schleppen der Flugzeuge bis zur Abfertigung des Gepäcks. Die Arbeitgeber fordern nach Verdi-Angaben weitere Einschränkungen von den Beschäftigten, was nicht hinnehmbar sei. GlobeGround teilte mit, das Unternehmen wolle die unteren Einkommen steigern. Dafür müsse es woanders Kompensationen geben.

Bei den ersten Streikaktionen wolle man „im Rahmen“ bleiben, kündigte Verdi am Dienstag an. An einen längeren Streik über mehrere Stunden sei noch nicht gedacht. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben  BVG hatte Verdi zuletzt zu einem 15-stündigen Warnstreik an einem Samstag aufgerufen. Bei diesen Tarifverhandlungen gibt es inzwischen Hinweise, dass sich beide Seiten an diesem Mittwoch auf einen Abschluss einigen.

In Frankfurt am Main stoppte das Arbeitsgericht den Lotsenstreik am dortigen Flughafen. Wenige Stunden vor dem geplanten Ausstand erließ die Kammer am Dienstagabend eine einstweilige Verfügung gegen die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), die Fluglotsen zu einem Unterstützungsstreik für das Vorfeldpersonal aufzurufen. Eine solche Maßnahme sei unverhältnismäßig, da sie das Gewicht des Hauptstreiks erreichen und zu einem zeitweisen Stillstand des Flugverkehrs führen würde, sagte Richter Matthias Kreutzberg-Kowalczyk. Zuvor hatte die Fraport ein letztes Gesprächsangebot der GdF ausgeschlagen und auf einer Entscheidung des Gerichts bestanden. Die GdF sagte die Ausweitung der Streiks ab. Der Solidaritätsstreik finde nicht statt, sagte ihr Anwalt David Schäfer. Nachdem das Arbeitsgericht den Streik untersagt habe, sei keine Zeit mehr gewesen, um in den Nachtstunden in Eilberufung zu gehen.

Die GdF hatte die Lotsen für diesen Mittwoch zu einem sechsstündigen Unterstützungsstreik für die seit knapp zwei Wochen streikenden Vorfeldmannschaften am Frankfurter Flughafen aufgerufen. Die Lotsen sind Beschäftigte der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung GmbH in Langen, während die Vorfeldmannschaften beim Flughafenbetreiber Fraport beschäftigt sind. Sie waren bislang trotz mehr als 1500 Flugausfällen mit ihren Forderungen nach mehr Gehalt und besseren Arbeitsbedingungen nicht durchgedrungen. Falls die Lotsen zwischen 5 Uhr und 11 Uhr nicht gearbeitet hätten, wären rund 400 Flüge ausgefallen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte vor dem Streik und dessen „verheerenden Folgen“ gewarnt. mit dpa/AFP

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