Zeitung Heute : Berlins Wohnungsmarkt wird attraktiver

Immer mehr Anleger interessieren sich für City-Apartments und sanierte Altbauwohnungen

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Der Wohnungsmarkt in deutschen Wachstumszentren und Immobilienhochburgen wurde von den großen, teils umstrittenen Transaktionen internationaler Investoren wachgeküsst. Berlin und Potsdam entwickeln sich dabei zu aktiven Märkten. Die Region hat international den besten Ruf. Dass nicht nur große Wohnungspakete Interesse wecken, zeigen die zunehmenden Nachfragen von Home-offices wohlhabender ausländischer Familien – beispielsweise aus Spanien oder Dänemark – nach kleinteiligeren Einheiten. Diese Familien wollen in mittlere Größen wie Mehrfamilienhäuser und renditeträchtige 1 B-Lagen investieren. Gut sanierte Objekte werden gesucht. Ausländische Investoren sehen dabei Wertsteigerungspotenziale, die noch vor kurzem im Inland selbst nicht wahrgenommen wurden.

Nicht nur das immobilienwirtschaftliche Umfeld, auch die Bedürfnisse der Kunden unterliegen einer starken Wandlung. Umlandwanderungen kehren sich um, der Trend geht zurück in die Stadt. Man zieht in den Ballungszentren wieder zusammen. Folgt man der langfristigen Prognose des Bundesamtes für Raumordnung, werden die Wachstumszentren 2020/2050 Wanderungsgewinne verbuchen, ihre Einwohnerzahlen steigen. Eine räumliche Polarisierung zugunsten der Städte zeichnet sich ab. Geringe Geburtenraten werden durch zunehmende Lebenserwartung kompensiert, deshalb geht bis 2020 die Bevölkerung nur um 0,5 Prozent, bis 2050 um 6 Prozent zurück. Gleichzeitig vergrößert sich die Zahl der Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte um etwa 3,4 Prozent.

Da sich der Wohnungsbestand auf absehbare Zeit nicht erhöhen wird, ist langfristig mit einer Verknappung auf dem Wohnungsmarkt zu rechnen. Das sollte einheimische Interessenten aufhorchen lassen, die sowohl eigengenutztes als auch vermietetes Wohneigentum als Kapitalanlage suchen. Denn bei damit steigenden Mieten und wachsender Nachfrage wird Eigentumsbildung immer interessanter – auch in einer klassischen Mieterstadt wie Berlin. Noch sind die Immobilienpreise niedrig. In Brandenburg waren sie beispielsweise für Eigentumswohnungen in den vergangenen zehn Jahren um fast 30 Prozent eingebrochen, wie das ifs Institut Berlin feststellte. Doch der seit Mitte der 90er Jahre vor allem in Ostdeutschland anhaltende Abwärtstrend von Immobilienpreisen scheint zum Stillstand gekommen zu sein – auch wenn von einer generellen Trendumkehr wohl noch nicht gesprochen werden kann. Gute Wohnlagen bleiben die gefragten Wunschadressen künftiger Hausbesitzer oder privater Investoren. Dabei werden beispielsweise in der Berliner City mehr und mehr Eigentumswohnungen ab drei Zimmern zu Preisen zwischen 200 000 und 300 000 Euro nachgefragt, auch Penthäuser von bis zu 500 000 Euro. Im Osten der Stadt reduziert sich in den Citylagen das Angebot sanierter Altbauwohnungen. Deshalb werden vermehrt Neubauten erworben, sofern sie mit architektonischem Pfiff aufwarten. Da käufliches Wohnungseigentum in Prenzlauer Berg und Mitte rar geworden ist, orientieren sich Interessenten verstärkt auf Friedrichshain. Hier liegen Quadratmeterpreise bei 1700 bis 2500 Euro. Townhouses, Reihenhäuser in der Stadt, entwickeln sich zu einem Renner. Mehrfamilienhausobjekte, die noch vor drei Jahren für das 12- bzw. 10-fache der Jahresmiete keine Käufer fanden, konnten 2005 bereits wieder für das 14-fache veräußert werden. Bei Mieterprivatisierung und der Bildung privaten Immobilieneigentums in der Stadt geht es in Zukunft vorzugsweise um Wohnungen und Häuser aus dem Bestand. Die Gründung von eigentumsorientierten Genossenschaften ist dafür ein Erfolg versprechender Weg, der auch Interessenten mit normal gefülltem Geldbeutel Wohneigentum ermöglicht. Dabei entwickeln sich alten- und behindertengerechtes Wohnen zu einem Schwerpunkt. Bei der Diskussion um die Immobilie als Altersvorsorge deuten Signale der Politik darauf hin, dass die Förderung im Riester-System zukünftig vor allem Familien bei der Eigentumsbildung unterstützen soll. Der Markt ist in Bewegung gekommen.

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