Bernd Matthies : Der schwere Lebensabend der Bank-Öhis

Bernd Matthies HP Kontur

Bitte, das ist für Laien schwer vorstellbar: Dass ein paar tausend Entscheidungsträger, wenn sie sich nur lange genug dämlich genug verhalten, ungefähr den Gegenwert der Welt incl. Transozeanien und Kleinmachnow verbrennen. 40 Billionen weg! Alles! Unsere Urgroßeltern hatten vollkommen recht, als sie seinerzeit monatlich auf der Sparkasse vorsprachen, um sich das Geld vom Sparbuch zeigen zu lassen. Denn diese von uns Jüngeren hämisch verlachte Strategie hätte das Verhängnis zumindest eindämmen können.

Die Folgen werden vor allem unser Berufsleben hart treffen. Banker, das war mal gleichbedeutend mit schwer verdientem Wohlstand. Millionen von genervten Eltern predigten ihren Kindern, die sich die Haare lang wachsen ließen und auf bunte Elektrogitarren einschlugen: Kind, mach doch lieber eine Banklehre, dann hast du was Solides. Wer es tat, der war nicht nur praktisch Beamter, sondern bezog sogar ein anständiges Einkommen zuzüglich Provision und Mehrwertsteuer.

Die höchstentwickelte Form des Bankers, der Schweizer Bankdirektor, lebte wie Nachbar Michael Schumacher, und das, ohne andauernd feuerfeste Unterhosen tragen zu müssen – ein Idealfall menschlicher Existenz, eingeschränkt allenfalls von der Angst, die Nummer des eigenen Kontos zu vergessen. Doch jetzt hören wir aus der Schweizer Bankenszene eine ernste Botschaft: Die verlustbedingt vakanten Chefsessel können nicht mehr besetzt werden. „Och nö, lieber nicht“ sagen die Hoffnungsträger aus der zweiten Reihe, sie können sich ein Leben mit dem miesen Sozialprestige eines Bankpräsidenten einfach nicht vorstellen. Sollen sie den nächsten Geschäftsbericht des Schweizerischen Bankvereins demnächst in der Tram verkaufen, grüezi, mein Name ist Urs, und ich verkaufe die neue Ausgabe der „Bilanz“, zwei Fränkli sind für meinen Lebensunterhalt . . .?

Die Lage ist so ernst, dass die alten Männer wieder ran müssen, die Bank-Öhis. Sie heißen Kaspar Villiger und Oswald Grübel, sind 67 oder 68, haben einen lebenslang verbrieften Stammplatz fürs Geschnetzelte in der „Kronenhalle“ und dürfen im Verwaltungsrat Zeitung lesen – und nun sollen sie mit letzter Kraft den Kampf um das Bankgeheimnis führen, sollen Nummern und Konten verteidigen, als ginge es um das Original-Fonduerezept.

Allerdings sieht es so aus, als sei auch das zusammen mit den 50 Billionen schon längst untergegangen.

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